Orgel von Weingarten und Gablers Pakt mit dem Teufel

Josef Gabler war ein begnadeter Orgelbauer, der auch die barocke Orgel in der Basilika Weingarten baute. Um dieses Werk ranken sich zwei Legenden: Gablers Pakt mit dem Teufel und der geheime Hebel im Orgelwerk.

Josef Gabler wurde 1700 in Ochsenhausen geboren, wo er seine Lehre begann und dann auf Wanderschaft ging. Gabler gehörte zu den herausragendsten Orgelbauern seiner Zeit – dem Barock. 1729 kehrte er zurück und lebte ab 1736/37 in Weingarten. In diesem Zeitraum schuf er die Orgel auf der Westempore der Basilika, die bis heute ein besonderes Einzelstück ist. Josef Gabler war einer der Ersten, der einen freistehenden Spieltisch realisierte, was anschließend Schule machte.

Gabler trifft Satan: Legende der Humana vox Pfeife
Gabler trifft Satan: Legende der Humana vox Pfeife 

Neben dem Weingartener Musikstück baute er die Orgel im Münster Zwiefalten, in der Kirche Maria Steinbach, der Martinskirche Memmingen und war bis zum Tod 1771 in Bregenz tätig. Sein Hauptwerk bleibt die Orgel in Weingarten, die bis heute kaum verändert erhalten blieb.

Zwei Legenden ranken sich um dieses musikalische Kunstwerk und seinen Erbauer. Wobei die zweite Sage eher überspitzt als erfunden ist.

Legende: Gablers satanische Orgel (modernisiert)

Josef Gabler war bekannt dafür, dass er dem Orgelton einen besonderen Klang verleihen konnte. Wegen seines Talents wurde er vom Abt des Klosters Weingarten berufen, eine neue Orgel zu bauen.

Eine Orgelpfeifen simulieren eine menschliche Stimme. Sie nennt man „Vox humana“. Gabler nahm sich vor, etwas nie Dagewesenes zu schaffen: Ein Register, das die menschliche Stimme vollendet nachahmt und alle Orgeln in den Schatten stellt.

Gabler war sicher, es musste ein bestimmter Werkstoff sein, der den Klang einer menschlichen Stimme perfekt imitieren kann, sodass ein guter Spieler der Orgel einen menschlichen Gesang entlocken könnte. Erst versuchte er einige Holzarten, dann vermengte er unterschiedliche Metalle – doch blieb der erwünschte Klang aus.

Er war so fokussiert auf seine Arbeit, dass er um sich herum alles vergaß. Doch die Zeit verrann und der Abt wurde allmählich lästig mit den Fragen nach der Vox humana. So kam es, dass Gabler schlecht schlief. Irgendwo zwischen Schlaf und Wachzustand säuselte ihm eine Stimme zu: „Ich gebe dir deine Vox humana im Gegenzug für Deine Seele! Stimme dem Pakt zu und komme um Mitternacht zum Laurastein!“ Mit einem Schlag war der Orgelbauer hellwach und ihm war klar, wer ihm das Angebot gemacht hatte.

Den ganzen Tag über dachte er darüber nach. War es nur ein Traum? War es echt? Der Wind nahm zu an diesem Abend und Gabler beschloss, sich zum Laurastein im Lauratal zu begeben. Der Orgelmeister folgte dem Fluss Scherzach durch den Wald bis zum Stein.

Als es zwölf Uhr schlug, erhob sich ein großgewachsener Jägersmann in grünem Gewand, Jägershut und einer feuerroten Feder darin vor ihm aus der Erde. Gabler schrieb mit Blut und Feder seinen Namen in das Buch der Verdammten, um seine Seele gegen die Vox humana einzutauschen.

Lächelnd übergab der Teufel dem Orgelbauer ein Metall von seltsamem Schimmer, woraus Gabler gleich am nächsten Tag eine Pfeife fertigte. Und tatsächlich klang sie wie die Stimme eines talentierten Mönchs. Es war vollbracht. Der Klang sollte die Mönche in ihrem Streben nach Gottgefälligkeit befeuern.

