Keltisches Wagengrab bei Unlingen | Grabhügel an der Donau

Ein frühkeltisches Wagengrab mit einer womöglich etruskischen Reiterfigur – ein seltenes Zeugnis der keltischen Hochkultur und ihrer Elite vor der Zeit der Heuneburg. Insgesamt fand man drei Grabhügel der Kelten.

Folgt man der Bahnlinie von Riedlingen nach Norden, gelangt man auf der Höhe Unlingens auf der rechten Seite auf Unebenheiten im Terrain. Durch das landwirtschaftliche Beackern wurden die einst herausragenden Hügel immer weiter eingeebnet. Dort bargen Forschende unter anderem ein Wagengrab aus dem 8. vorchristlichen Jahrhundert.

Hinter dem Bahndamm Grabhügel Funde

Drei Grabhügel bei Unlingen

Die Lagebeschreibung wäre zu keltischer Zeit anders ausgefallen: In Sichtweite des heiligen Berg Bussen und dem Hauptverkehrsweg seiner Zeit, der Donau, lagen die Gräber von hochgestellten Personen ihrer Zeit. In den drei Hügeln wurden insgesamt fünf Gräber gefunden.

Noch vor der Zeit der Fürsten auf der Heuneburg war das herausragende Zentrum der frühen Keltenzeit in unserer Region an der Donau in der Nähe des Heiligen Bergs – dem Bussen. Dort lebten die Kelten recht gut vom Handel – zumindest einige. Diese ‚Hallstatt-Kultur‘ (800 v. Chr. bis 450 v. Chr.) war wohl sehr streng klassifiziert, sodass wenige sehr reich wurden. Eine Veränderung dieser Kultur findet um 450 v. Chr. statt, die bis etwa bis zur römischen Unterwerfung im 1. Jahrhundert vor Christus als ‚Latène-Kultur‘ bezeichnet wird. Dieser Wandel zeigt sich auch an den drei Grabhügeln, die man hier fand. Die kulturellen Veränderungen gingen wohl mit sozialen Veränderungen einher.

Der Grabhügel mit dem Sensationsfund ist der älteste und stammt aus dem 8. Jahrhundert. Die beiden anderen Gräber stammen aus der Zeit des Wandels der keltischen Kultur.

Grabhügel mit Wagengrab und Reiterfigur

Der Sensationsfund war ein Grab eines Mannes, dessen Leichnam bereits entnommen wurde. Unbekannt ist, was noch fehlte. Was man fand, war ein ritueller Wagen, das dem Verstorbenen den Übergang in die Anderwelt (Jenseits) erleichtern sollte. Man fand Beschläge aus Bronze und ein verziertes Joch mit bronzenen Nägeln. Selbstverständlich wurde der Person eine Wegzehrung mitgegeben.

Auch die Reiterfigur ist aus Bronze, die ursprünglich an einem größeren Objekt befestigt war. An ihr ist besonders, dass diese Figuren in Oberschwaben selten sind. Sie kommen normalerweise in Italien vor. Diese Figur wurde allerdings in Oberschwaben hergestellt. Das verweist auf eine vorbildhafte Beziehung zu den damals in Italien existierenden Kulturen. Mutmaßlich könnte es sich um Etrusker gehandelt haben, mit denen diese Menschen Handel trieben oder vielleicht gab es eine familiäre Bindung.

Die Beigaben stammen sogar noch aus einer Zeit, da die Heuneburg noch gar nicht stand. Gemeinsam dürfte aber beiden Generationen der Handel gewesen sein, was durch die Donau ermöglicht wurde.

Dieser Grabhügel war aber nicht vollständig. Schon in der Antike hat man die Gräber geplündert. Möglicherweise war der Hügel noch reicher ausgestattet. Außerdem wurden in dem Hügel weitere Bestattungen vorgenommen. Dazu gehörte das Grab einer Frau, die ebenfalls mit Bronzebeigaben für das Jenseits ausgestattet war. Darunter Haarnadeln, Gürtelteile oder Schmuck – auch aus Perlen.

Erhaltenes Grab im südlichen Hügel

Auch in diesem Grab fand man wertvolle Beigaben, wie goldene Schläfenringe, ein Torque (Halsring) aus Bronze und Schmuck aus imprägniertem Holz (Gagat). Das Grab ist von ca. 500 vor Christus und gehört noch zur Hallstattzeit. Ein weiteres Grab war bereits durch natürliche Zersetzungsprozesse zerstört worden.

Wo befinden sich die Grabhügel?

  • zwischen Bahnlinie und B311
  • 88527 Unlingen
  • GPS: 48.169356039600174, 9.502982883888818 (etwa)

Bilder der Funde https://www.unlingen.de/unsere-gemeinde/projekte-wissenswertes/fruehkeltisches-wagengrab-unlinger-reiter

Schwoable

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