Erste Burg Waldsees – Burghalde der evanglischen Kirche

Dort wo heute die evangelische Kirche und der evangelische Kindergarten liegen, war einst die erste Burg der hier siedelten Menschen.

Auf der Anhöhe über dem Stadtsee von Bad Waldsee, wo nun die evangelische Kirche steht, dürften schon einige Burgen gestanden haben. Vermutlich schon in der Antike. Die Gründungssage der Stadt Bad Waldsee, wonach Kaiserin Helena im Jahr 330 dem Emerius den Auftrag für den Bau einer Burg gegeben habe, ist falsch – abgeschaut von der Gründungssage von Heiligenberg.

Evangelische Kirche Bad Waldsee
Evangelische Kirche Bad Waldsee

Keltische Fliehburg in Bad Waldsee?

Wie der Name der Stadt Waldsee herleitet, lebten hier Kelten. Vermutlich lag das Siedlungsgebiet zwischen den beiden Seen, abgegrenzt von den beiden Bächen, von denen heute einer überdolt ist. Zur Verteidigung, so war es bei den Kelten in der Region üblich, begab man sich in eine Fliehburg. Eine solche Verteidigungsanlage war in der Regel aus Holz und hatte vorgelagerte Gräben.

In der Höhenburg lagerten Vorräte und die Anlage war gut zu verteidigen. Sodass die Angreifer nur Sachschäden im Dorf verursachen konnten. Die Anlage wurde nicht nur von der Kirche überbaut, schon im Mittelalter stand hier eine Burg.

Mittelalterliche Burg Waldsee

Die Herren von Waldsee, die Wallseer, herrschten in der Stadt nicht von Anfang von dem Gelände aus, wo heute das Schloss steht. Die erste Burg der Stadt stand an der Stelle, wo heute die evangelische Kirche steht. Die Adeligen von Wallsee übersiedelten im 14. Jahrhundert nach Österreich und verkauften die Güter im oberschwäbischen Waldsee. In Österreich gibt es daher auch eine Burg Waldsee. Doch was geschah mit der Burg Waldsee auf der Burghalde? Dazu später mehr. Waldsee gelangte jedenfalls in die Hände der Waldburger.

Die Burg entstand unter den Herren von Waldsee, welche darin lebten. Sie war eine von verschiedenen Burgen, die die Herren von Waldsee unter sich hatten – so auch die Burg Neuwaldsee. Bei der Burg auf der Burghalde handelte es sich vermutlich um eine Turmburg, wenn auch etwas größer als jene in Neuwaldsee. Sie war vermutlich 10 Meter auf 10 Meter in der Fläche und entstand im 13. Jahrhundert.

Noch im 19. Jahrhundert sollen Reste dieser Anlage erkennbar gewesen sein. Mit dem Bau des Kindergartens auf dem Berg sind archäologische Funde vernichtet worden.

Colloredo-Waldsee

Aufgrund der Ähnlichkeit der Wappen des Hauses Waldsee und des Hauses Colloredo, gingen diese von einer Verwandtschaft mit den Herren von Waldsee aus. Das Adelsgeschlecht derer von Colloredo kam aus dem böhmisch-österreichischen Adel und entstand im 13. Jahrhundert.

Der Legende nach stammten die Waldseer von den Saliern ab – dem deutschen Adelsgeschlecht im Mittelalter schlechthin – und waren im Gefolge des Kaisers anlässlich dessen Krönung 1026. In den Kriegswirren sollen ihnen Lehen zugestanden worden seien. 1302 erbaute man die Burg Colloredo di Monte Albano bei Udine. Die Freiherrenbestätigung bekam der Adel – samt dem Wappen der Herren von Waldsee – 1591. Das lässt vermuten, dass die Geschichte vermutlich erfunden war. Denn im Mittelalter galt, je älter der Adel, desto höher das Prestige. 1624 ernannte sich der Adel sogar zum Reichsgrafen von Waldsee und 1664 wurden sie zu den Fürsten von Colloredo-Waldsee.

In den Chroniken kann man von einer Burg Waldsee bis 1386 lesen. Danach wird der Zusatz beim Ried verwendet und meint das Gelände, wo heute das Schloss steht. Die Burg ging danach an einen Burkhard von Ellerbach, der ein Vasall des Königs Albrechts I war. Er bekam es als Pfand. Vermutlich geschah dies bereits 1343. Dieser von Ellerbach war Bischof von Augsburg und stammte aus dem Geschlecht der Erbacher bei Ulm. Wie die Waldseer war er auch ein Gefolgsmann der Habsburger. Zu dieser Zeit gab es einen Machtkampf der Stände. Die Kaufleute hatten mehr Rechte, denn sie hatten Geld. Nicht wenige Adelige schuldeten diesen Kaufleuten Geld. Doch die Handwerker wurden quasi entmachtet und das sorgte für Unruhe unter diesen.

Burkhard von Ellerbach griff bei Aufständen hart durch und er ließ auch Männer hinrichten, die mit der Reformation liebäugelten. Diese nahm zu dieser Zeit erste Züge annahm – lange vor Luther. Burkhard von Ellerbach ließ seinerzeit auch aufständische Ravensburger in der Burg in Waldsee einsperren. Der Grund dafür ist unbekannt. Doch die Ravensburger ließen sich das nicht bieten und zogen vor die Burg in Waldsee. Vermutlich weigerte er sich, die Gefangenen frei zu lassen, mit dem Ergebnis, dass die wütenden Ravensburger die Burg schliffen, also zerstörten. So endete die Burg im Jahr 1343.

Rudolf von Colloredo-Waldsee kam übrigens 1822 nach Waldsee, um sich Erde “seiner Heimat” zu holen.

Evangelische Kirche Waldsee

Nur noch der Name Burghalde weist auf die geschichtliche Bedeutung des Ortes hin. Heute findet sich an der Stelle die evangelische Kirche der Stadt. Die Waldburger warfen nicht nur den Bauernaufstand blutig nieder, sondern auch die Versuche der Reformation. Daher gab es lange Zeit, bis ins 19. Jahrhundert keine evangelische Kirche in Bad Waldsee.

Diese Kirche wurde im Stil der damaligen Zeit erbaut: neogotisch. Das Baujahr der Kirche war 1891. Sie verfügt über bunte Spitzfenster und einen eher modernen Innenraum.

Adresse der Evangelischen Kirche Bad Waldsee

Hier befindet sich auch die 10. Station der Oberschwäbischen Keltenstraße.

  • Burghaldenweg 6
  • 88339 Bad Waldsee
  • GPS: 47.923328, 9.751376

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