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Wann entstand Schwaben?

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Die Region Schwaben war einst keltisch, es war die Provinz Raetien bei den Römer und danach Alamannien und Franken – wieso heißt es denn Schwaben?

Wieso nennt man den Landstrich in Baden-Württemberg, der sich bis nach Bayern erstreckt, Schwaben? Es war einmal im frühen Mittelalter…

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Als Alemannien zu Schwaben wurde

Vor der Zeitenwende lebte im heutigen Schwaben und selbstverständlich auch in Oberschwaben der Kulturkreis der Kelten. Aus einem unerfindlichen Grund, sind die Menschen damals großteilig aus der Region weggezogen und lange Zeit war es die sehr dünn besiedelte helvetische Einöde. Diese umfasste allerdings nicht das gesamte Gebiet, das man heute als Schwaben kennt.

Zur Zeitenwende dann kamen die Römer, etablierten hier die Provinz Rätien (Raetia), die wiederum von den Alamannen vertrieben wurden. Hier beginnt unsere kleine Geschichte von Alamannien (Alemannien) und Schwaben. Es war im dritten Jahrhundert, als der Limes zu schwächeln begann und die germanischen Stämme es darauf anlegten, das Imperium Romanum zu stürzen – was ihnen gelang.

Die römische Kultur hatte die Menschen jener Tage jedoch beeindruckt und so wandelte sich vielleicht die germanische Kultur von der Stammes- und Familienbindung – zu einer neuen Form von Verbundenheit auf. Es war die sogenannte Völkerwanderung. Unser Wort „Volk“ entstammt der Idee des Folgens, vermutlich im militärischen Sinne. Die Alamannen sind dem Wort nach, eine Sammlung von Männern; im Sinne von Alle Mannen.

In den römischen Urkunden sind sie zunächst nicht zu finden, die Suebi aber beispielsweise schon. Außerdem die Stämme der Cherusker, der Juthungen, der Makromannen, der Teutonen, der Kimbern und der Semnonen.

Das erste Mal erscheint der Begriff Alamannen im Jahr 289 (oder 213?). Die Alamanii waren in Gallien eingefallen und zurückgedrängt worden. Anfang des 5. Jahrhunderts wird von den Römern das Gebiet zwischen Donau und Oberrhein als Alamannien bezeichnet.  Zuvor waren es die Provinz Raetia und teils auch Germania Superior.

Die Alamannen werden im 6. Jahrhundert von den Franken besiegt und sind nun Teil des fränkischen Reichs, woraus später Frankreich und Deutschland entstehen. Schon damals wird Schwaben und Alamannien als Synonym verwendet. Im 8. Jahrhundert wird der alamannische Adel eliminiert und Alamannien ist ein Herzogtum mit fränkischen Herzögen.

Zu Beginn des 10. Jahrhunderts entstand auf wundersame Weise das Herzogtum Schwaben. Damals war der lose Verbund der ostfränkischen Könige und Fürsten, was später das Deutsche Reich ausmachte, vor allem durch Angriffe der Ungarn und der Normannen in Gefahr. Das Reich hatte noch keinen Kaiser, was Otto später werden sollte. Die vielen einzelnen Könige ringten um die Macht in ihren Gebieten.

Noch 40 Jahre vor der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg, was Otto zu Otto dem Großen machte, kam der Pfalzgraf Erchanger auf eine Idee. Er hatte sich in den Wirren der Reichsfindung schlicht zum Herzog von Schwaben ernannt. Damit war 915 das erste Mal vom Herzogtum Schwaben die Rede. Allerdings blieb er nur zwei Jahre im Amt.

Der Adel von Erchanger war vermutlich mit dem alamanischen Adelsgeschlecht der Alaholfinger verwandt und stammten aus dem Elsass. Der offizielle Titel des Adels war „Herzog von Schwaben und Alamannien“ (Dux Suevia et Dux Alamannorum).

Woher kommen die Schwaben?

Die Schwaben wiederum, also die Suebi, kommen das erste Mal bei Caesar vor. Er vertrieb sie letztlich aus ihrem Siedlungsgebiet links (!) des Rheins, wobei der Stamm eliminiert wurde. Die Schwaben kommen im Ursprung aus einem Gebiet zwischen Spree und Elbe im heutigen Brandenburg. Es ist aber eher ein Stammesverband, bestehend aus vielen kleineren Familien und Clans. Die Schwaben kann man zur Gruppe der Semnonen zählen, so einige Quellen, die wiederum von anderen bestritten werden.

Immer wieder zogen Gruppen der Schwaben (Suebi) nach Süden. Erstmals vor der Zeitenwende. Vermutlich war die Anzahl derjenigen, die sich von der Mitttelelbe ins heutige Schwaben verschlug, recht hoch. Im 7. Jahrhundert werden die Schwaben zum Christentum bekehrt und so steht  in der Lebensgeschichte des St. Columban, er habe am südlichen Bodensee die ’nationes suaevorum‘ (die schwäbische Nation) bekehrt.

Der Herzog Gunzo in Überlingen trug jedoch zur gleichen Zeit den Titel Herzog der Alamannen. Im 9. Jahrhundert berichtet der Abt des Klosters Reichenau Strabo, dass Alamannien und Schwaben Synonyme seien. Mit der Gründung des Herzogtums Schwaben im Jahr 915, blieb das Wort Schwaben und der Begriff Alamannien verlor langsam an Bedeutung. Zwar hielt er sich noch bis ins 12. Jahrhundert, vor allem als Zusatz, doch danach dominiert Schwaben.

Ungefähr zur selben Zeit entstanden die Herzogtümer Sachsen, Lothringen, Franken und Bayern im ostfränkischen Reich – es war eine Art Gebietsreform. Ab 1268 kommt es zu Veränderungen und im Jahr 1495 kam es erneut zu einer Reform der Ländergrenzen. Jedoch mit dem Ergebnis, dass es plötzlich sehr viele kleine Gebiete gab. Es war nur die Rede vom Schwäbischen Kreis, der bis Napoléon 1806 einmarschierte, so blieb.

Tatsächlich war Schwaben, nach dem zweiten Weltkrieg, als Namen für das Bundesland Baden-Württemberg im Spiel. Doch die Geschichte entschied anders. Bei einigen Fachleuten wird Alamannien heute mit den Grenzen des Bistums von Konstanz‘ verglichen; abgesehen vom Bereich von Iller bis Lech, was heute Bayern ist. Aber auch das erste Herzogtum Schwaben ist mit Schwaben nicht deckungsgleich.

Auch die Sprache als Anhaltspunkt muss fehlschlagen, denn es gibt kein Indiz dafür, dass die Alamannen einen solchen Dialekt hatten, noch dass sie überhaupt eine gemeinsame Sprache ausbildeten. Das Schwäbisch als Dialekt scheint sich eher 11. oder 12. Jahrhundert entwickelt haben. Das Schweizerdeutsch kommt dem wohl sehr nah. Zumindest die Nordschweiz wurde im 6. Jahrhundert ebenfalls von Alemannen oder Alamannen besiedelt.  Übrigens kann man sowohl Alamannen als auch Alemannen sagen, respektive schreiben 😉

Die schwäbisch-alemannische Fasnet hat übrigens gar nichts mit den historischen Alemannen zu tun, obgleich das Wort für Deutschland in manchen Sprachen auf die Alemannen verweist; so im Französischen: allmand, allmagne oder im Spanischen: aléman, alemania.

Wo waren die Alamannen

Stammesverteilung in Europa


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