Leer

Schloss Salem | Ehemalige Klosteranlage der Zisterzienser

SH Sicherheit 550x70

Das Schloss Salem ist eine ehemalige Reichsabtei (also Kloster), die mit viel Barock und einer langer Geschichte aufwartet.

Das ehemalige Kloster Salem ist heute ein zum Teil besuchbares Stück Geschichte in Oberschwaben. Es beherbegt barocke Räumlichkeiten, ein Münster, eine alte Weinkelterei und auch ein Internat. Zum Gelände gehört auch ein Bereich für Kunsthandwerker, deren Werke man kaufen kann.

01 Schloss Salem

Das Land Baden-Württemberg hat 2008 ein Teil des Schlosses für 60,8 Millionen Euro übernommen, den man über eine Führung besichtigen kann. Übrigens waren 15 Millionen Euro nur die Abfindung für die Adelsfamilie von Baden, die durch Napoleon an den Besitz kamen. Für Freunde des Barock lohnt die große Tour, denn das Kloster war reich und verfügt daher über ausgewählten Barock von namhaften Künstlern jener Zeit..

Der Ortsname Salem stammt übrigens von einer Person, so heißt das Dort 1140 Salemanneswilare (also Dorf des Salemanns), zu jener Zeit wird der Begriff auch umgedeutet und bezieht sich fortan auf „Ort des Friedens“, den biblischen Ort Salem oder Salem wie Jerusalem. Zur Zeit der Gründung des Klosters stand in Salemanneswilare nur eine desolate Kapelle.

Beginn des Zisterzienserklosters Salem | Zisterzienser & Adelsreute

Der Zisterzienserorder beginnt mit dem Mönch Berhard von Clairvaus so richtig, der als Benedektiner begann und dann dem Zisterziensern beitrat, ein Orden der seinen Ursprung in Burgund hat und mit Burgund wird das Kloster Salem auch künftig gute Geschäfte machen; im Übrigen kam auch der oberschwäbische Spätburgunder aus dieser Handelsgemeinschaft. Clairvaus plante den Bau des Klosters in Salem. Zistersienser lebten anfangs nach dem Prinzip sich selbst zu finanzieren, aus eigener Arbeit und nicht von dem Abgaben der Bauern, wie die Benediktiner beispielsweise in Zwiefalten. Das änderte sich später, als der Orden zu großen Wohlstand kam.

Das Kloster Lützel (Lucell) im Elsaß gründete das Kloster in Salem als erstes Zisterzienserkloster nördlich des Bodensees. Ein Edelfreier (hoher Adel) aus Adelsreute hatte dem Kloster Lützel zu diesem Zweck die Ortschaft Salem, seinen Sitz Adelsreute, Behweiler, Wolpertsweiler, sowie die heute nicht mehr existierenden Wartberg, Wittenweiler, Bosinweiler gespendet. Das war in den Jahren von 1134 bis 1137. Die Dauer der Übertragung des Gebiets war durch das Zögern des Ordens bedingt, denen die Streuung der Gebiete zu Groß, das Gesamtareal aber zu klein war. Aktuell glaubt man das Datum der Gründung auf den Sonntag nach Christi Himmelfahrt datieren zu können: Am 15. Mai 1138.

Zu diesem Zeitpunkt der Geschichte kämpften noch die Welfen und die Staufer um die Vorherrschaft in Oberschwaben. Das Kloster Salem stand auf der Seite der Staufer und das in der Nähe des welfischen Hoheitsgebiet in Weingarten. Daher erfolgte so ein rascher Austieg zur Blütezeit im 13. Jahrhundert, nachdem die Staufer den Konflikt gewannen.

