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Die Welfen-Sage

Es gibt zwei Versionen der Sage, wie die edelfreien Welfen zu ihrem Namen kamen.

Die Welfen waren ein hohes Adelsgeschlecht, das man bis ins achte Jahrhundert zurückverfolgen kann. Ihren Ursprung haben sie im frühmittelalterlichen Franken. Sie waren Verwandte der Karolinger und damit auch von Karl dem Großen (742 bis 814). Aufgrund dieser Nähe erhielten sie eine Grafschaft in Oberschwaben.

Basilika Weingarten

Dies war die Grafschaft Schussengau (Schussental) mit dem zentralen Ort Altdorf, der heute Weingarten heißt. Der ehemalige Name lebt noch im Altdorfer Wald weiter. Dort hatten die Welfen auf dem Martinsberg, wo heute die Basilika steht, ihre Stammburg und zogen im elften Jahrhundert nach Ravensburg auf die heutige Veitsburg.

Die Legende der Namensgebung der Welfen | Die Welfensage

Zu der Zeit, als Karl der Große das riesige Frankenreich beherrschte, zu dem damals auch Oberschwaben gehörte, regierte der Edelfreie Isenbard von Altdorf über das Schussengau. Er war ein strenger, aber gerechter Herrscher, der seinen Sitz auf dem Martinsberg hatte. Seine Frau Irmentrud war die Schwägerin des Frankenkönigs Karls des Großen.

Eines Tages begegnete Irmentrud einer Bettlerin mit ihren Kindern. Sie bat sie um ein wenig Essen, da sie hungerte. Die reiche Frau des Herrschers, Irmentrud, fuhr sie polemisch an: “Wenn Du keine Kinder ernähren kannst, hättest Du Dir keine machen lassen sollen! Sorg’ selbst für deine Nachkommen!”. Die arme Frau bat inständig um Nahrung, doch Irmentrud blieb hart.

Da berührte die Bettlerin Irmentrud und sprach: “Ihr sollt zwölf Kinder auf einmal bekommen, so sei der Fluch!” Irmentrud war unbeeindruckt und die Zeit verstrich. Die Herrscherin wurde schwanger und tatsächlich, sie bekam zwölf Kinder – allesamt Jungen. Der Fluch der Bettlerin erfüllt sich.

Zur Zeit, in der Irmentrud die Kinder gebar, war der Graf auf der Jagd im Altdorfer Wald. Sie hatte ihrem Gatten nichts von der Verwünschung erzählt und gebar die Kinder in dessen Abwesenheit. Die Gunst der Stunde nutzend, verlangte sie von ihrer Magd, sie möge die Kinder in der Scherzach ertränken. Nur ein Kind wolle sie behalten und als Erben einsetzen.

Scherzach

Scherzach

Die Magd ging in den Wald an den Fluss Scherzach. Da sah sie einen Reiter auf sich zukommen und versteckte sich. Doch der Reiter sah sie und bat sie herauszukommen. Es war der Graf Isenbard selbst. Er fragte nach dem Inhalt des Korbs, den die Magd in der Hand hielt. Aus Verlegenheit antwortete sie es seien Welfen (Welpen) und sie solle sie auf Geheiß von Irmentrud im Fluss ertränken.

Graf Isenbard verlangte von ihr, den Korb zu öffnen. Sie kam dem nach und erklärte dem Grafen die Wahrheit. Sie bettelte um ihr Leben und der Graf kam ihrem Wunsch nach. Sie solle die Kinder zur Grieslemühle bringen, die guten Müllersleute sollen die Kinder aufziehen. Der Gräfin gegenüber solle sie sagen, sie hätte den Auftrag ausgeführt und die elf Buben in der Scherzach ertränkt, so der Graf.

Als der Sohn dann seinen siebten Geburtstag feierte, gab Graf Isenbard ein großes Festgelage. Es kamen Adelige aus vielen Ländern herbei und speisten nach Herzenslust. Da begann der Graf eine Geschichte von einer bösen Mutter zu erzählen. Es war die Geschichte seiner Frau, die elf Buben hatte ertränken lassen, als wären es Welfen (Welpen) gewesen. Was sei eine gerechte Strafe dafür, fragte Isenbard in die Runde. Seine Frau Irmentrud sprach: “Die Mutter sollte für ihre böse Tat in siedendes Öl geworfen werden!” Da sprach Isenbard: “Wohlan, dann hast du dein Urteil gefällt!”

Irmentrud bat um Vergebung und kniete vor dem Grafen nieder. Da erzählte Isenbard, wie er die Tat entdeckt hatte, und die anderen elf Jungen wurden herein geschickt. Diese baten mit ihrer Mutter um Vergebung und der Graf kam dem Wunsch nach. Fortan sollte der Erbe, der Junge, der von der Mutter erkoren worden war, den Namen Welf tragen, bestimmte Isenbard. Und so kamen die Adeligen der Welfen zu ihrem Namen.

Die andere Version der Welfensage

In dieser Sage erhielten die Welfen ihren Namen von Karl dem Großen höchstpersönlich. So wurde erzählt, dass Isenbard als Vasall des Königs und späteren Kaisers, Karl, an dessen Hof in Aachen war. Eines Tages überbrachte ein Bote aus Altdorf die Nachricht, dass Isenbard Vater werde. Die Gräfin Irmentrud bat ihn, sich schnell wie möglich nach Altdorf zu begeben.

Isenbard bat den König um die Erlaubnis, gehen zu dürfen, als Karl der Große sagte: “Das ist ein triftiger Grund, so nehmt Euch frei und geht zu Eurem Welfen.” Da entsprang dem Grafen aus Dankbarkeit der Satz: “Danke, dafür soll mein Kind so genannt werden, wie ihr es gesagt habt: Welf. Ich bitte Euch, seid der Taufpate.” Karl kam dem Wunsch nach und wurde Pate bei der Taufe in Altdorf.

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