Als der Organist dann das Register zog, ertönte kein frommer Ton, sondern der Gesang von Weltlichkeit und Genuss. Die Mönche, von der Melodie verzaubert, tanzten und gaben sich dieser Weltlichkeit hin.

Der Abt tobte und stoppte die Musik. Er erkannte des Teufels Werk und klagte den Orgelbauer an, mit dem Teufel verbündet zu sein. Das bedeutete den Feuertod für den Baumeister. Und Gabler gestand, er wollte sogar die Orgel ausbauen und ersetzen. Der Abt urteilte, dass die Pfeife mit ihm verbrannt werden solle. Gabler nahm die Strafe an, als die Orgel wie von Engelszungen von selbst ertönte. Fromme Kirchenlieder füllten das Gotteshaus – ein Zeichen des Herrn, so deutete es der Abt und begnadigte den frommen Orgelbauer.

Funfact: Die Vox humana gibt es tatsächlich in vielen Orgeln, jedoch braucht man viel Fantasie, um darin eine Imitation der menschlichen Stimme zu hören. Die Menschen damals, noch nicht so akustisch verwöhnt wie wir, konnten die Kunst des Orgelbaus eher schätzen. Die Töne bestimmen sich durch die Öffnung der Pfeife, weniger durch das Material. Hier hat Gabler einen eigenen Stil verwirklicht, der zu zurückhaltenden und weniger prätentiösen Tönen führt. Damals wurde ihm deshalb auch Unfähigkeit unterstellt. Außerdem zogen sich die Arbeiten wegen eines Brands und der klammen Klosterkasse hin. Die Legende wurde in Weingarten in den 1930er Jahren zwei Mal als Theaterstück aufgeführt.

Gablers Geheimhebel im Orgelwerk | Keine Legende?

In der Zeit der Prachtbauten des Barocks brauchte die Kirche viel Geld zur Verwirklichung. Schließlich war das die offensichtlichste Abgrenzung zum Protestantismus. Die Pracht für Auge und Ohr sollte die Menschen in die katholische Kirche bringen.

Gabler wusste um die Geldsorgen und machte sich seinerseits Sorgen um seine Bezahlung. Schließlich verbrachte er mehr als eine Dekade an dem Bau der Orgel. Bei der Eröffnung wurde ihm gedankt, aber wenn es um die Zahlung ging, waren die Mönche still. 1000 Gulden betrug die Rechnung des Meisters und das war auch nicht gerade viel.

Zu guter Letzt wollte er noch einmal nach dem Rechten sehen und ging zur Orgel. Aber er hatte einen Plan, nämlich einen Sperrhebel umzulegen. Sollte das Kloster nicht bezahlen, wäre die Windzufuhr zur Orgel abgebrochen, sodass kein ordentlicher Ton herauskäme. So geschah es dann auch auf großer Bühne. Kläglich klang die große Orgel von Weingarten. Der Abt bestellte Gabler ein, der versprach, die Orgel zu reparieren, sobald man ihm das Geld gebracht habe. Noch in der Minute wie er das Geld erhielt, ertönte die Orgel in ihrem himmlischen Ton.

Erst Jahre später brauchte ein Pater drei volle Tage, um den wiederaufgetretenen Fehler zu eliminieren. Es war ein geheimer Hebel, der die Luftzufuhr zur Orgel versperrte. Der Abt ließ nun Gablers geheimen Hebel ausbauen.

Funfact: Diese Legende ist nicht so weit von der Wahrheit entfernt. Tatsächlich bekam Gabler 10.000 Gulden sowie Unterkunft und Verpflegung für die 13 Jahre des Baus (1737–1750). 1912 fand Orgelbauer Weigle tatsächlich einen versteckten Hebel zur Winddrosselung und baute ihn aus – als augenzwinkernde Hommage setzte die Firma Kuhn bei der Restaurierung Anfang der 1980er-Jahre an geheimer Stelle wieder ein solches Ventil ein.

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