Als Stifter des Klosters tritt der Edelfreie Guntram(mus) de Adelsreute dem Orden bei, verstarb dort 1138 und er, wie auch seine Tochter wurden hier bestattet. Das Adelsgeschlecht war damit ausgestorben. Die Burg Adelsreute ist heute nicht mehr auszumachen. So erlebte er nicht mehr, dass das Kloster 1140 durch den Papst Innocenz II die Vogtfreiheit erhielt, bestätigt durch Herzog Friedrich II von Schwaben, sowie zwei Jahre später durch König Konrad III (Staufer) als Schirmvogt. 1155 wurde König Friedrich I. Barbarossa Protektor des Klosters. Ab 1178 untersteht das Kloster dirket dem Vatikan. 1384 wird Salem sogar ein Quasi Bischofssitz, was dem Bischof in Konstanz gar nicht gefiel. Fortan verglich man sich damit und versuchte den Bischof von Konstanz immer zu übertreffen.

Unter dem Schutz der Staufer und der Eigenarbeit konnte das Kloster recht schnell Ländereien erwerben. Und man gründete selbst Tochterklöster, wie in Raitenhaslach in Bayern (1147), Tennenbach im Schwarzwald (1185), Wettingen im Aargau (1227, was im 14. Jahrhundert nach Mehrerau bei Bregenz verlegt wurde), Königsbronn bei Ulm (1303) und einige Klöster wurden dem Kloster Salem unterstellt, wie beispielsweise die Klöster Gutenzell, Heggbach, Heiligkreuztal, Baindt. Es kamen noch weitere Schenkungen dazu, die sich über ganz Süddeutschland erstrecken.

Zeitgleich mit dem Territorienerwerb wurde ausgebaut, die erste Klosterkirche zur Heiligen Verena und Cyriak wurde 1179 eingeweiht, im Jahr 1285 wurde dann mit dem Neubau des Münsters begonnen, das aber 30 Jahre später ausgesetzt wird; und so wird das Münster erst 1414 geweiht und 1425 fertig. Sie ersetzte die alte Klosterkirche mit einem rechteckigen, aber doppelt so großen Grundriss. Das erste Gotteshaus aus dem 12. Jahrhundert war vermutlich eine dreischiffige Basilika, samt Querschiff das in sechs Abteilungen unterteilt war. Das Münster in seiner gotischen Form ist immernoch erhalten.

Im Laufe der Zeit wird das Zisterzienserkloster in Salem zu einem der reichsten Reichsabteien im Südwesten Deutschlands mit einem Jahresgewinn von 100.000 Gulden. Geld machte man vor allem mit Landwirtschaft und Weinanbau, für letzteres hatte man ungefähr 2.500 Hektar Fläche was über 500.000 Liter pro Jahr produzierte. Damals produzierte man zwar viel mehr Wein als heute, damals war Wein aber auch ein wichtiges Lebensmittel. Vor allem unter Abt Eberhard von Rohrdorf wuchs das Kloster bis zum 13. Jahrhundert stark, er förderte den lukrativen Salzhandel mit Salzburg.

Der erste Abt war Frowin, ihm unterstanden zwölf Mönche in weiß und Laien-Geistliche in braun und Bärten. Bereits 1147 verzeichnete das Kloster 60 Mönche, 1311 130 Mönche und 180 Laien. Bis zum 16. Jahrhundert waren es um die 100 Mönche und während des Dreißigjährigen Krieges ging Zahl hinunter, danach waren es wieder mehr geworden.

Kloster Salem im Bauernkrieg und Dreißigjährigen Krieg

In der Zeit nach dem Aussterben des Staufer-Geschlechts und den Kampf um die Herrschaft innerhalb des Christenheit wurde das Kloster zum Ende des 13. Jahrhunderts demoliert. Mit dem Ende der Staufer verliert das Kloster seinen Reichtum, doch der neue Herrscher, Rudolf von Habsburg, erneuerte die Ordnung in der Reichsabtei, die fortan dem Vogt Schwaben untersteht. Die österreicherischen Habsburger und dessen Protektoriat sorgte für Angriffe, was später zum Neubau des Münsters führt (siehe oben). Fortan werden die Habsburger die Region dominieren.

