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Erster Weltkrieg in Bad Waldsee

Am 1. August 1914 wurde das Militär mobilisiert – der erste Weltkrieg war ausgebrochen. Ein Bericht über die damaligen Zustände in Bad Waldsee.

Exemplarisch an dem Ort Bad Waldsee, der damals noch kein Bad im Titel hatte und nur Waldsee hieß, für Oberschwaben zum ersten Weltkrieg vor 104 Jahren. Allein in dem Ort Waldsee kostete der erste Weltkrieg 87 Menschenleben, wohl 97 – denn zehn Personen blieben vermisst.

Der erste Weltkrieg 1914 bis 1918

In Sarajevo wurde der Thronfolger der Habsburger (Österreich) erschossen und das nahm man als Anlass Serbien dafür bluten zu lassen. Auf allen Seiten war die Kriegslüsternheit gewachsen, was sich 1914 einen blutigen Weg bahnte. Deutschland hatte Österreich Beistand zugesichert, obwohl fast alle Adeligen in Europa miteinander verwandt waren. Auch Italien gehörte zum Bündnis. Russland sicherte Serbien Beistand zu, wobei England und Frankreich auf deren Seite stand. Auch Afrika und die Kolonien gehörten zu dem Kriegsschauplatz der sich ab 1917 mit dem Kriegseintritt der USA zu einem weltweiten Krieg ausweitete.

Die Besonderheit dieses Krieges war, dass es der erste moderne Krieg war. Das meint, dass die Technologie die Opferzahl drastisch erhöhte und man die Leute rigoros zur Schlachtbank führte. Damit legte man auch gleichsam den Grundstein für den zweiten Weltkrieg.

Kriegslüsternheit in Deutschland | Waldsee in Oberschwaben

Mit der aufkommenden Industrialisierung wurden in Waldsee elektrisches Licht eingeführt und es fuhren die ersten Autos durch die Gegend. Die Industrie etablierte sich hier mit Firmen wie der Baumschule Scheerer oder der Maschinenbauer Kibler. Auch der Tourismus hatte seine ersten Ausläufer in Bad Waldsee gefunden. Die Eisenbahn zog ein – wenn auch nicht durch Waldsee, aber durch Durlesbach. Die transportierten Güter und Personen nahmen immer weiter zu.

Im Februar war es noch kalt und der Boden stark gefroren. Aber die Fasnet galt es zu feiern. Die Hauptsorge war noch, dass das Brot ob der Mehlpreise teurer wurde. In Waldsee kam die Technik des Kinos an und sogar die Sonnenenergie war schon ein Thema. Aber die Kriegslüsternheit sorgte bereits für ein Manöver der Jugendlichen zwischen Waldsee und Aulendorf im Mai 1914.

Am 28. Juli kam es zu dem verhängnisvollen Attentat, das zum Krieg zwischen Österreich-Ungarn (K und K Doppelmonarchie) und zunächst nur Serbien führte. Das “Mördernest Belgrad” titelten die Zeitungen auch in Waldsee und zum Kriegsbeginn spielten Musikkapellen vor dem Rathaus. Währenddessen besuchte die Kaiserin das Krankenhaus in Waldsee, sowie das Schloss Waldsee.

Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 in Waldsee in Oberschwaben

Am 1. August tritt Deutschland unter dem Jubel der Menschen in den Krieg ein. Zwei Tage später erklärte man auch Frankreich den Krieg, woraufhin viele Länder – auch beispielsweise Japan – Deutschland den Krieg erklärte. Der 1. August war in Waldsee eine sonniger Tag, aber die ersten Auswirkungen des Krieges konnte man auch in Waldsee spüren.

So wurde der Privatverkehr mit Autos und Motorrädern verboten, man durfte keine Brieftauben mehr benutzen und keine Post ins verfeindete Ausland schicken. Die Leute sammelten sich in der Innenstadt und gingen oftmals nicht mehr zur Arbeit. Viele wollten sich einziehen lassen und der Arzt Dr. Rembold forderte noch mehr Leute dazu auf.

