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Barocke Kirche St. Martin in Langenargen

Ein besonderes Exemplar der oberschwäbischen Barockbaukunst liegt in Langenargen: St. Martin.

Eine wichtige Station auf der Oberschwäbischen Barockstraße ist die Kirche St. Martin in Langenargen. In Teilen rechnet man sie dem Rokoko zu.

St Martin Kirche Langenargen

St. Martin Kirche Langenargen

Geschichte der Kirche St. Martin in Lagenargen

Wann genau die erste Kirche in Langenargen erstellt wurde, ist unbekannt. Da die Kirche dem französischen Staatsheiligen Martin von Tour gewidmet ist, lässt dies aber auf eine ältere Kirchengemeinde schließen. Vermutlich wurde hier im Rahmen der fränkischen Inbesitznahme eine Kirche aufgebaut.

Langenargen gilt als eine der Urpfarreien in der Region. Die allerersten Kirchen waren aus Holz und ab dem 8. Jahrhundert begann man Kirchen aus Stein zu bauen. Die ursprüngliche Kirche stand dort, wo heute die St.-Anna-Kapelle steht – beim Friedhof.

Ihr Einflussgebiet reichte bis zur Schussen, nach Argenhardt bei Tettnang und bis nach Kressbronn. Es war die Zeit der Merowinger. Das war ein fränkischer Adel, der vom 5. bis ins 8. Jahrhundert die Könige stellte. Allerdings weiß man recht wenig über diesen Bau, außer dass sich dort auch der Friedhof befand. Das Patronat hatte bis 1267 der Adel von Nellenburg, der es an das Stift St. Johann übergab. Erst 1290 erhielten es die Grafen von Montfort.

An dieser Stelle der heutigen Kirche stand ursprünglich die St. Fridolinskapelle von 1479. Diese wurde unter der Regie des Grafen Anton III. von Montfort abgerissen und es entstand die St. Martinskirche. Der Grund für den Umzug war die Nähe zum Schloss Montfort in Langenargen.

Die teilweise Fertigstellung und Weihe fand 1722 statt und das Gotteshaus erstrahlte in barocker Pracht, die heute noch zu sehen ist. Im Jahr 1735 wurde der 55 Meter hohe Nordturm fertig. Damals wollte man eigentlich noch einen zweiten Turm errichten, doch soweit kam es aus finanziellen Gründen nicht mehr. 1728 wurde die Marienkapelle mit der Loge für die Grafen an der Südwand des Gebäudes gebaut. Das angeschlossene Seniorenheim war damals das Spital “Zum Heiligen Geist”.

Von der einstigen Kirche, die an einem anderen Ort stand, blieb übrigens nur der Chor übrig. Der Baumeister der Kirche St. Martin war Leonhard Gmeiner, aber nach wessen Plänen er baute, ist in Vergessenheit geraten. Möglicherweise war das Christian Thumb.

Über die Jahre gab es zig Renovierungen und Anpassungen: angefangen von 1748 bis 1986. Dazwischen wurde neun Mal Hand angelegt. 1891 wurden neue, bunte Fenster eingebaut. In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts modernisierte man die Portale und 1972 wurde das Hauptportal von Hilde Broer überarbeitet.

Rokoko-Kunst in der Kirche St. Martin in Langenargen

Das Innere der Kirche ist beachtlicher als das Äußere. Das zeigt schon ein Blick auf das Kreuzgratgewölbe an der Decke. Der Stuck von 1733 ist eine Pracht aus verschiedenen Formen und Farben, wobei auch die dem Rokoko ihren Namen gebende Rocaille verwendet wurde. Der Stuckateur war Franz Anton Maulpertsch. Rosagoldene Säulenköpfe runden das zarte Rosa der Decken ab.

Die Deckeneinbuchtungen zeigen verschiedene Bilder, was bei dem hellen Licht besonders gut zur Geltung kommt. Die Bilder zeigen einige Szenen aus der Bibel, wie den Aufstieg Marias in den Himmel, den Heiligen Michael, wie er den Teufel bezwingt, Jesus als Kind, die Evangelisten, den Missionar Chinas Francisco de Xavier und St. Florian von Lorch oder Alexius von Edesse.

Selbstverständlich darf der Heilige Martin nicht fehlen, der auch auf dem Hauptportal von 1972 bei seiner berühmtesten Tat zu sehen ist. Zudem ist selbstredend das Wappen der Grafen von Montfort abgebildet. Auch ist das Wappen der Familie Waldburg-Scheer zu sehen, da deren Antonia ebenfalls zum Bau der Kirche beigetragen hat. Das Portal zur Marienkapelle ziert ebenfalls das Wappen der Montfort bzw. der Linie Montfort-Thun. Gegenüber ist eine Burg zu sehen, was eine Anspielung auf den Namen Montfort und dessen Gründungslegende ist.