Zuerst war der Graf von Heiligenberg d’accord mit der Gründung, doch nun versuchte er die Macht darüber zu erlangen. Doch 1354 sprach der Kaiser Karl IV. ein Machtwort, da man immer wieder versuchte die Herrschaft über Salem zu erobern. Auch der Bischof von Konstanz oder die Abtei Reichenau neidete dem Kloster Salem die Kompetenzen und Gebiete und versuchte es teils auch militärisch zu bezwingen.

Im 14. Jahrhundert leitete der Abt Ulrich von Seelfingen das Kloster und erschloss erneut Gebiete. Unter seiner Regie wurde die Wehrmauer, teils mit Wassergraben, errichtet. Im 15. Jahrhundert rebellierten die Bauern, denn der Reichtum und die Ordensregeln zum Eigenverdienst wurden nicht mehr so eng gesehen. Außerdem war das riesige Gebiet von den Mönchen und Laien alleine nicht mehr zu bewirtschaften. Die Abgaben waren im oberschwäbischen Vergleich recht hoch, denn die Mönche wollte verhindern, dass das einfach Volk zu Geld kommt.

1473 schloss man einen Vertrag mit den Bauern, bei dem den Bauern Rechte und Pflichten schriftlich versichert wurden, wie Leibeigenschaft, Straf-, Erb- und Besitzrechte. (Google Books S 53)

Dieser Agrarverfassungsvertrag war wohl der Grund, warum man im Bauernkrieg 1525 keine große Schäden zu beklagen hatte. Dieser Vertrag hatte weitgehend noch bis zur Säkularisierung seine Geltung. Dennoch wurde während des Bauernkrieges einer der Mönche erschlagen. Aber man ließ sich von dem Kloster auch verpflegen, hier lagerte der Seehaufen des Bauernkrieges.

Der Vertrag sicherte auch die wirtschaftliche Kontinuität um das Kloster. Auch der Freibrief des Kaisers Friedrich III. 1487 hatte seine Wirkung, denn man konnte nun Steuern erheben. Die Reichsabtei konnte sich jetzt sein Protektorat selbst aussuchen. Und mit dem Schutz des Kaisers Karl V., samt Privilegienunterstützung auf dem Wormser Reichstag 1521, bewahrte das Kloster seine Autonomie gegenüber den Begehrlichkeiten. Dafür verlangte der Kaiser finanzielle Mittel zur Kriegsführung. Hier konzentrierte man sich aber auf Ora et Labora, also Bete und Arbeite, so dass man die Invesitionen vornehmen konnte.

Gegenüber der Reformation war man feindlich gesinnt und stellte sich im Dreißigjährigen Krieg auf die Seite der Katholischen Liga. Daher musste man ein Regiment ausheben und andere Regimenter verpflegen. So ein Klostermilitär ist ab dem Jahr 1422 belegt. Immer wieder kam es ja zu Plünderungen, wohl nicht nur im 16. Jahrhundert. Aber vor allem in den Jahren 1546 und 1547 verschuldete man sich wegen Erpressungszahlungen an marodierende Truppen.

Aber die Reformation setzte den Zisterziensern zu, etliche ihrer Kloster wurden aufgelöst. Aber auch andere Klöster mussten Federn lassen, so ließ sich unter weniger Wettbewerb wieder ein Aufschwung in Salem verzeichnen. Ab 1596 durfte Salem selbst Äbte (Klostervorstände) weihen.

Mit dieser Macht ausgestattet gründete man die oberdeutsche Zisterzienserkongregation und war ab 1619 Sitzungsort der Verantwortlichen. Der Abt war ebenso Richter und es gab einen Henkerplatz in der Nähe auf einer Anhöhe. Die Reichsabtei hatte sogar ein eigenes Wappen, das aus drei Wappen zusammengestellt wurde: von dem Vorbild Bernhard von Clairvaux, dem Stifter Guntram von Adelsreute und wegen des Salzhandels das Wappen des Bischofs Eberhard II von Salzburg, der als Zweitstifter gesehen wird.

