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Runenburg – Burgstall von Untermatzen und die Herren von Hag (Hacken)

Heute kaum noch auszumachen, lag einst die Runenburg oberhalb des Karbachtals bei Wangen.

Obwohl man sie heute die Runenburg nennt, war es doch die Burg der Herren von Hacken. Sie lag in der Nähe des Naturschutzgebiets Krottental-Karbach.

Untermatzen

Untermatzen

Burgstall Runenburg

Der Burgstall befindet sich auf einem Sporn zwischen Pfärrich und Untermatzen und ist nach Süden gerichtet. Der Burghügel weist nur noch einen geringen Höhenunterschied zum umgebenden Gelände auf. Zwei, drei Meter steht er über und fällt nach Süden steil ins Tal ab. Die restlichen Seiten wurden durch einen gebogenen Graben von 5 Meter Tiefe auf 25 Meter geschützt.

Die Burg war wohl von Norden her betretbar und bestand vermutlich aus Steinen. Ein Stein, möglicherweise vom Brückenfundament, ist noch zu sehen sowie Mauerreste des Brunnens. Auch eine Trichtergrube gibt noch Auskunft über den ehemaligen Adelssitz, was vielleicht der eingestürzte Kellerraum sein könnte.

Geschichte der Runenburg – Burg der Herren von Hacken

Erbaut wurde die Burg vermutlich im 13. Jahrhundert, und zwar von den Herren von Hacken. Dieser Adel wird noch im 18. Jahrhundert erwähnt, doch starb das Haus von Hag (oder Hacken) im 14. Jahrhundert aus. Die nahe gelegene Kirche wurde wohl auf dessen Anweisung hin errichtet. Schon damals war die Burg, zu der Zeit noch Burg Bichel genannt, eine Ruine.

Der Adel von Hacken lässt sich nur indirekt mit der Burg in Verbindung bringen. Sie waren vermutlich Ministeriale im Rang eines Ritters im Dienst der Welfen. Mutmaßlich schrieb man sie ursprünglich Hag. Ein Hermann von Hag wird 1198 als Ritter im Dienste der Welfen erwähnt. Dieser übergab einen Hof an das Kloster Weißenau. Dessen Sohn, Werner von Hag, übereignete dem Kloster weitere Güter.

Dieser Ritter Werner von Hag hatte einen Hof bei Weißenau, den er vom Grafen von Veringen als Lehen erhalten hat. Dieser wiederum hatte es von König Philipp erhalten. Des Weiteren finden sich in den mittelalterlichen Urkunden ein Eberhard von Hag, der Zeuge beim Verkauf die Reibeisenmühle war. Diese wurde von den Herren von Mosheim verkauft. Ein weiterer Zeuge war der Ritter Ulrich genannt Wildemann. Ein anderer Hermann von Hag, in dem Hage genannt, war im Kampf um die Abtabfolge im Kloster St. Gallen zwischen 1288 und 1291 für Konrad von Gundelfingen mit Sitz in Ostrach.

Der Gegenabt von Gundelfingen konnte sich aber nicht gegen den Fürstabt Wilhelm von Montfort durchsetzen. Vermutlich deshalb benannten sich die Herren von Hag danach in von Hacken um. Hacken war damals das Wort für die Krallen eines Habichts, was sich auch auf dem Wappen des Adelshauses widerspiegelt.

Die Kirche in Pfärrich zeigt dieses Wappen über der Sakristeitür und dem Chor. Dort war vermutlich auch die Grablege der Herren von Hacken. Das Wappen offenbart auch eine Verwandtschaft mit den Herren von Wohmbrechts und von Pfaffenweiler. Diese standen als Ministeriale im Dienst der Grafen von Montfort-Werdenberg.

Die Herren von Hacken starben in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert aus oder gingen im Haus Wohmbrechts auf. Diese bekamen 1353 das Patronatsrecht von Pfärrich als Lehen vom Haus Werdenberg. Dieses Recht verkauften die von Wohmbrechts 1377 an Heinrich Pfanner von Wangen, die ebenfalls mit dem Haus Hacken verwandt waren.

1390 erhielt der Abt Kuno von St. Gallen von Lutz dem Sürgen die Güter in Ober- und Untermatzen inklusive der Hagmühle. Dabei vermischte sich das Erbe des Kämmerers Heinrich von Ravensburg des 13. Jahrhunderts mit dem von den Rittern von Prassberg-Pfaffenweiler und Leupolz. Zusammen mit Neuravensburg ging es an das Kloster St. Gallen. Sie vergaben dies als Lehen im Jahr 1390. Die Burg war damals vermutlich schon eine Ruine und findet sich in der Sammlung nicht mehr als erwähnenswertes Gut.

Im 14. Jahrhundert gingen Burg und Herrschaft auf die Herren von Neidegg über, welche mit den Herren von Wohmbrechts ebenfalls verwandt waren. Im Jahr 1419 wurde der Konrad von Neidegg, als er Bürger Ravensburgs wurde, als Burgbesitzer erwähnt. Über die Burg heißt es dazu, dass sie nicht mehr bewohnt und in Teilen bereits geschliffen sei.

Im Jahr 1433 kündete ein Dokument von dem Burgstall in Untermatzen, einem Burgsteig und dem Burgbrunnen. Damals war wohl auch ein Wiederaufbau oder die Nutzung der Steine erwähnt. Die Burg wurde aber nicht mehr aufgebaut. Nur die Glocke soll in der Kirche von Pfärrich überlebt haben. Auch das Patronat über die Kirche blieb lange bestehen und gelangte dann an das Haus Fürstenberg-Heiligenberg, wo es noch bis 1907 verblieb. Die Burgruine wird im Jahr 1536 noch mal erwähnt, die zu dem Zeitpunkt immer noch im Besitz der Herren von Neidegg war.

Im 16. Jahrhundert kam die Deutschordenskommende Altshausen in den Besitz des Burgstalls und der umliegenden Höfe. Ab 1707 ergatterte der Deutschorden auch Steinhaus, Untermatzen, Obermatzen und die Hagmühle. Die letzten Burgüberbleibsel verschwanden im 20. Jahrhundert.

Warum eigentlich Runenburg?

Der Begriff Runenburg entwickelte sich erst im 19. Jahrhundert. In einer Urkunde von 1837 findet sich der Name erstmals. Der Name referiert wohl auf den Bach Rhone, der westlich vorbeifließt. Auch das Feld zwischen Untermatzen und dem Burgstall wurde Rhone Halde genannt.

Wo lag die einstige Burg der Herren von Hacken?

  • GPS: 47.704178, 9.794367
  • 88279 Amtzell

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