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Dreißigjähriger Krieg II | Soldaten bringen die Pest nach Oberschwaben

Der Dreißigjährige Krieg tobte besonders heftig in Süddeutschland. Die Geschichte des Krieges und die Ereignisse in Oberschwaben in fünf Teilen. Teil 2: Soldaten bringen die Pest nach Oberschwaben.

Der Kaiser, Ferdinand II von Habsburg, wollte das Land wieder katholisch machen und seine Macht sichern. Dafür marschierte er zunächst in Prag ein. Die Machtverhältnisse und der Ausbruch des Krieges sind in Teil 1 dargestellt. Lange Zeit ließ sich der Krieg in Oberschwaben nicht blicken, aber die Soldaten. Schlimmer noch – die Pest zog über das Land.

Leprosenhaus Bad Wurzach

Leprosenhaus Bad Wurzach

Ausbruch Bad Waldsee / Oberschwaben

Opponenten im Dreißigjaehrigen Krieg

Opponenten im Dreißigjährigen Krieg

Die ersten Auswirkungen kamen in Waldsee erst 1619 an. Dabei handelte es sich um den Befehl, keine evangelischen Rechtsanwälte zuzulassen. Das galt nicht nur für Waldsee. Ab 1621 durfte nicht mehr für Luther oder seine Ansichten geworben werden. Schon ein Jahr zuvor ritten 1.400 Soldaten des katholischen Kaisers durch dies Stadt auf dem Weg nach Günzburg. Das mag das erste sichtbare Zeichen des Krieges gewesen sein, doch waren die Schlachtfelder noch weit weg. Erste Marodeure, also Söldner, die auf eigene Kasse plündern, zeigen sich 1624. Deren Herrscher, die Herren von Mannsfeld, wechselte in dem Jahr auf die katholische Seite.

Ein Jahr später, im April 1625, wurden in Waldsee Soldaten einquartiert. Oberst von Pappenheim erholte sich auf dem Rückweg von Italien mit seinen kaiserlichen (katholischen) Truppen. Der Stadtrat bekam dafür 200 Gulden. Aber die Stadt wurde verbarrikadiert und den Läden war es verboten zu öffnen. Das galt nicht für die Wirtschaften, welche sich später beim Stadtrat mit einer Rechnung für den vielen Wein einfanden und Wiedergutmachung forderten.

Im August des Jahres 1625 wurden abermals Soldaten in Form von Infanterie und Reitern in Waldsee, insgesamt 5.000 Männer, unter der Leitung von Oberst Graf Wolf von Mansfeld stationiert, welcher auf dem Weg nach Bregenz war.

Solche Einquartierungen waren in der Bevölkerung nicht beliebt. Es war unangenehm, die Männer waren natürlich hinter den Töchtern her und die Soldaten trugen Krankheiten ein.

Pest als Vorbote des Schreckens in Waldsee / Oberschwaben

Die Pest wütete im 14. Jahrhundert in der Gegend und anschließend vor allem in Norddeutschland, Skandinavien und England. Im Jahr 1625 war die bakterielle Infektion, übertragen durch einen Parasiten der Ratte, auch wieder in Deutschland in großem Maß angekommen. Neben der Pest brachen weitere Krankheiten aus. Im Jahr 1627 erreichten die Krankheiten Oberschwaben und den Anfang machte Typhus. Dann kamen andere Erreger und nicht zuletzt die Pest ins Ländle. Die Erinnerungen an die Pest von 1349 waren noch allzu präsent. Biberach und die Umgebung von Waldsee waren 1627 bereits erfasst worden. Zudem gab es in Wolpertswende zu dem Zeitpunkt eine schwere Missernte.

Man stellte Wächter an den Stadttoren von Waldsee auf, die die Erkrankten nicht hereinlassen durften. Doch die Pest schaffte es dann doch. Die in Waldsee Verstorbenen wurden von Leuten auf dem Friedhof beigesetzt, die man eigens dafür anstellte. Die Orte Reute, Kümmerazhofen, Haslanden und Osterhofen standen Ende Juli 1628 unter Quarantäne. Kurz darauf gab es die ersten Todesfälle in Waldsee. Dazu zählten die eigens bestellten Totengräber, die auch unter Quarantäne gestellt wurden. Ab September 1628 wurde Waldsee für Fremde gesperrt, wenn sie aus Gebieten mit Infektionen kamen. Der Gottesdienst für die Leute aus der Umgebung fand in der Frauenbergkapelle statt.

Bald schon griff die Krankheit um sich. Die Häuser, so eine Beschwerde des Pfarrers für die letzte Ölung, seien unaufgeräumt und wie sich herausstellte, hatte sich der Pfarrer ebenfalls angesteckt. Im November fiel die Ratssitzung aus, ein Symbol, dass das öffentliche Leben erlahmte. Überall in Oberschwaben kam das öffentliche Leben zum Erliegen. Das bedeutete keine Schule, keine Gerichtsverfahren und auch keine Ratssitzungen für Monate. In Waldsee gab es 1629 keine Ratswahlen.

Man wusste nicht, wie sich die Krankheiten verbreiteten. Die Seuchen übertrugen sich durch die Ratten, aber auch durch verseuchte Nahrung und durch das Wasser. Es gab zwar Quarantäne, aber keine Therapie. Man glaubte, es habe mit schlechter Luft zu tun, und versuchte diese mit Feuer zu reinigen. Die Pestärzte trugen Masken mit langen Nasen. Darin waren Essigtücher, die die Luft reinigen sollten.