Außerdem bildete man nun hier auch Novizen (Mönch Azubis) aus. Unter Abt Thomas I. Wunn baute man das Kloster in den Jahren von 1615 bis 1630 um und aus. Sein Baumeister war vor allem Balthasar Seuff, doch wie es aussah, weiß niemand mehr. Schließlich hatte man drei Höfe, den quadratischen Innehof und den verglasten Kreuzgang, sowie die heute noch zu besichtigende Sakristei, Kapitelsaal und Refektorium (Esszimmer) erstellt. Außerdem kamen das Krankenhaus, die Schule und eine Kapelle – alle samt mit Staffelgiegeln – dazu. Zum Vorbild für den Bau nahm man die oberschwäbischen Herrenhäuser, unter anderen das Schloss zu Wolfegg. Dennoch hatten die Salemer Mönche mit ihren Hang zu den Habsburgern wenig Freunde innerhalb des schwäbischen Geistlichenverbunds. Erst mit dem Abt Anselm II. änderte sich dies.

Mit dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) kam es zu finanziellen Nöten, die bereitgestellten Truppen wurden aufgelöst und aus Angst vor den Reformisten zahlte man den Tribut ab 1623 nicht mehr an den Katholischen Bund. Der Höhepunkt der Krieges in Salem war zwischen 1632 bis 1647, es kam es zu Besetzungen des Klosters. Zuerst Soldaten aus Schweden, dann die des Kaisers und auch französische Soldaten plünderten das Kloster während des Krieges Salem.  Im Jahr 1632 wurde das Münster geplündert und die Glocken gestohlen. Schließlich wurde im Jahr 1641 die Abtei aufgelöst und die Mönche gingen ins Exil.

1647 sicherte ein Teilfrieden zwischen Bayern, Frankreich und Schweden den Frieden und die Geistlichen kehrten ins verschuldete Kloster Salem zurück. Man verkaufte Güter, doch diese Zahlungen reichten nicht aus. Von diesen Rückschlag erholte sich das Kloster erst im 18. Jahrhundert wieder, dank Steuererleichterung. Aber auch der profitable Handel mit dem Salz brachte Geld.

Aber im März 1697 brannte das Kloster fast völlig ab, ein Ofen war der Ursprung. Vom Brand unbetroffen war das Münster und die Bibliothek, doch viele Kunstwerke und die Handbibliothek des Abte wurden vernichtet.

Schloss Salem und die Aufklärungszeit

Es entstand weitgehend das heutige Schloss Salem unter Abt Stephan Jung im 18. Jahrhundert. Das Kloster blühte erneut auf und das soll der Stil der Frühklassiszimus und des spätbarocken Rokoko repräsentieren. Dafür verkaufte der Abt wohl auch etliche Kunstwerke aus dem Kloster, derart brachte er 230.000 Gulden auf. Für diesen Betrag bekam man unter anderen Künstlern auch den Franz Beer als Baumeister, der auch in Obermarchtal tätig war, als auch der bekannte Josef Anton Feuchtmayer der die Ställe gestaltete, er war auch in Altheim und in Kißlegg an den Bauten beteiligt. Das neue Kloster stand teils schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Zeitgleich musste man Geld und Truppen für die Kriege des Kaisers aufbringen, dazu gehörte der spanische Erbfolgekrieg (1701 bis 1714) oder der Pfälzer Erbfolgekrieg (1788 bis 1797).

Unter Abt Anselm II. Schwab zog noch mehr Rokoko ein und die Filiale in Birnau wurde errichtet, ein barockes Schmuckstück aus dem Jahr 1750 direkt am Bodensee. Er hatte einen Wagen mit sechs Pferden im Gespann, das sonst nur der Bischof von Konstanz hatte (siehe oben), um diesen zu ärgern. Noch im 18. Jahrhundert entstanden das obere Tor und das Studienhaus.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kommt die Säkularisation mit Napeoleon und das Kloster Salem wurde zum Schloss Salem unter dem neuen Herrscher, den Markgrafen von Baden, dessen Bildnis dort heute noch zu sehen ist. Zu jener Zeit im Jahr 1802 wurde der letzte Abt, Kaspar Oexle, gewählt, der 1804 entlassen wurde.

