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Reformation & Bauernkrieg – Teil V: Alte & neue Ordnung

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Die Revolution von 1525 war vorbei und der Adel und die Geistlichkeit haben triumphiert – die alte Ordnung schien wieder herstellt, was die Bauern kaum aufatmen ließ.

Den Anfang (Teil I) macht wohl die Reformation und der Buchdruck, schnell versammelte sich der unterste Stand im Mittelalter, der 90 Prozent ausmachte, hinter Männern wie Müntzer. Man erschuf eine erste demokratische Verfassung, abgeleitet von der Bibel (Teil II), und es bildeten sich sogenannte Haufen. Die Lage spitzte sich zu (Teil III) und 1525 war die erste deutsche Revolution ausgebrochen. Doch gegen die militärische Übermacht des Adels gab es kein Ankommen. Die Revolution der Bauern von 1525 war verloren (Teil IV).

Georg III v Waldburg Bauernjoerg

Georg III. von Waldburg (Bauernjörg)

Bilanz der Revolution

Bis zum Herbst des Jahres 1525 war Georg III. Truchseß von Waldburg offiziell mit der Bekämpfung der Aufständischen beschäftigt. Dennoch gab es noch Aufstände, vor allem im heutigen Österreich, die bis ins nächste Jahr aufflackerten. Hier forderten neben den Bauern und den Stadtbewohnern auch die Bergleute ihre Rechte ein. Auch sie haben verloren.

Als Dank für die Niederschlagung der Bauern wurde Georg III. vom Kaiser Karl V. zum Reichstruchseß ernannt und das samt Recht, den Titel zu vererben. Des Weiteren schenkte man der Familie die Herrschaft über Zeil, die man zuvor als Pfand innehatte. So wurde aus ihm Georg III. Reichserbtruchseß von Waldburg-Zeil.

Doch die Aufstände haben ihre Spuren hinterlassen und viele Opfer gefordert. Vor allem Bauern waren unter den rund 75.000 Toten der Revolution, was ungefähr ein Prozent der damaligen Bevölkerung ausmachte. Finanziell hat sich das Unterfangen insbesondere für den Adel und die Klöster gelohnt, denn sie standen danach besser da als vor der Revolution. Das ist vor allem den hohen Strafen zu verdanken, die Städte, Dörfer und Höfe als Entschädigung zahlen mussten. Diese waren zwar so gestaltet, dass sie im Verhältnis standen und zahlbar waren. Die Einnahmen der Adligen war aber so hoch, dass sie davon weit mehr finanzieren konnten, als das Militär. Neben dem Sold der Truppen für die Niederschlagung der Revolution wurde damit vor allem der neue Lebensstil bezahlt.

Viele Burgen, Schlösser und Klöster wurden durch die Bauern geplündert und nicht selten zerstört. Man geht von rund 1.000 Adelssitzen und Gotteshäusern in Deutschland aus. In Oberschwaben waren es vor allem die Gotteshäuser rund um Bad Schussenried, Zwiefalten oder Ottenbeuren (Bayern). Auch die Burg Neuravensburg wurde 1525 zerstört. In einem Schloss in Pfaffenhausen (Bayern) wurde eine Frau mitverbrannt, weil sie als Verräterin galt. Jedoch wurden die meisten Burgen, die durch die Bauern zerstört worden sind, nicht mehr aufgebaut. Denn die Erfindung und Verbesserung von Kanonen konnte jede Burg sprengen. Unter diesem Aspekt wurden bereits Schlösser erbaut.

