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Die Waldburg | Mittelalterliche Burg in Oberschwaben

Die Waldburg spielte in Oberschwaben eine gewichtige Rolle. Sie gehört dem Adelsgeschlecht von Waldburg und deren Linien, samt etlicher Gebiete in dieser Gegend im Mittelalter. Die Stadt unterscheidet man von der Burg durch den bestimmenden Artikel “Die”.

Die Waldburg oberhalb der gleichnamigen Ortschaft schaut auf eine wichtige Historie zurück, die seit dem 12. Jahrhundert belegt ist. Heute lebt der Adel nicht mehr hier, die Burg ist ein Museum. Man kann die Burg sogar für die Hochzeitsfeier mieten, was einen ganz eigenen Charme hat! Und wer das mittelalterliche Ambiente mag, dem sei das Ritteressen hier empfohlen.

00 Waldburg Oberschwaben

Gute 200 Meter geht es steil bergauf, wenn man zur Waldburg möchte. Der Parkplatz befindet sich am Fuß des Berges. Doch der Ausblick von der Burg ist die Mühe auf jeden Fall wert! Auf dem Rundgang zur Aussichtsplattform findet man die Geschichte der Familie von Waldburg(-Wolfegg-Waldsee-Zeil) und erfährt etwas über das Leben des Adels während des Mittelalters bis zur Neuzeit.

Geschichte der Waldburg & Adelsgeschlecht der von Waldburg(-Wolfegg-Waldsee)

Die Herren der Waldburg begannen urkundlich mit einem Cono von Waldburg (1108 bis 1132), ein Abt des Klosters Weingarten. Auch wenn diese Linie schon 1210 verstarb, übernahmen die Herren von Tanne die damals wohl prachtvollste Burg Oberschwabens und daraus ergaben sich weitere Linien der Herren von Waldburg; davon sind elf Linien der Familie ausgestorben. Es verbleiben die “Georgische Linien” (jeweils mit Fürstentitel), von denen es heute noch das Haus “Waldburg-Wolfegg und Waldsee” mit Sitz im Schloss Wolfegg gibt. Des Weiteren gibt es noch die Linie “Waldburg-Zeil-Hohenems” mit Sitz in Österreich und das Haus “Waldburg-Zeil und Trauchburg” mit Sitz im Leutkircher Schloss Zeil.

Erbaut wurde die Burg im 11. Jahrhundert, allerdings als ein Kapellenturm (halb so groß wie heute), und mit einigen Gebäuden. Ab dem Jahr 1192 bis ins 19. Jahrhundert tragen die Herren der Burg den Beinamen Truchsess und Schenk (später auch Reichstruchsess). Zwischenzeitlich zum Grafen aufgestiegen tragen sie seit 1803 den fürstlichen Titel. Truchsess ist ein mittelalterliches Hofamt, was eine beratende Stellung des Königs bedeutet und als Truchsess muss man bei entsprechenden Gastmahlen anwesend sein.

Die ältesten erhaltenen Teile der ursprünglichen Erbauung stammen aus der Zeit um das Jahr 1100, es ist also unwahrscheinlich, dass Cono der Erbauer der Burg war. Zu dessen Geburt, 1108, gab es die erste Nennung der von Waldburg.

In der Schatzkammer der Burg, die man auch besichtigen kann, lagerten ab 1194 bis 1240 die königlichen Insignien, wie Krone und Reichsapfel. Damals waren die von Waldburg die Ratgeber des Königs des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nationen, Heinrichs VII., der kurzzeitig auch die Verwaltung des Herzogtums Schwaben übernahm, und sie standen in den Diensten des Königs Friedrich II.

Der Palas (man möchte fast das -t- hinzufügen und bezeichnet den Wohnbereich des Adels) wurde im Jahr 1220 erneuert, damals mit einem Walmdach. Dieses wurde um 1686 durch ein Satteldach ersetzt, welches man auch noch sieht. Im 13. Jahrhundert stehen die Waldburger auf dem Höhepunkt ihrer Geschichte.

