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Neues Schloss Kisslegg | Oberschwäbischer Barock & mehr

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Der Name „Neues Schloss“ ist nicht unbedingt gerechtfertigt, so stand hier zuvor schon ein Herrschaftsgebäude, die ursprüngliche Burg von Kißlegg.

Die Stadt Kißlegg im Allgäu hatte wohl schon lange zwei Burgen respektive Schlösser. Zu Schlössern wurden die Burgen erst im Spätmittelalter, mit der Erfindung der Artillerie, die Burgen zu Verteidigungszwecken obsolet machten. Warum dort zwei Burgen standen ist ungeklärt, aber ich denke es hat wohl auch mit der Erbschaft zu tun, vielleicht aufgeteilt unter zwei Linien der Familie?

Neues Schloss Kisslegg Allgaeu

Möglich ist dass an jener Stelle, wo heute das Neue Schloss steht, zuvor schon eine Burg stand – es also insgesamt drei Bauten an diesem Platz gab. Die letzte Version wurde zum Schloss und barockisiert.

Neue Burg Kisslegg | Herren von Kisilegge und von Schellenberg

Die Reichsritter von Schellenberg sind ganz schön herumgekommen und schließlich kommen sie nach Kißlegg. Es beginnt in Kißlegg damit, dass die alte Burg verlassen wurde, sie liegt heute in einem Stück Wald in der Nähe der Stadt bei Kißlegg-Hof Burg. Wann und warum ist nicht geklärt. Jedoch verließen die Herren von Schellenberg die wirklich alte Burg und zogen dorthin wo heute Kißlegg liegt.

Vermutlich ist der Platz des Neuen Schlosses der Platz der älteren der zwei Herrschaftssitze in Kißlegg. Man geht davon aus, dass die Burg im 12. Jahrhundert erreichtet wurde. Die zuvor herrschende Famile von Kisilegge erbaute einen Maierhof, also einen Verwalterhof, der beide Burgen / Schlösser umgab. Sind die gefundenen Mauern aus dem 12. Jahrhundert von Maierhof oder einer noch älteren Burg?

Die vorherigen Herren von Kisliegge waren Maier, also Verwalter, im Dienste des Klosters St. Gallen, das in Oberschwaben zu jener Zeit viel Besitz zukam. Derzeit geht man davon aus, aber es ist ungesichert, dass auch diese Herren von Kisilegge eine Burg erbauten, wo heute das neue Schloss steht. Also ist das Neue Schloss der Platz der eigentlichen Burg Kisslegg nach dem Umzug vom Hof Burg? Der Stammbaum männlicher Seite dieser Adelsfamilie stirbt im 13. Jahrhundert aus, der letzte dieser Linie ging ins Kloster nach Salem.

Durch eine Heirat der Tochter eines Kisliegge um 1300 kommen die Herren von Schellenberg zu dem Besitz. Die von Schellenberg (zu Kisilegge) erbauten, respektive renovierten im Dorf die Burgen, die späteren Schlösser in Kißlegg. Vielleicht war es für jeden eine? Das heutige „Alte Schloss“ ist vermutlich einige Jahre später entstanden. Bekannt ist über die Herren von Schellenberg, dass siewohl gute Beziehungen zu den Staufern, als auch zu den Habsburgern hatten.

Burg Kisilegge | Neues Schloss Kißlegg

Erbaut wurde als die vermutlich erste Version der Burg im 12. Jahrhundert, die zweite vermutlich im Jahr 1438. Während des Bauernkrieges 1525 war Kißlegg ein Zentrum des Aufstands. Es ist mir nicht bekannt, wie weit dies die Bausubstanz der Burg beeinträchtigte.

Der danach erfolgte Bau an dieser Stelle war wohl 1564, wobei es sich auch um einen Anbau oder teilweisen Neubau gehandelt haben kann. Doch der Neubau führte wohl zur Trennung des damals dort hausenden Herrscherpaars – Graf und Gräfin trennten sich sechs Jahre später. Zwei Jahre später gab Helena von Freyberg, Gattin des Grafen zu Kißleckh, zu Protokoll, dass der „Steinhaufen“ ihr völlig egal sei, obgleich mehrteilig von ihr finanziert.