Die Bank verweigerte Auszahlungen über 100 Mark. In Waldsee begannen die Menschen ihr Hab und Gut zu veräußern. Die Zeitungen fordern dies nicht zu tun, gleichzeitig berichten sie über Unterstützungsgeld oder -Waren für die Hinterbliebenen eingezogener Soldaten. Aber die Lebensmittelpreise stiegen drastisch an. Man sollte zudem nicht bei Leuten kaufen, die unpatriotisch sind. Ein Gesetz stellte Höchstpreise für die Dinge des täglichen Bedarfs fest.

Die Gesellschaft stellte sich auf Krieg um: Es gab Unterhosen für die Soldaten und die Kirche rief zu Bittprozessionen auf. Die Sanitäter und die Landwirtschaft verlor Arbeitskräfte, dabei war gerade Erntezeit. Es gab Aufrufe für Spenden an das Rote Kreuz und man sollte die Bahngleise bewachen. Die Menschen sollten keinen Schnaps und Wein an die Front schicken, sondern Marmelade, Säfte und gezuckertes Obst. An der Front war dann vor allem das Klopapier knapp.

Die Zeitungen propagierten Siegesgewissheit und Russland sei kein ernstzunehmender Feind. England werde man das Fürchten lehren und gegen Frankreich habe man eine Riesenarmee. Diese Zuversicht war nicht überall in der Stadt anzutreffen. Aber die Zeitungen vermeldeten immerzu eine Juhu auf den Kaiser und die Truppen. Patriotismus über alles war das Motto. Auch die Jugend sollte sich trainieren, dieser Krieg sollte alle angehen. Gehortetes Gold sollte in Papierform umgewandelt werden und man sollte nur noch deutsche Erzeugnisse kaufen.

Der Krieg verändert das Leben | Knappheit an allem und überall

Währenddessen verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation und vor allem die Handwerker wurden nicht mehr so gut bezahlt. Und dann kamen die ersten Todeslisten und am Ende des August waren es bereits 25 eingelieferte Soldaten im Krankenhaus von Waldsee. Der Heldentod für das Vaterland war stets präsent, genau wie die vermeintlichen Greuel der Feinde. Ein und dasselbe – nicht jedoch für die Kriegspropaganda. Es wurden leichte Siege verkündet und bis Weihnachten sei man zu Hause. Doch an Weihnachten saß man im Schützengraben und es sollten weitere Weihnachten folgen.

Je länger der Krieg dauerte, desto mehr verschwand die Euphorie und nicht erst 1918 gab es Rationierung von Strom, Papier und Lebensmittel. Das interessanteste für die Leute war 1918 dann die Lebensmittelzuteilung. Ein Tischtuchverbot wurde erlassen und als Luxus dargestellt. Auch die Frage, wann eine Witwe wieder heiraten darf, war interessant. Die Antwort: zehneinhalb Monate nach dem Tod im Felde. Doch wann erfuhr man davon? Einige heirateten schon früher wieder.

Bier wurde beschlagnahmt, Tabak wurde rar und man mischte Buchenblätter unter. Der Schwarzmarkt blühte, aber nur für diejenigen, die das nötige Kleingeld hatten. Ab dem 1. April 2018 durfte man im Stadtsee auch wieder Fische fangen. Die Fleischzuteilung wurde ganz abgesetzt.

Am 11. November 1918 war der Krieg zu Ende und die Revolution startete ihren Siegeszug. Die Adeligen mussten abdanken, waren aber immernoch reicher als die “Normalsterblichen” und blieben es auch. Noch heute wohnen einige Adelige in ihren Schlössern und leben von dem Wald, den sie seit dem Mittelalter haben.

Insgesamt starben im ersten Weltkrieg fast 10 Millionen Menschen, 20 Millionen wurden verwundet und viele fielen dem Hunger in der Folge darauf zum Opfer. Und das für Patriotismus und schwachsinnige Vorstellungen der Überlegenheit.

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