Doch das brachte nichts, so blieb nur noch, dass man die Leute zum Sterben hinlegte, zuweilen außerhalb der Stadt, aber auch in der Stadt. In Waldsee war das sogenannte Leprosenhaus, wo man die Sterbenden hinbrachte, ungefähr dort, wo heute das Ballenmoos ist. In Ravensburg lagen die Todgeweihten herum und schrien um Hilfe – aber es kam keine. Niemand wollte sich anstecken und so legte man sie zum Sterben ab. Andererseits pflegten die Familien die Angehörigen und steckten sich damit selbst an. Viele Kinder waren verwaist und erhielten eine geringe Spende vom Spital.

Karte Ravensburg 1625

Karte von Ravensburg 1625

Ein harter Winter war der Grund für die Reduzierung der Krankenfälle. So ließ die Krankheit beispielsweise in Waldsee 1629 nach und man bedankte sich mit dem Aufstellen eines großen Kruzifixes. Eigentlich wollte man eine Kreuzigungsgruppe an der Frauenbergstraße errichten, aber dies wurde nicht genehmigt. Die vorerst letzten Pestfälle gab es 1630 in Heurenbach und Steinach. Aber die Ernte in diesem Jahr war sehr gut.

Im Jahr 1635 kam die Pest wieder nach Waldsee. Die Soldaten hatten die Krankheit mitgebracht. Nicht anders erging es den beiden Reichsstädten Biberach und Ravensburg. Dort fand der Höhepunkt der Pestepidemie im Jahr 1635 statt. Zu dem Zeitpunkt gab es bis zu 50 Tote am Tag. Ravensburg hatte damals 4.000 Einwohner, am Ende des Jahres 1636 waren es noch 2.000. Im Jahr 1632 starben in Biberach 30 bis 40 Leute am Tag. Nach dem Höhepunkt ließ die Pest nach. Doch dann kamen die Schweden.

Die Toten wurden nicht einzeln beerdigt, sondern ob der Menge in ein Massengrab gelegt. Man schüttete Kalk darüber und die Grube wurde wieder gefüllt. Durch die Pest starben mehr Leute in Oberschwaben als durch Kampfhandlungen im Krieg.

Der Krieg ernährt den Krieg | Geld für den Krieg

Für diesen Krieg wurden mehr Soldaten gebraucht und eingezogen als jemals davor. Allerdings waren es keine Soldaten, die für ihre Heimat oder ihr Land kämpften. Es waren Söldner, die für denjenigen kämpften, der sie angeheuert hatte. Dabei war die Religion völlig egal. Die Menschen in Deutschland gingen schnell aus, also holte man sich neue Kämpfer aus dem Ausland. Die Armeen der damaligen Zeit bestanden aus Artillerie, Kavallerie und Infanterie. Zur Infanterie gehörten die meisten Söldner, die meist als Landsknechte angeworben wurden. Die Kavallerie wurde eher von gehobenen Ständen gestellt. Die Reiter waren bei Einquartierungen besonders unbeliebt, denn die Pferde brauchten auch noch Futter.

Stall des 17 Jahrhunderts im Bauernmuseum Kuernbach

Stall des 17. Jahrhunderts im Bauernmuseum Kürnbach

In Waldsee mussten die Männer mindestens an sechs Sonntagen im Jahr zu Schießübungen. Wie Waldsee auch, stellten die Regionen die ersten Soldaten. Aber vor allem brauchte der Krieg Geld und das bekam man durch Tributleistungen und Steuern. Das betraf vor allem die Ländereien, in denen der Krieg wütete.

Der Ausspruch “Der Krieg ernährt den Krieg” ist von Friedrich Schiller und bezieht sich auf Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein. Der Kriegsgewinnler, der in der jüngeren Forschung positiver dargestellt wird, war vor allem am Profit interessiert. Daher stellt sich die Frage, ob er später die Friedensverhandlungen wollte, weil er sich nach Frieden sehnte oder weil er seine Ressourcen schonen wollte (siehe Kapitel Schweden in Süddeutschland ab 1632).

Denn der Krieg wurde nicht direkt von der Armee des Herrschers geführt. Solche Armeen, wie wir sie heute kennen, gab es in diesen Tagen nicht. Der Kaiser gab den Krieg quasi in Auftrag und beauftrage dafür sogenannte Obristen. Diese warben Söldner an und führten den Krieg auf eigene Rechnung. Der Krieg war also ein Geschäftsmodell. Die Gesamtrechnung bekam dann der jeweilige Herrscher – also der Kaiser oder der jeweilige König. Söldner gab es zunächst viele, denn die meisten Menschen waren Bauern. In diesem Stand erhielt der Erstgeborene den Hof und die anderen Kinder mussten sich nach einer Arbeit umschauen. Da war der Schritt zum Kriegsdienst nicht weit. Die Anwerbungen für den Kriegsdienst erfolgten auf den Märkten in den Städten, welche meist samstags stattfanden. In Ravensburg war der Stand der Werber vor dem Lederhaus.

Schon kurz nach Ausbruch des Krieges kam sogenanntes “Böses Geld” in Umlauf. Damit meinte man Münzen, die mit nicht so wertvollen Metallen vermischt wurden und damit an Wert verloren. Das “Gute Geld” war den Söldnern vorbehalten. Derart stiegen die Lebensmittelpreise immer mehr an. Zeitgleich gab es im Laufe des Krieges immer weniger Geld. Die Inflation stieg an und machte der armen Bevölkerung stark zu schaffen.

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