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Dominikanerinsel | Steigenberger Inselhotel Konstanz

Eine der kleinsten Inseln im Bodensee ist die Dominikanerinsel oder Konstanzer Insel, auf dem das Steigenberger Inselhotel liegt.

Das Steigenberger Inselhotel ist wohl eine der vornehmsten Adressen in Konstanz am Bodensee. Die Nutzung als Inselhotel gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert, davor war es ein Dominikanerkloster. Die Geschichte der Insel ist aber noch sehr viel älter.

Steigenberger Inselhotel Konstanz

Steigenberger Inselhotel Konstanz

Eckdaten zur Bodenseeinsel bei Konstanz

Die kleine Insel, die durch den sechs Meter breiten Stadtgraben vom Festland der heutigen Stadt Konstanz getrennt ist, misst nur 1,8 Hektar Fläche. Diese ergibt sich aus einer Länge von 246 Metern und etwa 100 Metern Breite, wobei das variiert. Anders als der Stadtgarten von Konstanz entstand die Insel auf natürliche Weise und wurde nicht aufgeschüttet. Dazwischen liegt der sogenannte Schwanenteich, der mit dem Stadtgraben verbunden ist.

Stadtgraben zwischen Insel und Konstanz

Stadtgraben zwischen dem Inselhotel und Konstanz

Dominikanerinsel oder Konstanzer Insel im Altertum und der Antike

Schon früh siedelten die Menschen in diesem Bereich. So fand man dort Siedlungsreste aus der Zeit der Jungsteinzeit, die  auch Neolithikum genannt wird. Die Menschen lebten damals in Pfahlbauten, wie sie auch im Pfahlbauten-Museum in Unteruhldingen zu besichtigen sind. Diese Form des Siedlungsbaus begann im fünften vorchristlichen Jahrtausend und diese Tradition hielt sich bis um 1800 vor unserer Zeitrechnung.

Spätestens zur Zeit der Kelten, ab dem ersten vorchristlichen Jahrtausend, lebten die Menschen in Siedlungen und hauptsächlich vom Fischfang in dieser Region. In Konstanz entstand ein keltisches Oppidum, eine keltische Stadt. Mit der Eroberung durch die Römer ab dem Jahr 15 v. C. entstand ein Kastell in Konstanz, dort wo heute das Münster steht.

Mittelalter und Gründung des Dominikanerklosters auf der Konstanzer Insel

Nach der Antike und der Eroberung durch die Alemannen verwischt sich die Spur der Besiedlung auf der Insel. Einer Legende nach soll aber ab dem vermutlich 6. Jahrhundert die Insel der Platz einer Burg der Merowinger gewesen sein. Gesichert ist aber, dass dort ein herrschaftliches Anwesen lag, denn im Jahr 780 war Karl der Große auf der Insel. Außerdem war der Bischof von Konstanz, Gebhard III. aus dem Hochadel der Zähringer, auf der Insel zu Gast. Er versteckte sich hier im 11. Jahrhundert während des sogenannten Investiturstreits, als Heinrich von Heiligenberg das Kloster Peterhausen (heute Teil von Konstanz) belagerte. Dem Hochadel gehörte die Insel zu dem Zeitpunkt. Gebhard III. von Zähringen weihte auch das Kloster Ochsenhausen.

Im Jahr 1220 wurde die Insel dem Orden der Dominikaner übergeben, wo sie 14 Jahre später vom Konstanzer Fürstbischofs Heinrich von Tanne, oder auch Bischof Heinrich I. genannt, das Recht zum Klosterbau erhielten. Das tatsächliche Gründungsjahr des Dominikanerklosters auf der Konstanzer Insel war zwei Jahre später – 1236. Seit 1221 war Konstanz Teil der Provinz Teutonia und ab 1303 der Teilprovinz Nation Suevia.

Zu diesem Zeitpunkt stand das Kapitelhaus nördlich des Klosters bereits eine Weile. Ein Kapitelhaus ist ein Versammlungsort für Geistliche. Die Erbauer des Hauses waren die Benediktinermönche aus Petershausen.

Die Kirche verfügt über drei Schiffe und stellt eine Basilika mit geradem Chorabschluss dar. Im Inneren gab es eine Bemalung im Stil der frühen Gotik aus den Jahren vor 1276, als man das Provinzkapital erstellte. Noch erkennbar ist ein Fresko mit sieben Heiligen. Um das Jahr 1300 wurde die Kirche malerisch neugestaltet, wovon ein Märtyrerfries mit ursprünglich 102 Darstellungen von Marterszenen erhalten ist. Zur selben Zeit wurden die Buntgläser etabliert, welche das Leben Jesu darstellen. Teile davon kann man in der Schlosskapelle in Heiligenberg betrachten.

