Ehemalige Schlangenfarm am Federsee
Als das Schlangenjagen noch ein Sport war, gründete Franz Widmann eine Beobachtungs- und Rettungsfarm für die gefährdeten Reptilien.
Zwischen Bad Buchau und Bad Schussenried, etwa auf der Höhe von Sattenbeuren, steht ein Ausflugslokal mit einer besonderen, einer schlangenhaften Geschichte. Das ist allerdings ein Weilchen her.

Schlangenfarm Federsee bei der Wirtschaft am Torfwerk
Dort, wo einst die Schmalspurbahn entlang führte und heute noch ein Prellbock steht – mit einem Waggon – befand sich früher ein beliebtes Ausflugsziel der Region. Noch heute erinnert ein Schild neben dem Gasthof am Torfwerk an Franz Widmann und seine Schlangenfarm.
Franz Widmann (1888 bis 1977) bewirtschaftete einst das Gasthaus zum Torfwerk am Rande des Federseegebiets. Die Farm befand sich hinter dem Waggon, der heute auf den Schienen steht.
Eine derartige Einrichtung gab es in der Region kein zweites Mal.
Schlangen im Federsee-Ried
Schlangen waren in früheren Zeiten Teil der allgegenwärtigen Natur und gerade im Ried lebten sie gerne. Dort waren sie vor den Menschen sicher. Denn ins Ried gingen nur die Arbeiter, um Bäume zu fällen oder Torf zu stechen. Begegnungen mit den Schlangen blieben nicht aus und waren für beide Seiten unangenehm. Vor allem das Gift der Kreuzotter kann schmerzhaft und bei vulnerablen Menschen auch tödlich sein. Solche Zwischenfälle gab es allerdings nicht, so diese Quelle.
Wohl auch wegen der biblischen Bedeutung gehörten Schlangen nicht zu den beliebtesten Arten in der oberschwäbischen Natur. So machte man nicht selten Jagd auf die Tiere, die man gerne tot sah. In der Konsequenz sind heute die Schlangenarten allesamt unter Schutz gestellt.
Um die Jahrhundertwende um 1900 waren Schlangen, auch Kreuzottern, häufig im Federsee-Ried anzutreffen. Doch die Entwässerung ab dem 18. Jahrhundert, die keine landwirtschaftlichen Flächen preisgab, führte zum Rückgang des Moores und seiner Bewohner. Viele Schlangen wurden von den Mähmaschinen zerstückelt.
Auch Franz Widmann, so wird es berichtet, fing Schlangen. Aber er ließ sie wieder frei, nachdem er sie studiert hatte. Er beobachtete sie und kannte ihre Gewohnheiten. Er entwickelte sogar Fangmethoden, die der Schlange nicht schadeten. Später arbeitete er als Lokführer der Torfbahn und übernahm 1920 (oder 1924) das Gasthaus.
Sein Hobby für das Schlangenfangen behielt er bei und so musste er ein Terrarium für die gesammelten Tiere bauen. Entsprechend hielt er die Schlangen in einem Freilandterrarium auf über 35 Quadratmetern Fläche.
Auch Widmann wurde zwei Mal gebissen, denn Schlangen gewöhnen sich nicht an Menschen. Aber er hatte sein eigenes Gegengift hergestellt, um dem entgegenzuwirken. Auch wegen seiner geselligen Art wurde Widmann überregional bekannt.
Zu seinem Schlangenzoo gehörten nicht nur Kreuzottern, sondern auch Nattern und Vipern aus beispielsweise dem Allgäu. Schlangen aus vielen Ländern und auch andere Tiere, wie beispielsweise ein Pavian oder Vögel und Kleintiere, waren kurzzeitig zu Besuch auf der Schlangenfarm am Federsee. 1957 zog er auch ein Reh auf.
Das Gasthaus wird heute von einer jungen Familie bewirtschaftet, die Wanderfreudige mit Gerichten und Getränken empfängt. Die Öffnungszeiten reichen von Freitag bis Dienstag ab 17 Uhr. Der Biergarten hat bei gutem Wetter früher auf.
Wo befand sich die Schlangenfarm?
- Torwerk 11
- 88427 Bad Schussenried-Reichenbach
- GPS: 48.034127894231645, 9.640203915969936