Der Kapellenturm gehört zu den Teilen der Burg, die aus dem 12. Jahrhundert stammen und wurden 1220 versetzt. Damals hat man das Burgtor versetzt, um die Burg zu vergrößern. Um 1313 wurde der Turm erweitert (jetzige Höhe 780 Meter ü NN) und 1400 wurde er, samt des Palases um zwei Stockwerke erweitert. Im 15. Jahrhundert gab es eine wichtige Erbteilung. Es war die erste Aufteilung und der Beginn unterschiedlicher Linien, sowie die Bestimmung der Erbabfolge (unter Ausschluss der Frauen). Die entsprechende Urkunde ist im Museum zu sehen.

Im Bauernkrieg um 1524 und 1525 – zu Zeiten Georgs III. von Waldburg – spielte die Waldburg und der Adel eine wichtige Rolle. Benannter Truchsess versuchte, die Bauern wieder unter die Adelsherrschaft zu bringen. Als er genügend Truppen hatte, zog er ins Feld und besiegte sie, was das Ende des Aufstands bedeutete. Seinen Beinamen “Bauernjörg” erhielt er wegen der brutalen Behandlung der niedergeworfenen Bauern durch Folter und Hinrichtungen. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die Burg, die Stammburg der Georgischen Linie wurde. Er liegt in der Kirche von Bad Waldsee begraben und wurde Schloss Waldsee geboren.

Kurz vor dem Bauernkrieg, 1523, wurde die Burg von einer frühmittelalterlichen, wehrhaften Burg zu einer Burg im Stil der Renaissance, was unter anderem den Palas, die Wendeltreppe und die Fenster betraf.

Um 1550 hat man einen Verbindungsgang zwischen dem Palas und der Kapelle er- und zeitgleich den Palas umgebaut. Es sollte gemütlicher werden und die Burg sollte einen Schlosscharakter erhalten. Aber schon Georg IV. wohnte nur noch selten hier, er bevorzugte das Schloss Waldsee. 28 Jahre später wird das Schloss in Wolfegg neu gebaut und weitere zwanzig Jahre später gab es eine erneute Teilung der georgischen Linien. Damals 1578 wurde der Hauptsitz der Familie nach Wolfegg verlegt. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde die Burg von den Schweden geplündert, aber sie blieb im Großen und Ganzen erhalten. Dann stand die Burg eine Weile leer und sollte in den nächsten Jahrhunderten nur noch eine repräsentative Rolle spielen. Die Linie Waldburg-Wolfegg-Waldsee entstand 1678.

Erst im 17. Jahrhundert begannen weitreichende Renovierungsarbeiten nach den Bauplänen von Johann Georg Fischer. Im Jahr 1728 wurde die Kapelle im Stil des Barocks eingerichtet und erhielt Stuck und- schon davor – eine Empore.

Die Waldburg | Die Museumsburg

Die ganze Waldburg ist ein Museum, sozusagen vom Keller bis zum Dach. Die Kasse befindet sich im Erdgeschoss, wo man auch einen Audioguide bekommt. Das Museum befindet sich also auf mehreren Etagen des Gebäudes:

  • Erdgeschoss: Geschichte der Burg und des Hauses Waldburg

In diesem Teil des Museums befindet sich die Geschichte der Burg und der Familie im Mittelalter, mit Informationen zu den einzelnen Linien. Passend dazu gibt es auch einige Bilder dieser Zeit von der Waldburg, sowie ein Modell der Burg, wie sie im 16. Jahrhundert aussah. Und es gibt einige Hinweise auf ein Hobby der Sippe: die Jagd.

  • Erste Etage: Rittersaal, Rechtswesen des Mittelalters, Georg III. (Bauernjörg) und Historiengemälde

Hier finden sich wieder viele Bilder, meist aus dem Mittelalter, die die Burg zeigen oder historische Momente, wie das Bild, bei dem der Truchsess Heinrich von Waldburg dabei war und als Konradin aus dem Geschlecht der Hohenstaufer, am 29. Oktober 1268, in Neapel geköpft wurde. Der Rittersaal war ursprünglich ein Empfangssaal, der (so die Inschrift über der Tür) 1568 entstand. Er zeigt die Ahnengalerie aus fast allen Epochen derer von Waldburg. Und einen Kachelofen aus dem 17. Jahrhundert. Daneben ein Raum mit den Waffen des Mittelalters, samt der Ritterrüstungen. Auch Folter- und Prangermaterialien sind auf der Etage zu sehen: eine Schandmaske, eine Fingerschraube oder ein Holzkragen. Todesurteile gab es hier ebenfalls. Passend dazu sind auch einige Funde ausgestellt, wie das Richterschwert zur Ausübung.

