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Ittendorf: Ort, Burg und Schloss

Auf der Anhöhe von Ittendorf thront heute ein barockes Schloss, wo einst eine mittelalterliche Burg ihren Sitz hatte.

Das Schloss Ittendorf steht auf rund 450 Meter Höhe auf einem Moränenhügel, der seine Umgebung um rund 10 Meter überragt. Durch den Ort Ittendorf kommt man, wenn man von Markdorf in Richtung Meersburg auf der B 33 fährt.

Schloss Ittendorf

Schloss Ittendorf

Ittendorf | Geschichte des Ortes

Die Anhöhe, auf der das Schloss steht, machte den Ort vielleicht schon zu keltischen Zeiten zu einem interessanten Flecken. Jedoch spätestens im Mittelalter lag das Dorf an einer wichtigen Handelsstraße, die Ulm und Konstanz verband. Doch die fassbare Geschichte des Ortes Ittendorf beginnt erst im Mittelalter. Die erste Erwähnung findet sich in den Urkunden des Jahres 1138. Der Ortsname, damals noch Utendorf, bezieht sich auf eine Person. Die Endung -dorf lässt erahnen, dass der Ort durch die Franken im 5. Jahrhundert n. C. gegründet wurde, also in der Zeit der Merowinger.

Im Jahr 1138 wird ein Hugo von Ittendorf genannt, der ein Edelfreier war. Später, mit der Burg, kamen die Schenken von SchmaleggWinterstetten in den Besitz des Dorfes und benannten sich kurz darauf, zum Ende des 13. Jahrhunderts, danach. Burg und Dorf wurden 1302 an das Kloster Salem veräußert, woraus eine Lehensabhängigkeit entstand.

Das Herrschaftsgebiet der Schenken von Ittendorf umfasste ein relativ großes Gebiet, weil sie die Vogtei Weingarten und Lindau inne hatten. Zu dem Gebiet gehörten neben Ittendorf auch Ahausen, Bermatingen, Hagnau, Frenkenbach, Kippenhausen und Immenstaad. Auch ein Teil der Vogtei des Klosters Hofen (heute Friedrichshafen) gehörte dazu.

Im Jahr 1371 kam es zu einer Teilung der Linie durch Erbschaft. Damit ging das genannte Gebiet ohne Bermatingen an Walter von Hohenfels. Dieses erbte nach dessen Tod im Jahr 1408 Burkhard von Ellerbach Ittendorf, der es 1434 an Überlingen verkaufte. Im Jahr 1650, nach dem Bedeutungsverlust durch den Dreißigjährigen Krieg, erwarb das Kloster Einsiedeln die Herrschaft über Ittendorf für einen Spottpreis von 560.000 Mark. Zwei Jahre später erwarb man weitere Güter des Kloster Salem.

Im Jahr 1693 (vielleicht schon 1673 oder 1671) verkaufte Einsiedeln Ittendorf an Weingarten und Konstanz, die die Landeshoheit inne hatten. Sie bauten es als Statthalterstätte aus. Später fiel Ittendorf an Baden, ab 1813 gehörte es zum Amt Meersburg und ab 1857 zu Überlingen.

Geschichte der Burg und später Schloss Ittendorf

Vermutlich erbauten die Edelfreien von Ittendorf die Burg im 13. Jahrhundert. Seit 1260 ist der mittelalterliche Adelssitz in den Urkunden zu finden. Der Adel war auch Gründungszeuge des Klosters Salem. 1269 wird ein Burkhard von Ittendorf erwähnt, der Lehensgüter vom Schenken von Winterstetten erhielt. 1298 wird ein Ritter Heinrich von Ittendorf erwähnt. Die erwähnten Ritter von Ittendorf sind wohl einer Seitenlinie der Schenken zuzuordnen.

1302 werden die Burg und das Dorf an die Ordensbrüder der Zisterzienser in Salem verkauft. Doch Ittendorf wird mit seiner Burg zum Zentrum der oben erwähnten Herrschaft der Schenken. Ab dem 14. Jahrhundert übernahm das Haus von Hohenfels die Burg. 1383 verkaufte Walther von Hohenfels die Burg an die Johanniter-Kommende in Überlingen.

Die Burg ereilte dasselbe Schicksal wie das Dorf und ging ab 1408 an die von Ellerbach und ab 1434 an die Reichsstadt Überlingen. Der Preis betrug 10.250 Gulden. Noch 1499, während des Schweizerkrieges, wurde die Burg ertüchtigt. Man schaffte 20 Karren voller Steine hinauf, um sie für einen Angriff zu wappnen.

