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Römisches Kastell Konstanz

Das Kastell Constantia ist in seiner Spätphase lang vermutet worden, wurde aber erst im 21. Jahrhundert entdeckt. Die Römer bauten hier eine Wehranlage gegen die sogenannten Barbaren.

Bekannt ist, dass die Kelten hier siedelten und auch, seit 2003, dass die Römer hier in Konstanz auf dem Platz des Münsters ein Kastell errichteten. Die schriftlichen Quellen ließen dies schon lange vermuten, doch erst im 21. Jahrhundert gab es Ausgrabungen auf dem Münsterplatz, welche den Nachweis des Kastells lieferten.

Konstanz_RoemerTurm

Konstanz ist geradezu prädestiniert für eine Siedlung, gut gelegen und gut erreichbar durch die See- und Rheinlage. Die Besiedlungszeit der Stadt Konstanz reicht vermutlich länger zurück, als bis zu den Kelten. Gesichert ist jedoch, dass die Kelten hier siedelten. Man vermutet, dass sich hier die Helvetier befanden, welche später gesammelt nach Süden auszogen und von den Römern zurückgedrängt wurden. Sie gingen jedoch nicht zurück, sondern verblieben in der heutigen Schweiz. Manche vermuten es wäre dem Gebiet der Sequaner zuzuordnen und verweisen auf römische Quellen. Es gab aber wohl drei Siedlungsperioden der Kelten in Konstanz.

Drusus & Tiberius am Bodensee

Doch widmen wir uns jetzt dem Kastell der Römer. Die Römer eroberten in dem Feldzug des Drusus und Tiberius (und vermutlich einem weiteren Feldherrn) Oberschwaben. Drusus marschierte entlang des Rheins und Tiberius kämpfte sich bis ins heutige Augsburg vor. Er soll auch der Gründer von Konstanz sein.

Der damalige Kaiser Augustus war verwandt mit den Feldherren. Die damals in Oberschwaben siedelnde Bevölkerung war keltisch-germanisch und in Oberschwaben siedelten vor allem die Vindeliki, die eher der keltischen Kultur zuzuordnen sind. Die römische Provinz hieß aber Raetien, die beiden Volksstämme Vindeliki und Raetier wurde unter römischer Herrschaft zusammengefasst.

Die keltische Stadt (Oppidum) wurde von den Römern beim Einmarsch ins heutige Konstanz zerstört. Auf dem Gelände des heutigen Münsters, was einen Monränenhügel darstellt, errichteten die Römer dann eine Wehranlage – ein sogenanntes Kastell oder Castrum genannt. Die Römer werden später auch den Namen der Stadt ändern, in Erinnerung an Constantius I und seine Siege über die Alemannen. Die Stadt hieß bei den Kelten Drusomagnus, was sinngemäß mit großer Eichenwald zu übersetzen ist.

Schon zu augustinischer Zeit wurde in Konstanz ein Stützpunkt errichtet. Anschließend entwickelte sich auch eine zivile Siedlung, die zur See-Seite hinan den Stützpunkt angeschlossen war.

Erste Militärische Anlage der Römer in Konstanz & die zivile Siedlung

Römische Lager sind immer viereckig und haben Ausgänge in alle Himmelsrichtungen. Auch in Konstanz sah das Militärlager so aus. Die Wehranlage hatte einen fünf Meter breiten und zweieinhalb Meter tiefen Graben. Das Areal maß 0,6 Hektar auf einer Länge von 80 Metern. Die Palisaden hinter den Gräben schützten das erste Kastell, dieses waren aus Holz und blieb nicht erhalten.