Zur Auflösung des Klosters bekamen die damals noch 61 Mönche eine Abfindung, andere Klöster in Oberschwaben wurden damals gewaltsam geschlossen. Damals wurden Teile der Bibliothek nach Heidelberg verkauft und auch die Orgel. Andere Gegenstände sind verloren gegangen. Das Kloster hatte rund drei Millionen Gulden zusammengerafft und hatte über 300 Quadratkilometer Territorium.

Die Grafen von Baden residierten nur im Sommer in Salem, erst ab 1919 zog Max von Baden regulär ein. Er gründete das Internat und ermöglichte so seine heutige Reputation. Außerdem ließ er im 19. Jahrhundert eine Gebäude abreißen und neue errichten. Nach Finanzschwierigkeiten wurde bis 1892 das Münster und ab 1889 die Klosterfassade renoviert.

Schloss Salem | Station der Oberschwäbischen Barockstraße

Wie schon erwähnt, entstand unter der Federführung von Franz Beer, die heute noch zu besichtigenden Vierflügel-Anlage. Von ihm stammen gehören die Räumlichkeiten Sakristei, Bibliothek, Refektorium, Kaisersaal und auch das Arbeitszimmer des Abtes, letzteres auf der großen Tour zu sehen.

Selbstverständlich kann man das Münster besichtigen. Der Künstler Johann Caspar Bagnato schuf das Untertor (an welchem Almosen an Arme verteilt wurden) und auch den Glockenturm, der 1808 abgebaut wurde. Bagnatos Kunstwerksarbeit auch im Schloss Altshausen, in der Kirche Ehingen (St. Blasius) oder im Münster Obermarchtal zu sehen sind. Der Turm war zwar schön, aber statisch nicht so sehr durchdacht, sodass man ihn zurück baute.

Das Münster aus dem Jahr 1425 ist dreischiffig. Von außen im Stil der Gothik deren einzige Verzierung in den Hochfenstern zu finden ist, hat man im Inneren feinsten Alabaster verbaut, was einzigartig ist. Die Grundfläche des Rechtecks beträgt 67 auf 28 Meter. Über dem barocken Hochaltar befindet sich eine Uhr, sie soll auf die Endlichkeit des Lebens hinweisen, so auch einige Skelette im Chorraum. Dort gibt es einige kleine und große Figuren, wie die Apostel, die auf verschiedenes hinweisen, sowohl symbolisch, als auch weltlich, so derschlafende Engel der auf den Schlafraum verweist. Zudem sind 26 barock-verzierte Seitenaltäre zu begutachten. Die Orgel ist von Karl Joseph Lieb, der auch mit Wein handelte und den Spätburgunder nach Oberschwaben brachte.

Das Chorgestühl stammt ebenfalls von Feuchtmayer und ist im Stil des Rokoko detailliert geschnitz worden, noch im 18. Jahrhundert hatte man das Innere im Stil des Frühklassizismus umgestaltet. Hier „arbeiteten“ die Mönche, in dem sie beteten. Sie standen in dem Chorgestühl und durften sich nicht setzen. Als kleines „Bescheißerle“ hatten sie eine Klappe, auf die nur ein kleiner Teil des Gesäßes Platz hatte. Wenn der Mönch einschlief, schnallte die Klappe hoch und störte die anderen im Gebet; derart entstand der Begriff „Halt die Klappe!“.

Repräsentativ sind aber vor allem die Räumlichkeiten im Schloss Salem. Damals dachte man sich wohl, dass Dekadenz nur für die Mönche gilt, das Gebäude ist aber ja für Gott. Also gab es viel Barock im damaligen Kloster. Dazu gehört aber nicht nur das Münster, sondern auch die Gemächer des Abts, dessen Repräsentation auch seine Macht wiederspiegelte. Allerdings forderte dieser Prunk auch im 18. Jahrhundert Schutzgelder von umherziehenden Truppen. Die Privaträume des Abts sind einfach gehalten, doch die Empfangsgemächer haben Seidentapeten, vergoldeter Stuck, Gemälde und barocke Möbel mit viel Verschnörkelungen.