Während des Bauernkrieges, der ab 1525 seinen Höhepunkt erreichte, war die Burg von einem Bauernhaufen besetzt worden. Doch es gab nur wenig Schäden, wobei die Quellenlage widersprüchlich ist. Jedoch wurde die Anlage spätestens im Dreißigjährigen Krieg das Opfer der Flammen.

Das Kloster Einsiedeln, das die Burg und das Dorf kaufte, formte aus der Anlage seinen Verwaltungssitz. Als das Gebiet an Konstanz fiel, wurde die Anlage der Sitz der Obervogtei Konstanz. Die Fürstbischöfe aus Konstanz nutzten den inzwischen zum Schloss umgebauten Sitz als Jagdschloss. Noch heute sieht man das Wappen des Fürstbischofs Marquard Rudolf Freiherr Roth von Bußmannshausen im Schloss.

Während der Zeit der Säkularisierung wechselten die Besitzer der Burg des Öfteren. Baden verkaufte es 1815. Es folgen als Besitzer die Fürstin Leopoldine von Hohenlohe-Schillingsfürst, Amalie Jolande von Rochefort, Heinrich von Kellenbach, Frau von Bär aus Stuttgart, Frau Dr. Gaggert und Herr Maier aus München. Dieser verkaufte es 1904 an den Ritter von Deines, der den Park errichtete und den Blick auf das Schloss freigab. Auch heute ist es in Privatbesitz.

Wandel von Burg zum Schloss Ittendorf

Man weiß nicht viel über das Aussehen der Burg, von der nur die Fundamente und der untere Teil der Ringmauer übrig geblieben sind. Einige Quellen gehen davon aus, dass die Burg während des Bauernaufstandes geschliffen wurde, andere Quellen glauben an eine Zerstörung erst im Dreißigjährigen Krieg. Im 17. Jahrhundert wird die Burg dann aber zum Schloss. Dies wurde vom Kloster Einsiedeln nach dem Dreißigjährigen Krieg vorangetrieben. Sie bauten die Burg von 1671 bis 1677 als Statthalterei und damit als Schloss aus.

Sie beseitigten die Verteidigungsanlagen sowie einen großen und vier kleine Türme, die 1554 gebaut worden sein sollen. 1904 wurde die Ringmauer um zwei Meter in der Höhe reduziert. Dies wurde durch den Ritter von Deines vorgenommen. Auch die Zinnen sollen damals entstanden sein.

Im Inneren findet sich nichts mehr aus der Zeit des Mittelalters. Zudem soll ein Wirtschaftsgebäude versetzt worden sein. Der sogenannte ‘Ittendorfer Landapfel’, ein Bild des Schlosses, stammt von 1663 – also vor dem großen Umbau. Dort sieht man zwei Wohnhäuser, die Ringmauer mit Zinnen und einem Turm im Westen der Anlage.

1672 entstand das Herrenhaus und auch die Ringmauer wurde damals geschliffen. Das Schloss, das man heute noch sieht, ist ein Staffelgiebelbau. Baumeister waren Michael Kuen und dessen Sohn Hans Georg Kuen aus Bregenz. Der rechteckige Bau hat drei Etagen und ist von einem Satteldach gekrönt. Durch eine Freitreppe kommt man über den Hof in das Schloss.

Im Inneren gibt es Stuck und Holzdeckengemälde. Im zweiten Stock befindet sich ein großer Saal mit Täfelungen. Der Raum soll 1693 entstanden sein, dort ist auch das Wappen des Bischofs von Konstanz zu sehen. Im Speisesaal gibt es ein Ölbild mit dem biblischen Motiv der Flucht aus Ägypten. Auch der dritte Stock wartet mit Täfelung auf.

Ab dem 19. Jahrhundert kommt der Park hinzu, in dem damals auch Obstbäume angepflanzt wurden. Ab dem 20. Jahrhundert soll es auch Treibhäuser gegeben haben. Das sogenannte Jägerhaus, ein Fachwerkhaus, entstand ebenfalls 1673. Es war die Zehntscheuer, das damalige Finanzamt der Herren des Schlosses. Davor ist ein sogenanntes Ausgedinghaus mit Zierfachwerk aus dem 18. Jahrhundert. Des Weiteren gehört ein Törkel dazu, der sich unterhalb des Schlosses befindet. Das Fundament soll um 1500 entstanden sein. Rund 300 Meter nördlich ist ein sogenannter Guggenbühl, eine Anhöhe mit Pavillon, wo einst vermutlich ein Wachturm stand.

Wo befindet sich das Schloss Ittendorf?

Da sich das Schloss in Privatbesitz befindet, kann man es nur von außen bewundern.

  • Ittendorf
  • Andreas-Strobel-Straße
  • 88677 Markdorf
  • GPS: 47.701833, 9.339667

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