In den folgenden Jahrzehnten erfolgt der Ausbau von Stallungen und Bauhof. Schon vor 1565 mit der Machterlangung der Familie von Paumgarten wird das Schloss im Besitz halbiert und der sogenannte Paumgartische Schlossbau entstand. Im Jahr 1687 wurde für die Gräfin Monika von Waldburg-Trauchburg, sie stammt aus dem Geschlecht derer von Königsegg, dier Paumgartische bau umgestaltet. Ihr gehörte die Hälfte die zuvor die von Paumgarten inne hatten.

Im Jahr 1704 zerstörte ein Brand das ganze Dorf Kißlegg, samt des Burg. Nur eine Etage des damaligen Baus im Ostflügel blieb erhalten, vermutlich ein Treppenaufgang zur Kapelle der Burg.

Neues Schloss Kißlegg wie es heute ist

Das Schloss wie es heute da steht wurde im Jahr 1727 fertiggestellt. Die Bauleitung hatte nun Graf Johann Ernst II. Dabei hat man wohl die alten Strukturen wieder aufbauen wollen. Nach der Fertigstellung haben sich regionale Kunstmeister an die Barockisierung gemacht. Dazu gehört der Mauerermeister Bernhard Rist aus Isny oder der Bauplaner Johann Georg Fischer aus Füssen.

Das Schloß verfügt über eine Kapelle im Westflügel, die über zwei Etage hoch ist. Hier befindet sich ein Altar von Johann Georg Fischer, im Stil des Rokoko.

Die Figuren im Inneren sind von dem Steinmetz Anton Feuchtmayer, der auch in Altheim an der Kirche mitarbeitete, und stellen die antike Seherin Sybille dar. Im ersten Stock gibt es einige barocke Säle mit vielen Bildern und im zweiten Stock der barocke Bankettsaal der gräflichen Familie mit viel Stuck und Gemälden mit dem damaligen Alltag. .

Die Säle sind beispielsweise der Lüstersaal mit Spiegeln im Stil des Rokoko (ausklingender Barock), detailreichen Fresken und Stuck. In diesem Saal kann man heiraten. Stuck weist auch der Samsonsaal oder das kleine Kabinett. Intressant ist auch das Deckenfesko mit vier zusammengehörenden Gemälden.

Die Art des Baus nennt man eine Dreiflügelanlage, welche 55 Meter lang ist und ein Satteldach trägt und sich drei Etagen in die Höhe erhebt. Die Figuren außen – Herkules und Jason (der seine Frau wegen Untreue verstieß) – in den Aussparungen stehend sind von Michael Hermann. Der Garten ist im Übrigen im Auftrag der, ab dem 18. Jahrhundert inne habene Schloss, Familie Waldburg-Zeil entstanden. Kurz danach zogen sie ins Schloss Wolfegg, wo die Familie bis heute lebt.

Dieser Akt führte zum Zwist zwischen den Verwandten Häusern Waldburg-Zeil, Waldburg-Wolfegg-Wolfegg, Waldburg-Wolfegg-Waldsee und Waldburg-Zeil-Wurzach. Es begann mit Gewalt und endete mit einem Vergleich, wobei Kißlegg an die klagenden Familien fiel. Im Jahr 1793 kaufte der Graf Eberhard von Waldburg-Zeil-Wurzach das Schloss und im Jahr 1903 erbte es die Familie Waldburg-Zeil-Trauchburg, die dort auch wohnten.

Ab dem Krieg war die Anlage zuerst ein Krankenhaus, ab 1960 die Realschule Kißleggs, danachbis 1984 die Sonderschule. Heute ist es ein Vewaltungstrackt und Heim des Museums der Stadt Kißlegg. Außerdem das Tourismusbüro.

Adresse des Neuen Schlosses Kißlegg

  • Schlossstraße 8
  • 88553 Kißlegg
  • GPS-Daten: 47.788493, 9.881725

Geöffnet ist das Schloss im Sommer dienstags, donnerstags und freitags von 14 Uhr bis 17 Uhr. Führungen sind auf Anfrage möglich.

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