Die Glaubensgemeinschaft dieser Dominikaner, die auf der Insel einzogen, gründete sich erst 1215. Der Ordensgründer Dominikus starb 1221. Vor allem reiche Patrizier aus Konstanz wurden in das Dominikanerkloster aufgenommen. Im Jahr 1244 trat der ehemalige Abt des Klosters St. Gallen, Werner von Trauchburg, dem Orden bei.

Dominkanerkloster und Heinrich Suso (Seuse)

Im Jahr 1250 begann man mit dem Aufbau der Kirche und den weiteren Gebäuden des Klosters. Die Arbeiten wurden 1270 abgeschlossen. In der Folgezeit errichtete man in dem Kloster einen Lehrbetrieb, wofür der Orden auch bekannt ist. 1255 wird erstmals ein Lektor erwähnt. Das Studienangebot im Kloster der Dominikaner umfasste lediglich die Grundausbildung, für weiterführende Studien musste man sich nach Köln aufmachen.

Das Kloster des Bettelordens der Dominikaner umfasste ein weites Gebiet. Das schloss den Thurgau, den heutigen Kanton St. Gallen, das nördliche Vorarlberg, Oberschwaben bis zur Iller mit Ausnahme des nordöstlichen Teils, den Hegau und Klettgau ein. In diesem Areal durfte man um Almosen betteln (Terminierbezirk). Dafür schuf man ein verzweigtes Netz an Unterkunftsmöglichkeiten für die Mönche, so in Schaffhausen, Meßkirch, Ravensburg, Isny und den Frauenklöstern des Terminierbezirks. Eine weitere Aufgabe des Klosters war die Seelsorge und Leitung der Frauenklöster Löwental und St. Katharinental, die dem Kloster inkorporiert wurden. Dies galt auch für die Nonnenklöster der Dominikaner, wobei man diese Aufgabe auch an Säkularkanoniker (Mönche ohne Gelübde) übergab.

Eines der bekanntesten Mitglieder des Dominikanerkonvents auf der Insel war der um 1297 geborene Mystiker und Dichter Heinrich Suso oder auch Heinrich Seuse, nach dem auch der Susosteig im Stadtgarten benannt ist. Er trat dem Konvent 1310 bei, also mit ungefähr 13 Jahren. Er konnte nach dem Grundstudium nach Köln gehen. 1327 wurde er gerügt, da er sich für den sogenannten Dominkanermönch Meister Eckhart, Eckhart von Hochheim, einsetzte. Dieser wurde von der Inquisition der Häresie (Abweichung von der reinen Lehre der katholischen Kirche) bezichtigt.

Auch Seuse (oder Suso) war nicht ohne, so war er nach seiner Rückkehr zwar als Lektor eingesetzt worden, doch musste er diese Tätigkeit 1334 wegen seiner Häresie wieder abgeben. Im Gegensatz zu seinen geistlichen Brüdern nahm er die Askese ernst und begab sich als Wanderprediger auf die Reise.

Doch König Ludwig von Bayern verlangte 1338, dass Suso missachtet werden sollte. Das hatte eine längere Vorgeschichte: 1323 besiegte Ludwig der Bayer Friedrich von Österreich. Der Grund für den Krieg war die Frage der Nachfolge des Königs, da Heinrich VII. Tod war. Konstanz stellte sich auf die Seite des bayrischen Königs, aber Papst Johannes XXII. war gegen Ludwig. Er exkommunizierte ihn und seine Anhänger – dazu zählte auch die Stadt Konstanz.

Das bedeutete konkret, dass das Glaubensleben in der Stadt verboten wurde – keine Messe, keine Taufen, keine Hochzeiten und derlei mehr. Für die Menschen war es das Schlimmste und so widersetzten sich einige Geistliche dem Papst. Doch der Bischof von Konstanz war Rudolf von Montfort, der eher zu Österreich stand und dem Papst seinen Titel verdankte. Zu dieser Zeit, 1326, kehrte Heinrich Suso zurück.

