Kuh-auf-Weide
Ein Ablauf, der zu einem schwäbischen Phänomen gereichte: der Kuhhirte von Ulm.
Die Legende vom Ulmer Kuhhirten hat ein Sprichwort hervorgebracht: Abdanken wie der Ulmer Kuhhirte. Aber fangen wir ganz vorne an.
Vor etlichen Generationen beschäftigte die Stadt Ulm einen Kuhhirten, der sein Amt nicht sehr sorgfältig ausübte. Er soll getrunken haben und so konnte er seiner Aufgabe nicht adäquat nachkommen. Das machte die Runde und erreichte auch den Rat der Stadt. Dort beschloss man, den Kuhhirten von seinem Amt zu entlassen. Was der Rat aber nicht wusste, der Kuhhirte hatte Wind davon bekommen und horchte während der Sitzung des Rats durch ein Ofenrohr der Ratssitzung zu.
Als er vernahm, was ihm blühte, trat er, gemäß einigen Erzählungen, schnell und unverblümt vor den Rat der Stadt Ulm und verlangte seinen Abschied nehmen zu dürfen. In anderen Berichten soll der Kuhhirte seine Kündigung durch das Ohrenrohr, durch das er der Sitzung lauschte, gebrüllt haben. Die verblüfften Ratsherren sahen sich der unbeliebten Aufgabe der Entlassung befreit und willigten ein. Der Kuhhirte hatte damit die Tatsache auf seiner Seite. Er wurde nicht gekündigt, er hatte gekündigt.
Die Legende besagt, dass dieses Vorgehen im Schwabenland einige Nachahmer gefunden habe und so entstand das Sprichwort, dass einer abdankt wie der Ulmer Kuhhirte.
Der Ulmer Kuhhirte ist inzwischen auch Teil der Fischerstechen-Tradition geworden, wenn man im Sommer zum Schwörfest, gegeneinander antritt. Dort tritt er zusammen mit einem Ratsherren an. Auch andere Figuren der zahlreichen Geschichten aus Ulms Vergangenheit sind dort vertreten. Von den Adeligen, die die Geschicke der Stadt beeinflussten, bis zum berühmten Spatz von Ulm, der dabei geholfen haben soll, das Ulmer Münster fertigzustellen.
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