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Rathaus in Ravensburg | Oberschwaben

Das rote Haus auf dem Marienplatz in Ravensburg ist das Rathaus der Stadt. Hier tagt der Stadtrat seit nunmehr über 600 Jahren.

Diese Sehenswürdigkeit in Ravensburg sollte man nicht auslassen, auch ein Blick in das Innere bietet Interessantes – vor allem die Säle des Gebäudes. Das Rathaus steht im Zentrum des Platzes im Zentrum der Stadt, umringt vom Waaghaus, samt Blaserturm und gegenüber dem Lederhaus.

Rathaus Ravensburg

Geschichte der Stadt Ravensburg | Überblick

Die Geschichte der heutigen Kreisstadt Ravensburg ist lang und ereignisvoll. Ich werde nur die wesentlichsten Belange im Überblick darstellen. Der Herrscher über diese Region wohnte über einige Jahrhunderte eigentlich im heutigen Weingarten, früher Altdorf. Es war lange Zeit der Sitz der Welfen.

Die erste Erwähnung von Ravensburg findet sich im Jahr 1088, damals zog der Herzog Welf IV. in eine neue Burg an der Ostseite der Schussen – nach Ravenspurch, also Ravensburg. Der Aufstieg Ravensburgs und der Abstieg Weingartens setzte ein. Noch in demselben Jahrhundert wurde die Burg erweitert. Weitere Erwähnungen ändern den Namen der Burg immer weiter ab, 1122 wurde es zu Ravenespurc und 1267 zu Ravenspurc.

Man vermutet, was man immer tut, wenn man es nicht weiß, dass eine Person hinter dem Namen der Stadt steht. Möglich wäre aber auch eine keltische Deutung auf Furcht bei der Schussen: Der Name dafür wäre Rati. Andere Stimmen sehen in dem Namen der Stadt “den rauhen Berg”. Dies klingt in sofern logisch, als dass sich Rauh aus Rüh oder Ruh herleitet und im englischen zu rough (gh gesprochen wie f) entwickelte, es also durchaus zu Rav werden konnte. Noch heute sagt der Volksmund selten Ravensburg (oder schwäbisch: Raveschburg), sondern eher “Raaf”.

Warum die Welfenburg verlegt wurde, ist umstritten. Manche führen strategische und verteidigungstechnische Gründe an. Zwar nannte sich der Adel 1105 noch Herzog von Altdorf, aber schon 17 Jahre später ist es der Herzog von Ravensburg.

Der Marktplatz war wohl zuerst oben in der Marktstraße, welcher ab dem 12. Jahrhundert entstand – jedoch erst 1152 schriftlich erwähnt wurde. Nun beginnt die Blütezeit der jungen Stadt. Doch schon 1191 verstirbt der Herzog Welf VI. und hinterließ keine Erben. So erbte der Kaiser Friedrich I. (genannt Barbarossa) Ravensburg. Friedrich kam aus dem Haus der Staufer und sollte später noch viel Ärger mit einem Welfen haben, wobei es um die Thronfolge zwischen dem Löwen (Welfen) und Barbarossa (Staufer) ging. Die Staufer gewannen den Kampf und die Welfen waren fortan nur noch im Norden Deutschlands vorzufinden.

Doch für Ravensburg ging es weiter bergauf, denn die Stadt wurde zu einem Verwaltungszentrum unter den Staufern. Ravensburg war die Verwaltungszentrale für deren Gebiete in Oberschwaben: die sogenannte staufische Prokuration.

Das nachfolgende 13. Jahrhundert sollte den Aufstieg noch beschleunigen. So bekam man im Jahr 1220 universelle Bürgerrechte, ab 1251 sprach man von der Stadt Ravensburg und 1266 bekam man das Stadtsiegel. Doch damit nicht genug, im Jahr 1276 stellte Kaiser Rudolf I. aus dem Hause Habsburg Ravensburg unter seinen Schutz. Damit änderte sich auch der Titel der Stadt: Reichsstadt Ravensburg.