Die nicht-militärische Siedlung war ebenfalls aus Holz, und zwar zwei Perioden lang. Danach begann man in der Zivilsiedlung in Konstanz teils mit Stein zu bauen. Die Mauern dienten wohl dem Schutz vor den Alemannen, welche begannen verstärkt das römische Imperium anzugreifen. Dies begann in den 60er oder 70er Jahren des dritten nachchristlichen Jahrhunderts. Dennoch zerstörten die Alemannen die zivile Siedlung in Konstanz. Daher versuchte man auch um diese Siedlung eine Wehranlage zu ziehen.

Der Stützpunkt war einer von vielen entlang des späteren römischen Limes in Oberschwaben. Andere Stützpunkte und spätere Kastelle waren das Castrum Stein am Rhein und das Castrum Oberwinterthur – alle zur selben Zeit erbaut. Zu dieser Verteidigungslinie gehörte auch das Castrum Bregenz. Sehr relevant war auch das Kastell Windisch. In Oberschwaben liegt zudem noch das Kastell Mengen-Ennetach.

Kastell Constantia

Ab ca. 250 n. C. wird das Kastell ausgebaut und besser befestigt. Es wurde exakt in der Nord-Süd-Achse ausgerichtet, allerdings kleiner als zuvor. Der Graben wurde spitzer und nach Norden hin verdoppelt. Das Gelände war nunmehr rund 1,3 Hektar groß – also doppelt so groß, wie zuvor (120 Meter auf 110 Meter). Der ganze heutige Münsterhügel wurde befestigt. Das Kastell wurde zusätzlich durch Holzpalisaden geschützt. Aus dieser Zeit fand man viele römische Münzen, die fast ein Viertel aller in Konstanz gefundenen Münzen ausmachen.

Im Jahre 2003 entdeckte man das spätrömische Kastell. Dieses Kastell war aus Stein gebaut und die Mauern maßen 2,20 Meter. Zu beiden Seiten waren Tuffstein-Platten zur Verblendung angebracht und mit Kalk verputzt. Zudem wurden achteckige Wachtürme gebaut, die aus der Ummauerung heraus standen. Sie maßen sechs auf sieben Meter. Dessen Mauern waren 1,20 Meter dick.

Die Häuser auf dem Gelände verfügten bereits vor ~ 1.700 Jahren über Fußboden und Wandheizung. Es gab geheizte Bäder und so auch einen Heizraum, der die Wärme über Kanäle verteilte. Die Räumlichkeiten wurden zumindest einmal auch renoviert, was vermutlich in der Mitte des vierten Jahrhunderts stattfand.

Die verkleinerte Anlage endete im Süden dort, wo das Münster heute endet. Mauerreste davon fand man in der heutigen Brückengasse 5/7, nach Westen müsste man wohl entlang der St.-Johann-Gasse graben, um weitere Funde zu machen. Im Norden war wohl die Brückengasse Ecke Inselgasse das Ende der Anlage. Vermutlich maß das spätrömische Kastell 150 Meter auf 80 Meter – also knapp einen Hektar Fläche. Denkbar ist, dass hier in Konstanz auch die römische Bodenseeflotte stationiert war.

Die Toten jener Zeit wurden wohl entlang der Wessenberg- und der Hussenstraße begraben. Das Ende des spätrömischen Kastells kann man relativ gut datieren. Es war das Frühjahr 402. Unklar ist, ob nicht doch Truppen verblieben, aber der Großteil der römischen Armee ist damals abgezogen.

Nur die Münzprägung ging noch bis in das Jahr 411 weiter, doch danach taucht Konstanz in der geschichtlichen Finsternis ab. Nur einzelne Funde und wenige Gräber zeugen von einer Besiedlung nach den Römern, als die Alemannen kamen.

Der spätere Bischofssitz von Konstanz, der ab 600 entstand, hatte die Mauern des römischen Kastells als Fundament, diese Mauern waren wohl noch bis zum Anfang des 9. Jahrhunderts intakt.

Wo war das römische Kastell?

  • Münsterplatz
  • 78462 Konstanz am Bodensee
  • GPS-Daten der Ausgrabungen: 47.663640, 9.175668

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