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Schreckensee | Naturbeobachtung & Steinzeitfunde

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Der Schreckensee ist ein Naturschutzgebiet, auf Grund der variationsreichen Natur,  und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe, wegen den Fundstücken aus der Steinzeit.

Der Schreckensee ist ein See, unweit der kleinen Ortschaft Schreckensee, die zur Gemeinde Wolpertswende gehört und gut von Altshausen zu erreichen ist. Der See ist der Mittelpunkt eines Naturschutzgebietes, deren Flora und Fauna gut zu beobachten sind. Und es ist ein wichtiges Stück der Geschichte Oberschwabens aus der Steinzeit. Einzig die vielbefahrene und nahegelegene B32 stört das Klangerlebnis der Natur.

Schilf Schreckensee Naturschutzgebiet

Schreckensee | Gletschersee

Der stille See liegt mit 568 Metern am oberen Rand des Schussentals und an seiner tiefsten Stelle ist man 12 Meter unter der Wasseroberfläche. Der See ist der geschmolzene Rest des Gletschers, wovon noch rund 30 Hektar Fläche übrig sind. Das gesamte Naturschutzgebiet erstreckt auf ungefähr 100 Hektar Fläche. Der Gletscher schmolz vor ungefähr 16.000 Jahren, dessen Spuren in weiten Teilen Oberschwabens zu sehen sind. Daher die vielen Moore in Oberschwaben, und auch um den verlandenden See herum hat sich ein Ried gebildet.

Der See selbst bekommt noch Wasser, das über die Jahre immer weniger wird, durch die umliegenden Weiher, wie dem Buchsee, dem Vorsee und dem kleinen Schreckensee, der westlich davon angeschlossen ist. Er gibt sein Wasser vor allem an die Schussen ab.

Seit 1937 verlor der See allein 10 Hektar Fläche, was mit einem steigendem Nährstoffangebot im See einherging. Vor allem der Anstieg von Phosphor in dem Gewässer führte zu einem Ungleichgewicht. Seit 1993 versucht man dem entgegen zu wirken, doch immernoch wird um das Fischvorkommen gekämpft. Naturschützer fordern daher beispielsweise eine andere Wasserversorgung der umliegenden Dörfer, sowie eine Renaturierung der Bachläufe, wie beim Bühlhäuslebach bei Schmalegg.

Das Naturschutzgebiet Schreckensee gehört zu den „FFH-Gebiete“, deren Zertifikat den Schutz von Flora, Fauna und Lebensräumen etablieren. Außerdem ist der dazugehörige Wald, ein Bannwald, oder wie man auch sagt ein Urwald.

Schreckensee | Beobachtung unberührter Natur

Der Schreckensee ist vor allem aber ein Naturschutzgebiet, das man durchwandern kann. Es bietet einen schönen Wanderweg durch das Naturschutzgebiet, vorbei am kleinen und großen Schreckensee. An einige Stellen bieten sich Möglichkeit zur Beobachtung unberührter Natur, an Pflanzen und Tieren. Der Schreckensee liegt auf der dem Wanderweg „Kapellenweg“ (Route West) oder dem Rundweg „SCHAUmal“.

Direkt am See gibt es Hütten, die eine schöne Beobachtungsmöglichkeit bieten. Allerdings muss man sich ruhig verhalten und etwas Geduld mitbringen, dann eröffnen sich einem die Schönheiten der Fauna Oberschwabens. Die Flora läuft ja nicht davon 😉

Zu der umfangreichen Pflanzenwelt im Schreckensee gehört das Tausendblatt und die Blaualge. Was man auf und um den Schreckensee aber erblicken kann sind:

  • Weiße Seerose
  • Gelbe Teichrose
  • Laichkrautgewächse
  • Krauses Laichkraut
  • Orchideen
  • Sumpf-Glanzkraut
  • Sauergrasgewächse
  • Binsenschneide
  • Rostrotes Kopfried
  • Schachtelhalmgewächse
  • Sumpf-Schachtelhalm

Zu den tierischen Vertretern im See gehören die Fischarten:

  • Aal
  • Barsch
  • Brachse
  • Hecht
  • Giebel
  • Güster
  • Karausche
  • Karpfen
  • Moderlieschen
  • Rotauge
  • Rotfeder
  • Schleie
  • Sonnenbarsch
  • Ukelei
  • Wels
  • Zander

Zu den Vogelarten um den See herum zählen:

  • Baumfalke
  • Bekassine
  • Blässralle
  • Eisvogel
  • Fischadler
  • Fledermaus
  • Flussuferläufer
  • Gänsesäger
  • Goldammer
  • Graureiher
  • Haubentaucher
  • Höckerschwan
  • Kolbenente
  • Kolkrabe
  • Kormoran
  • Kornweihe
  • Krickente
  • Lachmöwe
  • Mäusebussard
  • Nachtreiher
  • Pfeifente
  • Reiherente
  • Rohrammer
  • Rohrweihe
  • Rotfußfalke
  • Rotmilan
  • Schellente
  • Schnatterente
  • Schwarzstorch
  • Schwarzmilan
  • Silberreiher
  • Tafelente
  • Teichrohrsänger
  • Turmfalke
  • Sperber
  • Sumpfrohrsänger
  • Sturmmöve
  • Wasserralle
  • Zwergdommel
  • Zwergschnepfe
  • Zwergtaucher

Außerdem kann man vierlei Insekten beobachten, dazu gehören verschieden Formen der Libellen, wie die Hufeisenazurjungfer, der Vierfleck, die kleine Granatange, die Smaragdlibelle und viele weitere Unterarten. Außerdem auch Heuschrecken und Schmetterlinge.

Schreckensee | Namesgebung und Geschichte

Warum der See diesen Namen trägt ist nicht gesichert, aber man glaubt, dass der Hecht dafür verantwortlich ist. Der Hecht wurde früher „Schröck“ genannt, weil man sich vor dem Fisch wohl auch etwas fürchtete. Tatsächlich hat der See schon manch prächtiges Exemplar hervorgebracht.

Schon in der Steinzeit haben Menschen diesen See bewohnt. Man fand auf der Halbinsel im südöstlichen Teil des Schreckensees die Spuren, die die Menschen 4.000 Jahren v. C.  hinterließen, was im Moor und Torf gut erhalten blieb. Vom Jungneolithikum (4400 v. C. bis 3500 v. C.)  bis zur Frühbronzezeit (2.200 v. C. bis 1.600 v. C.) siedelten die Menschen hier und so ist es auch zu vermuten, dass die Kelten hier ebenso lebten. Man fand vor allem Kupferbearbeitungen auf der Halbinsel, vermutlich Opfergaben: Beilklingen eben aus Kupfer oder aus Hirschgeweih. Ebenso fand man einen Dolch aus Plattensilex, ein Handelsgegenstand der aus dem heutigen Bayern stammte. Zu sehen gibt es die Fundstücke im Federsee-Museum in Bad Buchau.

Entdeckt hat es im Jahr 1921 ein Hobbyarchäologe aus Biberach, es begann mit einem Pfahl aus der Steinzeit. Heute kann man das Holz auf das 4. vorchristliche Jahrtausend zurückdatieren. Es war wohl das ganze Ufer des Sees besiedelt, wie man aus Grabungen des 20. Jahrhunderts weiß. Hier lebten die sogaenannte „Pfyn-Altheimer-Gruppe Oberschwabens“ – , „Horgener“ – und die „Goldberg III-Gruppe“ – Kultur der Steinzeit.

Was das Mittelalter angeht, so stand hier wohl einst eine Burg und/oder ein Schloß auf der Halbinsel am Schreckensee, ja Oberschwaben war voller Burgen zu jener Zeit. Erwähnt wird der See urkundlich erstmals im Jahr 1090, damals ging das Gelände an das Kloster Weingarten.

Zwar hat man keinerlei Funde auf der Halbinsel, die heute landwirtschaftlich genutzt wird, aber es gibt schriftliche Hinweise auf deren Existenz. So soll die Burg 1277 von Schenk Heinrich von Schmalegg und 1343 erwähnt worden sein, und dort lebten wohl die von Schreckensee. Einer der Burgherren war wohl Heinrich von Wagenhard, der den Besitz an das Kloster Weingarten schenkte. Vermutlich war auch Heinrich von Schwaben einmal Besitzer der Burg, er war Zeuge, wie das Gelände verkauft wurde.

Von der Burg oder dem Schloß sieht man heute, wie gesagt, nichts mehr.

Wo ist der Schreckensee in Oberschwaben

  • B32 zwischen Altshausen und Ravensburg
  • Schreckensee
  • 88284 Wolpertswende ‎
  • GPS: 47.888852,9.568294


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