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Schloss Zeil | Bei Leutkirch im Allgäu

Das Schloss Zeil gehört zu Leutkirch und heißt mit vollem Titel “Schloss der Fürsten von Waldburg zu Zeil und Trauchtenburg”.

Auch wenn es das Schloss Leutkirchs ist, so steht es näher zur kleineren Ortschaft Reichenhofen bei Leutkirch im Allgäu und im engen Verwandtschaftsverhältnis zur Burg Waldburg.

35 Schloss Zeil Unterschloss

Das fast rundum dreigeschössige Schloss ist symmetrisch angeordnet und hat rund 25 Meter hohe Türme. Im Inneren liegt ein typischer Schlossgarten im Stil der Renaissance, der zwar in dieser Form im 19. Jahrhundert geplant, aber erst im 20. Jahrhundert angelegt worden ist. Im Zentrum der Gärten stehen jeweils Brunnen, ebenfalls aus dem 20. Jahrhundert, von den Fürsten selbst finanziert. Ein Brunnen soll die rund 1.000jährige Geschichte der Adelsfamilie erzählen.

Auch angrenzende Gebäude waren früher einmal Teil der Schlossanlage. Im Übrigen liegt das Schloss auf 753 Metern über NN. Dieses sowie das danebenliegende Tal lassen weit in die Ferne blicken.

Einen sensationellen Ausblick hat man von der Panoramaterrasse neben dem Schlossgarten. Bei gutem Wetter (über den Alpen) reicht die Sicht bis zu den Alpen! Das hügelige Allgäu wird auch gern von Motorradfahrenden genutzt, die hier oftmals Station machen.

Kunst im Schloss Zeil

Das Schloss kann nur drumherum besichtigt werden, da die Fürstenfamilie noch immer dort wohnt. Einiges kann man aber dennoch erspähen. Dazu gehört der kleine Uhrturm mit Lorettoglöckchen aus dem 18. Jahrhundert. Loretto verweist auf den italienischen Ort Loreto, der besonders mit der Mariaverehrung in Verbindung steht; so verweist Loretto auf die Mariaverehrung.

Es gibt auch einige Malereien entlang der Mauern, teils aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Dazu gehören auch die Sonnenuhren aus den Anfängen der Jahrhunderte. Der Frobenius von Waldburg-Zeil, der das Schloss in Auftrag gab, wurde 1611 im Eingang verewigt, noch zu dessen Lebzeiten also. Kopien der Reichsinsignien, dem Reichsapfel, ist am Gartenportal zu entdecken.

Auch die vereinigten Wappen von Waldburg-Zeil und Törring, das Wappen der Ehefrau, sind abgebildet.

Unter den Künstlern jener Zeit waren

  • David Weiß (Ravensburg)
  • Jakob Bendel (Waldsee)
  • Karl Löchner (Isny)
  • Gbr. Sichelstein (Memmingen)
  • Andreas Müller (Isny)

Schloss Zeil | Hallstattfestung der Kelten in der Antike

Viel weiß man nicht über die hier lebenden Kelten der Hallstattzeit (750 v. C. bis 450 v. C.), da das Schloss ja nicht abgebaut werden kann. In letzter Zeit gab es wieder neue Funde, die aber noch nicht ausgewertet wurden. Aber schon zuvor hatte man keltische Hinterlassenschaft gefunden.

Es ist oftmals vorgekommen, dass die keltischen Anlagen überbaut wurden, schließlich haben die Kelten den Ort aus bestimmten Sicherheitsgründen erwählt, nicht anders als die nachfolgenden Alamannen.

Burgen waren zumeist von reichen Kelten erstellt worden und hatten neben der fortikatorischen auch eine repräsentative Funktion. Manche Burgen dienten nur als Rückzugsort in Notfällen, diese nennt man Fliehburgen.

Schloss Zeil bei Leutkirch | Geschichte

Der Grund für den Bau des Schlosses Zeil war eine Frau und die Erbteilung im Hause Waldburg: Heinrich und Froben von Waldburg, die sich im Jahr 1595 das Erbe teilten und somit die georgische Linie teilten. Ihr Vater hatte die Familie in den Stand der Reichstruchsressen erhoben und war für seine Brutalität bekannt, woher er seinen Namen hat: Bauernjörg – Georg III, sein Grab findet sich in der Kirche Bad Waldsees. Frobenius oder auch Froben begründete eine neue Linie der Waldburger, die sich schon in der nächsten Generation wieder teilen sollte.

Froben bekam die Burg Zeil, die heute nicht mehr existiert. In den in Kempten verwahrten Chroniken der Familie Waldburg steht vermerkt, dass sich die Gemahlin, Freiin Katharina Johanna von Toerring, in der Burg nicht wohl fühlte, es schlugen wohl zu viele Blitze ein. Insgesamt sei die damalige Burg in eher schlechter Verfassung gewesen sein, weswegen sich der Bauherr zu Beginn über die ungerechte Erbverteilung äußerte.

So begann man 1598 mit den Bauarbeiten an dem Schloss Zeil, das erst fast 300 Jahre später in Gänze fertiggestellt werden sollte. Der Bauherr, Froben von Waldburg-Zeil, verstarb 1614. Danach kamen der Dreißigjährige Krieg und einige Geldnöte. Die Weihe der Kirche war zwar schon 1612, doch die finale Fertigstellung gelang erst 1888.

Das Schloss mit seiner viereckigen Form ist dem Vorbild, dem Schloß Wolfegg, nachgeahmt, was wiederum von Meßkirch abgekupfert war. Die Form ist eine politische Aussage jener Zeit gewesen und referierte auf das römische Prälat. Damals gab es religiöse Meinungsverschiedenheiten, die das Land prägten, nämlich die Reformation. Mit dem Bau zeigte man, dass man auf der Seite des Vatikans stand.

Der Reichstruchsess Froben ließ sich für den Bau nicht lumpen bzw. ließ seine Bauern dafür bezahlen, was damals so Sitte war. Der Deal war weniger Arbeit, dafür Abgaben zum Schlossbau.

Er engagierte die Crème de la Crème oberschwäbischer Künstler für den Bau, auch was das Innere angeht. Der Reichstruchsess wohnte derweil in Treherz auf der Burg.

Die Materialien für den Bau hat man teilweise von der alten Burg genommen, weswegen es auch nichts mehr von ihr gibt, und teilweise aus der Region.

Schlosskirche Leutkirch Zeil | Barock, Klassizismus, Neugothik

Zeitgleich mit dem Schloss begann auch der Bau der Schlosskirche, sie ist der Muttergottes Maria gewidmet. Sie wurde 1612 eingeweiht und ist barockisiert. Dies geschah im Jahr 1740 und wurde etwas später teils im Stil des Klassizismus geändert. Im 20. Jahrhundert begann man alte Teile wieder freizulegen und seither kann man den Wandel der Stile an der Kirche begutachten.

Adresse des Schloss Zeil in Oberschwaben

  • Schloss Zeil
  • 88299 Leutkirch im Allgäu
  • Homepage

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