Durch den Kreuzgang, der mit Stuck vom Stukateur Schmunzer und Gemälden von Andreas Brugger mit unter anderen einer Darstellung von Bernhard von Clairvaux , ebenfalls stark barockisiert ist, führt von dem Münster zum Speisesaal. Ursprünglich führte der Gang rund um den Innenhof. Hier finden sich auch Portraits der Äbte vom Künstler Joseph Anton Feuchtmayer.

Im Speisesaal (Refektorium) befindet sich vor allem der alte Ofen, dessen Kacheln mit Abbilungen des Tagewerks der Mönche bebildert sind. Der Stuck des barocken Raumes stammt von Wiedemann. Auch ein Hingucker ist der Eingang, der mit Marmor eingefasst ist. Die Bilder sind von Joseph Anton Hersche, Jakob Stauder und Feuchtmayer Junior. An der Decke ist das letzte Abendmahl dargestellt. Im Orden der Zisterzienser war es übrigens verboten vierbeinige Tiere zu essen, vielleicht hatte man deshalb Fischereirechte in der ganzen Gegend und sogar im Bodensee. Ende des 19. Jahrhunderts fanden hier evangelische Gottesdienste statt.

Vom Brand im 17. Jahrhundert verschont, kann man auch den barocken Bibliothekssaal besichtigen, der ähnlich der Bibliothek im ehemaligen Kloster Bad Schussenried eingerichtet ist. Dieser befindet sich im Westflügel des Schlosses Salem und auch dort hat der bekannte Künstler Feuchtmayer den Stuck gemacht. Der klassizistische Stil erhielt der Raum durch Johann Georg Wieland. Einen ansehnlichen Teil der umfassenden Bibliothek samt Klosterchroniken ist von der Heidelberger Universität 1826 gekauft worden. Heute befindet sich ein Großteil der Bücher in Karlsruhe.

Gewiss nicht als letztes ist der Kaisersaal zu nennen, auch ihn kann man besichtigen. Da es sich um eine Reichsabtei handelt, konnte der Kaiser mal vorbei schauen. Doch der Saal, der 1707 errichtet wurde, sah nie einen Kaiser. Dennoch demonstrierte der Saal, der für Empfänge genutzt wurde, die Macht des Klosters, respektive des Abtes. Dort sind Darstellungen von 16 Kaisern des Deutschen Reiches (vom Staufer Lothar III. an) und 16 Päpsten (von Papst Stephan IX. an) zu sehen. Die Päpste hängen höher, was die Dominanz der Kirche repräsentieren soll. Auch hier hat Feuchtmayer Senior und nach dem Tod der Junior gearbeitet.

Andere Künstler in den Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters Salem waren unter anderen Michael Wiedemann und Johann Schmuze in Sachen Stuck im Stil des Rokoko und Klassizismus zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Den Schloss Stil mit den Voluten und den barocken Zierrahmen der Fenster erschuf der Baumeister Johann Georg Wieland am Ende des 18. Jahrhunderts in der Mode der Zeit dem Frühklassizismus.

Schloss Salem | Adresse und Besichtigung

Das Gelände ist durch eine Führung zu besichtigen, was 9 Euro für die große Tour, sechs Euro für die kleine Tour kostet. Darüber hinaus werden immer noch neue Museen hier eröffnet, so das Feuerwehr- oder das Küfereimuseum. Zudem lockt der barocke Schlossgarten samt Labyrinth. Im Kaisersaal werden zuweilen Konzerte abgehalten und immer wieder gibt es andere interessante Events im Schloss Salem.

  • Schloss Salem
  • Schlossbezirk 1
  • 88682 Salem
  • Homepage
  • GPS: 47.777146, 9.277879

, , , ,

No comments yet.

Schreibe einen Kommentar