Das führte natürlich auch dazu, dass mehr Menschen nach Ravensburg kamen und so brauchte man mehr Platz. Um 1250 erweiterte man das Gebiet nach Norden und Westen (heute Kirch- und Herrenstraße). Es entstand die heutige Oberstadt in einer ovalen Form. Der Mauerring wurde auch in dieser Zeit gezogen. Zudem wurden die ersten Kaufleute aus Ravensburg in Italien schriftlich festgehalten. In Ravensburg wurden vor allem Barchent (Stoff) und Leinwände hergestellt.

Doch Städter und Burgen-Bewohner mochten sich nicht sehr, weshalb man Stadt und Burg (heute Veitsburg) voneinander trennte. Die Burg wurde der Sitz des Adelsverwalters, des Landvogts in Schwaben. Der Mehlsack wurde gebaut, um zu sehen, was die da oben machen. Im Jahr 1647, während des Dreißigjährigen Krieges, brannte die Burg ab und der Landvogt zog nach Weingarten, wo heute ein Restaurant sitzt.

Im 14. Jahrhundert erweitert die Stadt ihr Gebiet zum zweiten Mal. Dieses Mal zur Schussen hin – nach Westen. Die Unterstadt entstand. Mit einer Fläche von 16 Hektar ist sie größer als die Oberstadt. Eine neue Stadtmauer wurde gebaut, um beide Areale zu schützen. Und es entstanden auch schon Vorstädte, wie die am Flattbach. Hier siedelten meist Handwerker mit ihren Familien, um die Wasserkraft zu nutzen. Außerdem entstand in dieser Zeit eine neue Verfassung, worin die Zünfte eingebunden wurden und sich ein Bürgermeister etablierte. Zuvor hatte Ravensburg einen Ammann des Kaisers, der hier die Macht ausübte. Zudem versicherte man sich in Städtebündnissen rund um den Bodensee und man trat dem Schwäbischen Städtebund bei.

Ravensburg kam groß raus und erwarb die Gebiete drumherum, so Schmalegg im Jahr 1413 oder Zussdorf im Jahr 1447 und weitere im Jahrhundert darauf. Auch das Spital in Ravensburg oder vielmehr die Spitäler hatten ebenfalls einige Gebiete in der Region und dort übten sie die niedere Gerichtsbarkeit aus, also verhandelten kleine Fälle. Die hohe Gerichtsbarkeit hatten sie in der Stadt in ihren Häusern.

Den Reichtum hatte man vor allem den reichen Kaufleuten zu verdanken. Sie gründeten um das Jahr 1400 herum die Ravensburger Handelsgesellschaft, welche über die Grenzen von Ravensburg hinaus Mitglieder hatte. Zentral dabei ist die Familie Humpis, nach der bis heute ein Viertel in Ravensburg benannt ist. Das Lager der Gesellschaft stand ebenfalls in Ravensburg.

Zum Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Bürger in Patrizier und Zünftige eingeteilt. Die Patrizier in Ravensburg gehörten zur Gesellschaft zum Esel. Das war der Anfang vom Ende der Zünfte in der Stadtverwaltung, denn ab 1551 gilt eine Magistratsverfassung. Währenddessen baute die Familie Humpis ihre Kontakte über ganz Europa aus – vor den Fuggern, die später aber viel mehr Geld und Macht anhäuften. Wein und Papier made in Ravensburg waren die Güter des Wohlstands.

Ravensburg wuchs auch im 16. Jahrhundert weiter und es wurden weitere Türme und Befestigungen errichtet, bis auf den im neuen Zentrum. Dort entstand ein neuer und freier Platz für den Verkehr. Heute heißt dieser Ort Marienplatz.

