Der vielleicht am schwersten zugängliche Burgstall des Allgäus, wo einst der Kirchenschatz von Kißlegg versteckt war, liegt im Gründlenmoos oder Gründlenried.

Inmitten eines schwer zugänglichen Moorgebiets, des Gründlenmoos, liegt ein Burghügel. Dort befand sich einst eine Verteidigungsanlage, womöglich aus der Zeit der Kelten. Aber es war auch mal ein Versteck für einen Schatz.

Gründlenmoos Burgstall Schild

Kleiner Hügel inmitten des Gründlenrieds (Gründlenmoos) im Allgäu

Der Burgenkundler Otto Merkt erkundete etliche Burgen und Burgställe im Allgäu. Über diese Anlage verkündete er seine besondere Begeisterung. Tatsächlich ist das Areal wie aus einer anderen Welt und man glaubt sich kaum noch im Allgäu. Der Zugang ist per Karte oder auch via Google Maps erfahrbar. Der Weg führt über Umwege zu einem Waldweg und dann über ein sumpfiges Gebiet. Nach etwa 200 Meter findet man wieder festeren Untergrund. Es ist ein ovales Terrain von etwa 120 Meter auf 80 Meter, das über dem Ried herausragt. Nadelbäume markieren seine Fläche. Eine kleine Landzunge erweitert die ovale Form um etwa 60 Meter nach Südosten.

Um das Jahr 1900 soll an der Südspitze auf der Landzunge ein kleiner Hügel gestanden haben, der heute nicht mehr auszumachen ist. Der eigentliche Burgstall befindet sich auf der Nordseite der “Insel”. Der runde Hügel ist rund 10 Meter hoch und im Durchmesser 25 Meter breit. Auf geteilter Höhe wurde ein Graben von 1,50 Meter Tiefe ausgehoben. Der Aushub diente der Erhöhung des Hügels bzw. für einen kleinen Wall, der kaum noch auszumachen ist.

Burgstall der Kelten oder des Mittelalters?

Es ist nicht klar, wann der Hügel von wem befestigt wurde. Die ersten Geschichtskundigen des 19. Jahrhunderts gingen von einer keltischen Anlage aus. Jedoch fand man auf dem Terrain keinerlei Anzeichen dafür. Womöglich standen aber in der Nähe beim Gerstenberg ein Grabhügel der Kelten, allerdings wird das von anderen Forschenden bezweifelt.  Sollte es welche gegeben haben, dürfte das die Anlage in die Hallstattzeit (800 v. C.bis 450 v. C.) versetzen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass die vermeintlichen Grabhügel aus der Zeit der Hunnenangriffe stammten. Das westliche Allgäu war den ungarischen Einfällen in den Jahren 913, 916 und 955 ausgesetzt.

Andere Quellen gehen von einer Errichtung des Burgstalls um etwa 100 v. C. aus, was in die keltische Latene-Zeit fällt. Auf der Landtafel Kisslegg von 1720 ist der Ort mit einem B für Burgstall vermerkt. Schon 1592 wird der Platz als Burgstall erwähnt. Möglicherweise war es also ein Burgstall aus dem Mittelalter? Allerdings dürfte der Transport von Steinen dorthin schwer gewesen sein. Auch die Versorgung mit Lebensmittel hätte sich schwierig gestaltet. Zudem gibt es keine urkundliche Erwähnung über einen Ortsadel, der die Burg bewohnte.

Offenbar wurde das schwer erreichbare Gelände als Hort eines Schatzes genutzt. In den Chroniken von Kißlegg steht, dass man zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) den Kirchenschatz an der Stelle vor den Schweden versteckte.

Wo befindet sich der Burgstall Gründlenmoos?

  • Gründlenmoos (Gründlenried)
  • 88353 Kißlegg
  • GPS: 47.821086125046435, 9.894755386908935

Schwoable

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