  • Zweite Etage:  Kapelle, Trionfi des Petrarca, Jagd und Landkarten

Hier sind die unglaublich vielen Geweihe und Bilder jener Zeit, sowie die des Jägers, ausgestellt. Besonders reizvoll ist die Kapelle, die damals der Adelsfamilie vorbehalten war. Dort finden sich auch die drei Schutzheiligen, unter anderen Walburga, die vermutlich aufgrund der Namensähnlichkeit zur Schutzpatronin wurde. Die Kapelle hat viele barocke Stilelemente.

  • Dritte Etage: Waldburg in der Epoche der Romantik und des 19. & 20. Jahrhunderts, sowie Landvermessungsaktionen und die Vogelsammlung

Oben findet man etliche Vögel, die ausgestopft in den Vitrinen stehen und es geht hoch zur Aussichtsplattform. Außerdem erfährt man einiges zur Geschichte der Landvermessung.

  • Die Aussichtsplattform

Hier erhält man nicht nur einen fantastischen Blick über Oberschwaben, man kann aufgrund der Bestimmungskarte bei gutem Wetter auch die einzelnen Berge der Alpen ausmachen. Mit einem Fernrohr kann man sich das auch genau anschauen!

  • Keller: Schatzkammer

Zur Schatzkammer gehören die Repliken der damals eingelagerten Reichsinsignien: Lanze, Zepter und Reichsapfel und seit Neuestem auch die Krone.

Adresse, Preise und Öffnungszeiten “Die Waldburg” | Oberschwaben

  • Die Waldburg
  • 88289 Waldburg
  • Telefon: 07529 – 911120
  • Homepage

Preise sind für

  • Erwachsene 9 Euro inklusive Führung
  • Kinder von 4 – 12 Jahre 4,50 Euro, darunter kostenlos
  • ab 10 Personen 8 Euro, Kinder die Hälfte – einmalig zusätzlich 45 Euro & eine Woche vorher anmelden
  • Bei weniger als 10 Personen werden hier einmalig 125 Euro berechnet.
  • Sonderausstellung, Waffenkunde & Fotoshooting Raum:  3 Euro/Person und berechtigt zum Zugang des Erdgeschosses der Waldburg

Geöffnet ist die Waldburg zur Besichtigung

  • ganzjährig für Gruppenführungen nach vorheriger Terminabsprache
  • von Mai bis Oktober geöffnet mit regelmäßigen Führungen
  • dienstags bis sonntags von 10 Uhr bis 17 Uhr
  • Burgschenke geöffnet an Sonn- und Feiertagen von 11 Uhr bis 20 Uhr

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3 Responses to Die Waldburg | Mittelalterliche Burg in Oberschwaben

  1. Nina 11. Mai 2014 at 18:05 #

    Das ist die schönste Burg in der ganzen Region und eine schöne Kulisse für ne Hochzeit 🙂

  2. Inge 19. April 2015 at 20:35 #

    Danke für die Infos. Damit erspart man sich den Guide! Meinem Jungen hat die Schatzkammer am Besten gefallen!

  3. Regine Schünhoff 19. Februar 2016 at 11:02 #

    Als Kind war ich häufig mit meinen Eltern und Geschwistern in dieser Burg. Wir waren immer sehr fasziniert von allem was zu sehen war. Nach der Besichtigung ging es dann zum Mittagessen in den Gasthof Krone bei Baptist Kübler und seiner Frau wo es uns allen sehr gut schmeckte.
    Heute sind meine Enkelkinder, die in Faro an der Algarve leben groß genug, dass ich plane mit ihnen und ihren Eltern im Juni die Burg zu besuchen und freue mich schon sehr darauf Kindheitserinnerungen aufleben zu lassen und diese mit den Kindern zu teilen.

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