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Legende vom teuflischen Fasnetssonntag in Ravensburg

Eine Legende erzählt von der blutigen Anwesenheit des Teufels zur Fasnetszeit in Ravensburg.

Die Fasnet ist jedes Jahr eine Zeit des ausschweifenden Feierns. So hat sich auch der Teufel unter das feiernde Volk gemischt.

Gespinstmarkt Ravensburg

Gespinstmarkt Ravensburg

Wir schreiben das Jahr Anno Domini 1578. Es ist der Fasnetssonntag in Ravensburg und doch war es wenig christlich, sich dem Feiern hinzugeben. Damals machte der sogenannte Mummenschanz von sich reden, wo man maskiert das Glücksspiel zelebrierte. Die Menschen der Stadt Ravensburg, so erzählt es diese Legende, frönten diese Zeit lieber in den heimischen und den Wirtsstuben. Es wurde viel Bier und Wein gereicht, und auch Schnäpse machten die Runde.

Eine Gruppe von acht Ravensburgern machte sich an jenem Fasnetssonntag auf, am Gespinstmarkt eine Wirtsstube aufzusuchen. Die Väter zogen mit ihren Söhnen aus, das Fest vor der Fastenzeit zu feiern. Ihre Einkehr wurde vom Glockenläuten begleitet, was sie von ihrer Tat hätte abhalten müssen. Denn alle guten Christen verbrachten den Sonntagmorgen in der Heiligen Messe.

Auch der Wirt machte sich gerade bereit, den Laden zu schließen, um die Kirche Ravensburgs aufzusuchen. Die acht Männer ignorierten dies und setzten sich mit prachtvoller Laune ans Fenster. Sie riefen dem Wirt zu, sie mögen bedient werden. “Wir haben einen rechtschaffenen Narrendurst!”, rief der Älteste der Mannschaft.

Doch der Wirt widersprach: “Verzeiht meine Herren, doch der Ausschank ist während der Messe untersagt.”. Doch anstatt Verständnis zeigten die Männer sich unbeeindruckt und bestanden auf dem Narrenrecht und wollten daher mit Alkoholika versorgt werden. “Esto mihi!”, entgegnete der Wirt, was den Sonntag vor Ostern meint und er damit die Ansprüche der Kirche unterstrich.

Der Wirt griff zu seinem Hut, um sich auf den Weg zur Kirche zu machen. Doch die Saufbande schrie: “Halt! Hiergeblieben! Am Fasnetsonntag bestimmen wir, was zu geschehen hat. Esto mihi gilt für die Predigt, hier und heute gilt das Narrenrecht und das bedeutet Saufen!”.

Während der Wirt sein Vorgehen bedachte, fügte der Älteste der Runde hinzu: “Über das Jahr lassen wir uns den Spaß verbieten, aber zur Fasnetszeit ist das anders! Also her mit der ersten Runde Schnaps und den Spielkarten, verdammt noch mal!”. Zu seiner Runde sprach er: “Der Verlierer zahlt die Zeche!” und beruhigte den Wirt mit den Worten: “Keine Sorge, Ihr bekommt Euer Geld!”.

Doch der Wirt schien davon unbeeindruckt und lehnte sich das Schauspiel betrachtend auf den Tresen. Als die Gruppe erneut nach Schnaps und Karten verlangte, sagte der Wirt: “Ich bin der Narr, wenn ich das Verbot der Stadt verachte! Der Zapfhahn bleibt verschlossen, also kommt morgen wieder.”

Er verließ die protestierenden Gäste durch die Küchentür, wo er seiner Frau einschärfte, die Gruppe nicht zu bedienen. “Sollen sie sitzen bleiben, aber es gibt nichts!”. Das Gejammere der Trinklustigen ignorierend begab sich der Wirt zur Kirche. Seine Gäste schrien aber immer lauter: Unverschämtheit! Frechheit! Der Teufel soll den Wirt holen!

Also drangen sie in die Küche vor, um wenigsten Würfel oder Spielkarten zu ergattern und sich die Langeweile zu vertreiben. Doch auch den Ausschank von Branntwein lehnte die Wirtsfrau ab. Dann setzten sich alle wieder in der Wirtsstube und wurden ruhiger. Einer der Söhne der Gruppe überlegte offen, stattdessen tatsächlich auch in die Kirche zu gehen. Doch der Trotz überstimmte die Idee. Der Ideengeber setzte sich zwischen Ofen und Wand, um sich aufzuwärmen. Er beobachtete das närrische Treiben seiner Kumpanen, die mit Aufruhr und Wut auf die Situation reagierten.