Von Franz Joseph Spiegler stammt das Schutzengelbild am rechten Pfeiler auf der Westseite und von Joseph Guldin sind die 14 Kreuzwegstationen. Aus dem Jahre 1770 stammt der barocke Geißelheiland, das Taufbecken mit der Jordangruppe aus dem Jahre 1722 und der hängende Jesus ist von 1735.

Nur wenige Kunstgegenstände sind noch aus der Zeit vor dem Barock. Dazu zählt die Madonna der Ulmer Schule von 1470 (Marienkapelle) und das Anna Selbdritt an der Westwand ist noch aus dem 17. Jahrhundert, so auch die von 1650 stammenden Figuren des Heiligen Rochus und Sebastian. Ebenfalls nicht barock sind die vier Heiligen an den Wänden der Kirche – sie sind neogotisch.

Altar, Kanzel und Marienkapelle in Langenargen

Die zarten Farben mit dem blauen Teint des Altars passen sehr gut in das Gesamtensemble. Der Hochaltar wurde im Übrigen von Johann Wilhelm Hegenauer gefertigt. Das Bild darin stammt von Franz Anton Bronnenmeyer und zeigt, wie Jesus vom Kreuz genommen wurde. Das Bild des Tabernakels besteht aus einem Kruzifix, einer Pelikangruppe und barocken Engeln.

Die barocken Seitenaltäre sind im selben Dekor wie der Hauptaltar, jedoch weisen sie unterschiedliche Details auf. So verfügt der rechte Seitenaltar beispielsweise über ein Bild des Heiligen Martin, was Andreas Brugger im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts geschaffen hat.

Der linke Seitenaltar unterscheidet sich in der Dekoration über und in dem Altarbild. Dieses ist von 1723 und zeigt die Kirche mit den geplanten zwei Türmen. Das Bild des Rosenkranzes, die Heilige Katharina, Maria und Dominik wurden von Johann Christoph Storer gemacht. Der Engel an den Seiten und weitere Kunstwerke sind von Johann Wilhlem Hegenauer. Auch die Prioratskirche von Friedrichshafen hat einige Kunstwerke gestellt.

Auf der Nordwand beim Altar sind Bilder von Franz Anton Bronnenmeyer zu sehen, sie zeigen den Heiligen Sebastian, der als Schutzpatron der Stadt gilt. Ihm übergestellt ist Johannes von Montfort und gegenüber ist die vom Volk verehrte, aber nur per Legende existierende Wilgefortis (Ontkommer) sowie das Martyrium des Heiligen Joahnnes Nepomuk abgebildet. Das sind damalige Legitimitätsansprüche.

Die Kanzel ist ebenfalls ein Augenmerk, denn sie besteht aus Holz, wirkt aber als bestünde sie aus Marmor. Darin wurde ein Relief geschnitzt, das den Täufer als Prediger zeigt. Des Weiteren findet man an der Kanzel ein Josephsbild von 1660. Auf der Kanzel spielt ein Engel die Posaune.

Auf der Seeseite befindet sich die Marienkapelle, welche eine spätgotische Madonna beherbergt. Diese Kapelle ist rechteckig angelegt und wird um eine runde Apsis erweitert. Dieser Bau ging auf Maria Anna Leopoldine von Thun zurück. In der Kapelle finden sich 15 Rosenkranzmedaillons, welche teilweise vom Barockkünstler Hans Zürn gefertigt wurden.

Über der Marienkapelle befindet sich übrigens die Bibliothek der Kirche.

Orgel und Glocken in der Kirche St. Martin in Langenargen

Die Orgel in der Kirche St. Martin wurde 1828 in Kisslegg gefertigt. Der Orgelbauer Franz Anton Kiene baute dafür die ursprüngliche Orgel um. Dann wurde das Musikinstrument von dem Orgelmacher Späth aus Ennetach erweitert. 1978 modernisierte man die Orgeln und hielt sich an das Konzept von 1828. Die Orgel steht auf einer Empore, welche durch zwei Pfeiler gestützt werden.

Die fünf Glocken von St. Martin befinden sich in drei verschiedenen Räumen. Eine ist den Evangelisten gewidmet und wurde im 14. Jahrhundert gebaut. Die Marienglocke ist von 1496 und stammt aus Biberach, die Montfortglocke von 1766 wurde 1953 renoviert und die andere Martinsglocke ist von 1958 – wie auch die Friedensglocke.

Adresse der Kirche St. Martin

Wer sich für eine Führung durch das barocke Gemäuer interessiert, wird donnerstags im Sommer bedacht. Im Anschluss gibt es ein Orgelkonzert.

  • Markplatz 26
  • 88085 Langenargen
  • Telefon: 07543 2463
  • GPS: 47.597789, 9.538026

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