Bahnschienen in Oberschwaben
Seit Jahren fahre ich durch meine Heimat Oberschwaben und habe bereits etwa 1.000 Sehenswürdigkeiten besucht und beschrieben. Doch dieses Jahr war ich wieder mal mit der Bahn unterwegs – und das war echt die Hölle.
Mit dem Rad und der Bahn kann man Oberschwaben eigentlich wunderbar erfahren. Vor allem das E-Bike ist der absolute Trend – verständlich bei dem Auf und Ab. Mehr Städte sollten den E-Bike-Verleih organisieren. Bad Schussenried ist da Vorreiterin, wenngleich die Flotte aus lediglich zwei Rädern besteht!
Ich bin aber eher ein Fan der normalen Fahrräder. In Kombination mit der Bahn war das auch früher schon nicht einfach, aber es war machbar. Das kann man derzeit nicht behaupten.
Mit ‚absoluter Zumutung‘ ist das noch wohlwollend umschrieben, denn so schlecht war es mit der Bahn wirklich noch nie. Schon die Schließung der Bahnhöfe in den 90er Jahren empfand ich als Rückschlag, denn als Kind konnte ich fast jedes Dorf mit dem Zug erreichen… Die heutigen katastrophalen Zustände sind Konsequenz der konservativen Verkehrspolitik. Verlässlichkeit auf der Schiene? Nicht in Deutschland.
In diesem Sommer erlebte ich eine Bahn, in der Züge – die nur stündlich fahren – einfach ausfielen. Und das wurde etwa 30 Minuten vor Zugeinfahrt angekündigt. Die Leute am Gleis mit Koffer waren gestrandet. Infos? Die digitalen Schilder widersprachen sich im selben Schriftzug.
Alle Züge – außer einem – waren verspätet. Mal 10 Minuten hier, mal 45 Minuten da. Anschlusszug? Verpasst! Und dann mit dem Juckelbus über die Dörfer.
Die Verbindungen sind ebenfalls unmöglich. Als Beispiel möchte ich von Bad Schussenried mit dem Zug nach Bad Waldsee. Die Bahn-App sagt: Mit dem Zug bis Ravensburg und dann mit dem Bus nach Bad Waldsee. Das ist ein Umweg von 30 Kilometern für eine Distanz von 12 Kilometern und dauert rund eine Stunde. Selbst mit dem Rad ist man schneller.
Oder das Fahrrad mitnehmen? Nicht im Zug! Denn diese Waggons sind proppenvoll. Teils so voll, dass man es mit der Angst bekam, überhaupt mitgenommen werden zu können. Manche blieben dann auch tatsächlich vor der Türe stehen – sie passten nicht mehr hinein.
Eine junge Frau, die am Telefon ihrer Gruppe ihre Verspätung bekannt gab, bezweifelte, dass es eine gute Idee sei, mit dem Zug in den Urlaub zu fahren. Und ich muss leider sagen: nein, ist es echt nicht.
Die Nachfrage ist da – das Bekenntnis zum Bahnverkehr aber in Baden-Württemberg, in Deutschland ist blamabel. Die Bahn wurde kaputtgespart, der öffentliche Nahverkehr in Oberschwaben ist zurückgeblieben. Hier muss etwas passieren! Denn tourismusfördernd ist das sicherlich nicht!
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