Als sich auch der Bischof auf die Seite von Ludwig von Bayern stellte, war die Sache zunächst geklärt. Mit seinem Tod im Jahr 1334 brachen die Wunden wieder auf und es kam zu Eklat, weil man sich auf keinen Nachfolger einigen konnte. So bekam Konstanz zwei Bischöfe. Der Ludwig-treue Bischof Albrecht wurde vom bayrischen König militärisch unterstützt und der papsttreue Bischof Nikolaus floh nach Meersburg. Der König von Bayern verfolgte ihn und belagerte die Stadt. Der Bischof Nikolaus startete einen Gegenangriff, wobei es zum ersten Kanoneneinsatz in Deutschland kam. Ludwig musste von seinem Vorhaben ablassen und so wurde Nikolaus tatsächlich Bischof von Konstanz. Er unterstrich das Verbot der kirchlichen Betätigung, woraufhin Ludwig die Geistlichen mit Gewalt aber erfolgreich zwang, ihren Job zu verrichten. Suso nahm den Kirchenbann jedoch ernst und so sollten er und ein Großteil der Glaubensbrüder die Insel und das Kloster 1339 verlassen. Das Interdikt (Verbot der kirchlichen Betätigung) hielt noch bis 1349 an, insgesamt also 23 Jahre.

Teile des Konvents verließen Konstanz und zogen in das Kloster St. Katharinental oder das Schottenkloster außerhalb der Stadt. Dort ernannten sie Suso (Seuse) im Jahr 1344 zum Prior. Er wurde danach auch noch der sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Suso (Seuse) musste daraufhin nach Ulm, wo er 1366 starb. Schon davor konnte der Konvent aber wieder zurück nach Konstanz, trotz des Interdikts des Papstes.

Der Orden sah sich kurz danach einer weiteren Herausforderung ausgesetzt, das Abendländische Schisma – die Spaltung der Kirche zum Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts. Die Dominikaner auf der Insel hielten zu Rom. Das Schisma endete mit dem Konstanzer Konzil. In der Zeit residierte der Generalmeister des Ordens im Kloster auf der Insel. Es war auch der Tagungsort der Gesandten aus Italien und Frankreich. Letztere waren im Kapitelhaus untergebracht. Während des Konzils verstarb hier auch Manuel Chrysoloras, der auf der Insel begraben ist.

Zudem war der Reformator Jan Hus dort gefangen gehalten, bevor er hingerichtet wurde. Er befand sich vom Dezember 1414 bis zum März 1415 im Kerker des Dominikanerklosters, der sich im Untergeschoss des östlichen Rundturms zu Seeseite hin befand. Gleich nebenan speisten die Mönche.

Reformation und Ende des Dominikaner-Ordens auf der Konstanzer Insel

Während der Reformation, die im frühen 16. Jahrhundert ihren Weg nahm, standen die Dominikaner wieder auf der Seite Roms. Daher mussten sie ihr Kloster verlassen und zogen zunächst nach Radolfzell und anschließend gingen sie wieder ins Kloster St. Katharinental. Erst 1549, nachdem die Stadt wieder dem Katholizismus frönte, kamen sie zurück.

Die Räumlichkeiten wurden von der Stadt zwischenzeitlich als Spital genutzt. Leider war das Klosterarchiv dadurch verloren gegangen. Der Inselgarten war im Jahr 1507 Austragungsort eines Festes des Kaisers Maximilian I.

Im 17. Jahrhundert zog der Dreißigjährige Krieg auf. Zu dessen Beginn, 1619, war in Oberschwaben noch wenig zu bemerken. 1633 aber griff die schwedische Flotte die Insel von der Seeseite mit Schiffen an. Zudem wurde die Provinz Teutonia in sogenannte Vikariate aufgeteilt. Konstanz war dem Vikariat Helvetia zugeordnet worden. Derart unterstanden acht Konvente der Dominikaner dem Kloster. Dazu gehörten auch die Konvente Löwental, Sießen, Pfullendorf, Kubach und Engen. Freiburg und Augsburg, später auch weitere Standorte, wurden zu Studienzentren umfunktioniert.

1709 erfolgte eine neue Gebietsreform und die Provinz Teutonia wurde gespalten. Konstanz als Teil des Vikariats Helvetia wurde der neu geschaffenen Provinz Germania superior zugeteilt. Der Konvent hatte zu der Zeit durchschnittlich bis zu 20 Mönche. Diese waren dem Trend der Rosenkranzbruderschaften zugeneigt und man gründete einige derartige Vereinigungen. Davon zeugen die Bruderschaftsaltäre mit der Rosenkranzspende an Dominikus und Katharina von Siena. Schon davor waren die finanziellen Mittel des Klosters zurückgegangen, der Bettelorden musste sich verschulden.

