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Martinstor in Wangen im Allgäu

Das Martinstor ist der Eingang zur Altstadt und ein Wahrzeichen von Wangen im Allgäu.

Die Altstadt von Wangen im Allgäu ist voller mittelalterlicher Gebäude und auf jeden Fall einen Rundgang wert. Wenn man sich von einer Seite der Altstadt nähert, fällt sofort das Martinstor ins Auge. Das Tor heißt bei den Einheimischen übrigens auch Lindauer Tor. Folgt man der sich anschließenden Straße nach dem Tor, kommt man denn auch nach Lindau (Bayern). Es ist eines von drei Toren in der Stadt, die den Übergang in die Moderne und deren Verkehrsanforderungen überlebt haben.

Martinstor Stadtabgewandte Seite

Martinstor Stadtabgewandte Seite

Die Geschichte des Martinstor in Wangen

Martinstor Stadtzugewandte Seite

Martinstor stadtzugewandte Seite

Das Martinstor verbindet den Martinstorplatz und die Paradiesstraße. Es hat seinen Namen von der danebenliegenden Kirche, die dem heiligen Martin gewidmet ist. Martin von Tours war der Lieblingsheilige der Franken.

Das Tor wird erstmals im Jahr 1347 urkundlich erwähnt. Damals war es aber noch nicht so hoch. Der Baustil ist der der Gotik, das sieht man sowohl an der Form des Baus und des spitzbogigen Durchgangs als auch an teils erhaltenen Malereien im Durchgang.

Wie auch das sogenannte Ravensburger Tor ist das Lindauer- oder Martinstor im Jahr 1608 baulich verändert worden. Dabei hat man aber den gotischen Stil im Großen und Ganzen beibehalten und so erhielt das Tor seine heutige Form. Auch der Aufbau mit zwei weiteren Etagen entstand in dieser Zeit. Der Turm verfügt nun über fünf Etagen, welche gegenwärtig von Vereinen der Stadt genutzt werden. Der Bau besteht aus Backsteinen und groben Kieseln aus der Argen, wie auch die Pfarrkirche St. Martin in Goppertsweiler.

Die Bemalung aus dem frühen 17. Jahrhundert von Johann Andreas Rauch ist nicht mehr erhalten. Das moderne Antlitz schufen August und Josef Braun 1924.

Die Bemalung des Martinstors

An der stadtabgewandten Seite ist dem Turm ein Vorbau angehängt. Die Stube darin verfügt noch über die mittelalterlichen Fenster. An der Fassade prangt der Doppelkopfadler in Schwarz mit einer Krone. Das verweist auf das Reich mit Kaiser und König. Darunter steht “Freie Reichsstadt Wangen”. Eine Reichsstadt war keinem Grundherren gegenüber etwas schuldig und unterstand nur dem König, respektive Kaiser von Deutschland. Seit dem 15. Jahrhundert war der Doppelkopfadler in Schwarz das Symbol des Deutschen Reichs.

Auf der stadtzugewandten Seite finden sich mehrere Wappen und Malereien. Oben thront die Sonnenuhr, darunter befinden sich eine mechanische Uhr und die Malereien.

Im Zentrum dessen ist der heilige Martin in seiner bekanntesten Pose dargestellt: Er sitzt auf dem Pferd und teilt seinen Umhang mit dem Schwert. Die Hälfte des Mantels gibt er einem Armen, der ebenfalls abgebildet ist.

Links davon ist der Fürstabt von St. Gallen, der “Rote Uli” oder mit bürgerlichem Namen Ulrich Rösch, abgebildet. Er wurde 1426 in Wangen geboren. Unter seinem Abbild steht geschrieben:

Ulrich Rösch, ein geborener Herrscher. Ein Mann von glänzendem Geist und eisernem Willen hat die Abtei St. Gallen aus drohendem Zerfall gerettet und sie zu einer der berühmtesten und mächtigsten Europas gemacht. In den Annalen seines Klosters glänzt er als zweiter Gründer. Sein Name soll auch fortleben in der Geschichte seiner Vaterstadt.

Rechts vom heiligen Martin ist Rupert Neß dargestellt. Er war der Reichsprälat und Abt des Klosters Ottobeuren. Auch er wurde in Wangen geboren, und zwar am 24. Januar 1670. Der Text zu seinen Füßen lautet:

Rupert Neß hat von 1710 bis 1740 das Reichsstift Ottbeuren glänzend geleitet. Seinen Untertanen war er ein Vater, Künsten und Wissenschaften ein eifriger Gönner und eine Zierde der Religion. Er ist der Erbauer des Klosters in seiner jetzigen Gestalt. Seinen Namen verherrlicht die Klosterkirche. Auch in seiner Heimat soll nicht erlöschen das Andenken an diesen grossen Prälaten.”

Über diesen Darstellungen sind drei Fenster und darüber sind die Wappen derjenigen Institutionen abgebildet, die mit Wangen in Verbindung stehen: Links das Wappen des Klosters St. Gallen mit dem Hinweis “Bis 1281 stand Wangen unter der Herrschaft des Klosters St. Gallen”, daneben das Wappen der Reichsstadt Wangen und darunter: “Am 15. Oktober 1281 erklärt Kaiser Rudolf Wangen zu einer freien Reichsstadt”. Das Wappen ist dreigeteilt: Es hat drei Köpfe nach rechts gerichtet, was die Einwohnenden meint, einen halben Reichsadler als Verweis auf die Reichsstadt und eine Lilie, vielleicht als Verweis auf die Franken.

Daneben sind noch die Wappen von Bayern und Württemberg. Beim bayrischen Wappen steht darunter “Im September 1802 nahm Bayern die Stadt in Besitz” und unter dem Wappen Württembergs steht “Anno 1810 kommt Wangen an Württemberg und wird Oberamtsstadt.”

Auf dem Turm weht eine Metall-Fahne zur Windrichtungsbestimmung und die Dachrinne ist an den vier Ecken mit Wasserspeiern in Form von Drachen verziert.

Wo befindet sich das Martinstor?

  • Martinstorplatz
  • 88239 Wangen im Allgäu
  • GPS: 47.685690, 9.832864

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