Im Hochmittelalter begannen die Menschen Hospitäler zu bauen. Das waren recht häufig kirchliche Institutionen, so auch diese in Isny im Allgäu. Die Schirmherrschaft dachte man dem Heiligen Geist zu. Das geht vermutlich auf den Orden der Hospitaliter vom Heiligen Geist zurück, die ab dem 8. Jahrhundert Kranke zentral pflegten.
In weiten Teilen Europas und in den meisten Reichsstädten in Oberschwaben gab es solche Einrichtungen. Nicht selten waren es Gebäude, die ärmere Menschen aufnahmen – finanziert durch Spenden und Stiftungen. Aber zuweilen waren es auch Privatheime von Menschen, die es sich leisten konnten.
Heilig-Geist-Spital am Marktplatz
Das Spital am Marktplatz wurde 1397 gebaut, finanziert von Elisabeth Bräwissin. Sie war wohl eine wohlhabende Bürgerin der Stadt. Eine Steintafel berichtet vom Baujahr und der Spenderin. Es war von Beginn an ein Altersheim. Hier zogen vor allem Bürger ein, die es sich leisten konnten. Allerdings wurden auch Ärmere einquartiert. Dieses mittelalterliche Altersheim nannte man Pfründnerhaus.
Das Haus, es war bis zuletzt ein Altersheim, wurde 1971 abgerissen. Von dem damaligen Haus sieht man aber noch Reste, so der spätgotische Eingang und der gewölbte Raum im Inneren. Anschließend zog eine Bank mit dem evangelischen Gemeindehaus unter das Dach des fortan benannten Paul-Fagius-Hauses.
Im 16. Jahrhundert traten viele Reichsstädte der Reformation bei. Auch Isny war evangelisch, woran ein vorgelagertes Gartenhaus erinnert. Denn während die Evangelisch-Gläubigen in katholischen Gemeinden ausgegrenzt wurden, wurden Katholiken in solchen Reichsstädten ausgegrenzt. Der Hass wird sich im Gemetzel des Dreißigjährigen Krieges entladen.
Die Reformation hat in Isny auch der Theologe Paul Fagius, geborener Büchlin (1504 bis 1559) vorangetrieben. Er studierte in Heidelberg, neben Theologie auch Hebräisch. Er bekam eine Anstellung als Lehrer in Isny, wo er auch heiratete. Er traf Reformatoren wie Zwingli und überzeugte Isny, dem Schmalkaldischen Bund beizutreten. Er war 1532 beim Bildersturm im Kloster St. Georg.
Er studierte weitere Jahre in Straßbourg und kehrte 1537 als Pfarrer von Isny zurück. Dort etablierte er Deutschlands erste hebräische Druckerei. Dafür zog der jüdische Gelehrte Elijah Levita von Venedig nach Isny. Aus der Kooperation entstand beispielsweise ein Wörterbuch für Jiddisch, Hebräisch, Latein und Deutsch.
Allerdings erntete er mit seiner Herangehensweise auch Widerstand. So kam es 1542 zu einem Disput mit der Stadt Isny.
Fagius kehrte der Stadt im Allgäu den Rücken, denn an Wahlmöglichkeiten für den Gelehrten mangelte es nicht. Er ging als Pfarrer nach Konstanz und zwei Jahre später nach Straßbourg. Wegen seiner streng-evangelischen Haltung wurde er 1547 aus der Universität ausgeschlossen und ging nach Cambridge in England, wo er zwei Jahre später starb.
1556 wurden seine Überreste im Rahmen der Gegenreformation wieder ausgegraben und nach einem Schauprozess zur Strafe verbrannt. Allerdings wurde er schon vier Jahre später wieder rehabilitiert.
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