Kaiser Joseph II. aus dem Hause Habsburg-Lothringen siedelte Unternehmer aus Genf in Konstanz an. So kamen sie 1785 an das Klosterareal auf der Insel. Im Juli 1785 wurde der letzte Gottesdienst abgehalten. Dort wurde dann eine Indienne-Manufaktur, also eine Textilfabrik, wo man Kleidung mit indischen Motiven herstellte, eingerichtet.

Das führte dazu, dass sich der Konvent auflöste und sich auf andere Klöster verteilte. Nur zwei der 16 Mönche mit ihren sechs Laien blieben der Kirche St. Peter treu. Außerdem konnte man keine neuen Mönche mehr ausbilden, also Novizen aufnehmen.

Als das Kloster 1809 offiziell aufgehoben wurde, waren neben dem Prior nur noch drei Brüder anwesend. Sie gingen in Pension und das Vermögen des Klosters, das man auf 39.000 Gulden bezifferte, wurde eingezogen und einem Religionsfonds übergeben.

1810 wurde die Klosterkirche St. Peter profaniert und drei Jahre später kaufte der Fabrikant Macaire aus Genf die gesamte Insel mit allen dazugehörigen Gebäuden für 6.500 Gulden. Daher hat die Konstanzer Hotelinsel zu jener Zeit weitere Beinamen bekommen: Marcair’sche oder Genfer Insel.

Die Bibliothek ging zwischen 1820 und 1830 verlustig. Dafür wurde dort die erste Bank 1836 in Konstanz gegründet. Sie schloss, damals als Süddeutsche Discontogesellschaft, im Jahr 1921.

Vom Kloster zum Hotel

Das gesamte Areal wurde 1875 erstmals zu einem Inselhotel umgebaut. Dabei hat sich die Grundstruktur bis heute erhalten. Die Räume wurden jedoch ausgebaut und die Anlage vergrößert. So kann man noch immer den Kreuzgang und die Kirche ausmachen.

Diesen Schritt zur Hotelinsel leitete Eberhard von Zeppelin ein, der Bruder des bekannten Grafen. Der wurde im Juli 1838 auf der Insel geboren und begann dort seine Karriere als Bankier. Da die Eisenbahn inzwischen Konstanz erreichte und die Fabrik nicht mehr so viel Umsatz machte, war der Schritt zum Hotel nicht mehr weit.

Zunächst wandelte man die Kirche 1874 in einen Festsaal um und 1875 wurde aus der Anlage das “Insel-Hotel”. Im Jahr 1871 wollte der damalige Bürgermeister, Max Stomeyer, neue Baugründe für reiche Bürger schaffen. Darunter sollte auch die Insel leiden, weswegen sich die Eigentümer querstellten und einen gerichtlichen Sieg erreichten. Heute ist die aufgeschüttete Fläche als Stadtgarten bekannt.

Auch in den 1870er bis 1890er Jahren entstand hier Kunst. Carl von Häberlin wurde von den Zeppelins beauftragt, den Kreuzgang mit Wandbildern zu schmücken. Die Motive der 26 Bilder stellen die Geschichte der Insel dar.

1903 übernahmen die Eheleute Rosaly und Matthys Brunner die Hotelleitung. Fünf Jahre später eigneten sie sich das Hotel an. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es der Verwaltungssitz der französischen Armee. Daran angeschlossen war ein Casino-Schiff bis 1948. Erst 1951 konnten die rechtlichen Eigentümer, die Tochter der Eheleute Rosaly und ihr Mann, wieder die Führung übernehmen. Sie leiteten das Hotel bis 1963. Seit 1966 hat auch die Universität Konstanz immer wieder einige Räume angemietet.

Aus Geldgründen verkauften sie die Insel an das Land Baden-Württemberg und das Land verpachtete es an das Hotel Steigenberger. Nach drei Jahren Renovierung wurde es im Juni 1966 eröffnet. Seit 1992 gehört das Grundstück der Badischen Staatsbrauerei Rothaus AG, die bis heute das Eigentum daran hat.

Das Hotel wurde 2007 letztmalig renoviert und gilt als Luxushotel mit seinen fünf Sternen. Das Haus beherbergt 100 Zimmer, davon 72 Doppelzimmer, 28 Einzelzimmer und zwei Suiten. Im Kapitelhaus wohnt nun das Hotelpersonal. Zur Seeseite hin befindet sich heutzutage eine große Terrasse und seitlich davon eine Liegewiese für Gäste des Hotels.

Wo befindet sich die Konstanzer Insel?

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