Derweil kam unbemerkt ein weiterer Gast in die Stube. Er grüßte die Gruppe, doch versagte die Gruppe ihm die Aufmerksamkeit. Er trug eine Feder am Hut, einen langen weißen Mantel und sein Zobelpelz lag deutlich über der Preisklasse der einfachen Männer, die am Fasnetssonntag feiern wollten.

Erst als sich der fremde, gut gekleidete Mann in die Runde setzte, wurde er bemerkt. “Warum schaut ihr so trübsinnig meine Herren? Es ist doch die fröhliche Zeit der Narrenfreiheit”, fragte und sagte er. Damit traf er den wunden Punkt der Clique und sie beklagten sich über den Wirt und seine Frau.

Der Fremde lehnte sich vergnügt über die Beschimpfung zurück und versprach: “Ich werde Euch Euer Recht zuteil werden lassen. Holt Gläser, es werde Schnaps geben!” Die Männer suchten enthusiastisch nach Gläsern, als der Fremde hinzufügte: “Nur müsst ihr mir helfen, die Zeche zu begleichen”, was die Männer zusicherten.

Sie legten zum Beleg ihre Brieftaschen auf den Tisch und lachten über den Scherz eines Saufkumpanen, der meinte: “Wenn das nicht reicht, bezahlen wir mit Kopf und Kragen.”. Nur dem einen, der hinter dem Ofen saß, war nicht zu lachen zumute. Er erblickte unter dem langen Mantel einen Pferdefuß. Er wusste sofort, dass sie es hier mit dem Teufel höchstpersönlich zu tun hatten, doch er drang nicht zu seinen Freunden durch.

Der Teufel beschrieb einen großen Kreis über den Tisch und mit einem Mal waren alle Gläser gefüllt. “Prost!”, rief der unerkannte Teufel aus, was das Startkommando für ein berauschendes Gelage war. “Der Teufel!”, rief der Außenseiter vom Ofenplatz her und seine Clique entgegnete ihnen: “Ja, der Teufel soll den Wirt holen!”.

Schon nach der dritten Runde wurde den Männern der Kopf schwer und der Teufel sprang auf. Die Männer dachten, es läge am Alkohol, dass er einen guten Meter größer war als zuvor. Doch das war ein Irrtum. Der Teufel bot der Zecherei Einhalt: “Genug gesoffen, jetzt geht es ans Zahlen.”. Mit einer Wischgestik räumte er Gläser und Geldbörsen vom Tisch. Die verwunderten Männer starrten ihn an. Der Teufel erklärte: “Bezahlt wird mit Blut!”

Mit einem Schlag war die feiernde Gesellschaft wieder nüchtern geworden, denn sie erkannten, dass der Leibhaftige vor Ihnen stand. Sie boten Geld, Tiere und Häuser als Entschädigung an, doch der Teufel blieb bei seiner schrecklichen Forderung. “Tja, ich würde ja tauschen. Liebend gerne würde ich dem Gottesdienst beiwohnen, doch bin verdammt. Und nun, meine lieben Getreuen, seid ihr das auch!”.

Vom Lachen des Teufels erschaudert, blieben die Männer starr vor dem leeren Tisch sitzen. Der Teufel riss einen nach dem anderen in die Höhe und schleuderte sie kraftvoll auf den Boden, sodass man die Knochen bersten hörte. Das Blut ihrer Leiber versammelte sich in den Kuhlen des Holzbodens und die Schläge waren lauter als die Kirchenglocken.

Die Messe war inzwischen beendet worden und die Menschen versammelten sich vor der Kneipe, den unheiligen Geräuschen lauschend. Plötzlich rannte die Wirtsfrau aus dem Haus und erzählte von dem Vorfall, den keiner glauben mochte. Doch dann kam der eine heraus, der sich hinter dem Ofen versteckt und Augenzeuge war.

Die Haare des jungen Mannes waren schneeweiß und seine riesigen Augen bezeugten das Schreckliche. Doch als die versammelten Ravensburger vorsichtig in die Wirtsstube traten, war weder die Gruppe noch das Blut auf dem Boden zu sehen. Außer einem komischen Geruch erschien die Wirtsstube völlig gewöhnlich.

Die Geschichte machte schnell die Runde und wurde in Straßburg als Flugblatt abgedruckt. So überdauerte die Geschichte bis zum heutigen Tag.

Hintergrund: Der evangelische Glaube verbot das Fasnetstreiben eigentlich und Ravensburg war als freie Reichsstadt diesem Glauben zugetan. In diesem Sinne versteht man die Botschaft der Legende, die ich mit modernen Worten erzählt habe.

 

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