Aber das Handelskontor der Handelsgesellschaft der Humpis wurde im 16. Jahrhundert geschlossen – die “Neue Welt” hatte mehr Verlockungen zu bieten. Inzwischen hatte Augsburg aufgrund der guten Verkehrslage Ravensburg den Rang abgelaufen. Der Dreißigjährige Krieg bot für Ravensburg vor allem Seuchen und Hunger, aber dafür weniger fremde Truppen. Doch ganz blieb die Stadt nicht verschont. Wie schon erwähnt brannten die Schweden die Veitsburg nieder. Zudem verlor man im 15. und 16. Jahrhundert einige gekauften Gebiete wieder.

Was bei Klöstern die Säkularisierung ist, ist bei Reichsstädten die Mediatisierung. Ravensburg wird Bayern zugesprochen, doch kam es ab 1810 zu Württemberg. Bis zum 20. Jahrhundert erholte sich Ravensburg vor allem durch die Industrialisierung. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Ravensburg und Weingarten übrigens zwangsfusioniert.

Durch die Modernisierung riss man einige mittelalterlichen Gebäude ab. Heute ist von den ursprünglich vier Stadttoren nur noch das Untertor, das Obertor und das Frauentor erhalten. Allerdings auch so mancher Turm, wie der Grüne Turm oder der Blaserturm. Diese kann man im Sommer mit einer Führung erkunden.

Geschichte und Details | Rathaus in Ravensburg

Das ursprüngliche Rathaus der Stadt (zu Zeiten der Staufer) stand in der Oberstadt und wurde nach der Erweiterung des Stadtgebiets an die heutige Stelle verlegt. Die, zu dem Zeitpunkt hier stehende Häuser, wurden abgerissen. Zu der Zeit, als man das Rathaus hier erbaute, 1386, wurde die Stadtmauer um Ravensburg entfernt.

Bis zum Jahr 1875 war das Erdgeschoss eine gewölbte Halle mit Läden. Ab dem 17. Jahrhundert kam eine Wirtschaft der Spitalbrauerei hinzu.

Das Innere zeigt schöne, mit viel Holz ausgekleideten Säle, in denen die Oberhäupter Ravensburgs tagten. Holztafeln und Fachwerk lenken den Blick der Besuchenden in die Säle im ersten Stock; sie werden der Zeit der Spätgotik zugerechnet, was man an den gewölbten Balken festmachen kann. Das Amtszimmer des Oberbürgermeisters von Ravensburg ist, neben dem kleinen Saal, einer der spätgotischen Säle. Dort stehen auch einige Rechtssprüche aus dem Jahr 1581.

Viel des inneren Dekors ist aus der Zeit um 1500, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts renovierend bemalt wurden. Darüber hinaus findet man hier stumme Zeugen der Geschichte, wie Zunfttafeln, Fresken und ein Stadtplan von Ravensburg aus dem Jahr 1625. Der Pranger stand übrigens neben dem Lederhaus auf der gegenüberliegenden Seite.

An und im Rathaus kann man einige alte Details sehen, so ist an der Ostseite das Wappen der Stadt aus Sandstein, das im 14. Jahrhundert, also um oder kurz nach der Erbauung angebracht wurde. Der Erker an der Nordseite, der Gerichtserker, stammt aus dem Jahr 1571. Von diesem Erker aus wurden die Todesurteile bekannt gegeben.

Außerdem gibt es das reichsstädtische Längenmaß am Eingang, was 61,59 Zentimetern entspricht. Dies diente der Standardisierung der Längenmaße im Mittelalter. An den Fensterpfeilern, aus der Erbauungszeit, erzählt ein Bild von der Geschichte von Tristan und Isolde, einer Liebesgeschichte mit dramatischen Ereignissen, die vermutlich von den Kelten stammt. Einigen Interpreten nach, soll das Bild eine Anspielung auf Adam und Eva sein.

Adresse des Rathaus in Ravensburg

  • Marienplatz 26
  • 88212 Ravensburg ‎
  • Telefon: 0751 820
  • Homepage der Stadt
  • GPS: 47.781919,9.613707


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