Holzverkleidung Burg Neuravensburg

Nachwehen der Revolution & der Bauernjörg

Um etwaige Vorfälle zu vermeiden ist Georg III. von Waldburg der Sache auf den Grund gegangen. Die Rädelsführer, die man ausmachen konnte, wurden gefoltert und hingerichtet. Einen Prozess gab es in der Regel nicht. Zwar kamen die meisten mit den Strafzahlungen davon oder wurden vogelfrei (rechtlos) gesprochen, aber die Brutalität des Anführers des Schwäbischen Bundes brachte ihm einen Beinamen ein: Der Bauernjörg. Typische Bestrafungen für Unterstützer der Revolution fielen äußerst perfide aus, wie das Augenstechen, Vierteilen oder das Zersägen von Körpern. Allein im Allgäu wurden nach der Brandtat mehr als 20 Personen hingerichtet. Unter den ersten Revolutionären waren Georg Schmied, Hans Leuter und Matthias Waibel. Letzterer wurde vom Vasall des Truchsessen, Berthold Aichelin – ein Söldner aus Ulm -, ausgetrickst und im Wald bei Leutkirch aufgehängt. Aichelin war dem Truchseß bei einigen Strafaktionen behilflich, wofür er die Güter mancher Anführer der Bauern bekam. Gemeinden und Städte verloren Rechte und teils sogar ihre Stadtmauer. Es wurden Festivitäten untersagt oder die Stadt musste ihre Waffen abgeben.

Georg III. war dem Adel nach zwar von Waldburg, hatte seinen Sitz aber in Waldsee. Im Schloss Waldsee wohnten seine Frau und Kinder. Während der Revolution 1525 wurde auch das Schloss belagert. Zwar konnten einige Ritter, die Herren von Reischach, von Rosenberg, von Reinach, von Fürth, von Hornstein und von Landau, in die Burg eindringen und die Bauern abwehren, aber es war letztlich die Vermittlung der Stadt Waldsee mit dem Allgäuer Haufen, die die Lösung brachte. Die Bauern bekamen 4.000 Gulden, wofür die Stadt Waldsee bürgte, und sie zogen ab. Die Familie des Truchsessen fand in den Häusern der Bürger Waldsees Zuflucht.

Das hatte der Bauernjörg nicht vergessen und belohnte die Stadt 1527 mit der Erklärung, dass der „Böse Brief“ nichtig sei. Waldsee war damals unter österreichischer Herrschaft und die Waldburger hatten die Stadt als Pfand. Der Vorfahre, Truchseß Johann, verfasste 1415 den „Bösen Brief“, worin die Pflichten der Bürger von Waldsee formuliert waren. Diese waren mit Demütigungen verbunden, weswegen die Stadt schon lange vor dem Bauernkrieg die Verbrennung des Briefes forderte.

Der Bauernjörg starb 1531 und liegt bis heute in der Kirche von Bad Waldsee begraben. Er ist eine Figur des Romans „Lichtenstein“ von Wilhelm Hauff.

Stand der Bauern nach der Revolution & Bildersturm

Viele flüchteten aus Angst um ihr Leben in die Schweiz und es gibt Berichte, dass die Bauern sich weiterhin trafen. Einige lebten fortan als Räuber im Wald. Ihr Aufstand brachte nur geringfügige Verbesserungen für den Stand der Bauern. So wurde beispielsweise im Allgäu eine bessere Klagemöglichkeit eingebracht. Dies wurde auf dem Reichstag in Speyer 1526 im Memminger Vertrag festgehalten, obgleich in vielen Regionen den Bauern verboten wurde, über die Vorkommnisse zu sprechen. Und doch gab es einige Spottlieder über die Bauernbewegung, die damals die Runde machten. Auf diesem Reichstag wurde außerdem geregelt, dass jeder Fürst die Religion frei wählen kann. Das bedeutete für seine Untertanen, dass sie dieselbe Religion annehmen mussten.

Die Reformation aber war nun auf die Kirche beschränkt, so wie Luther es sich vorgestellt hatte. Die neue Lehre verbreitete sich auch in Oberschwaben. Innerhalb des Adels gab es eine leichte Machtverschiebung nach oben. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Bauern ihre Abgaben nun direkt an die Fürsten entrichteten und nicht mehr an die jeweiligen Regionalfürsten.

Doch der religiöse Friede sollte nur von kurzer Dauer sein. Schon in der darauffolgenden Dekade des 16. Jahrhunderts begann  in Oberschwaben die heiße Phase des Bildersturms. Der zugrundeliegende Streit über die Frage, ob man die Bilder verehren darf oder ob das Götzendienst sei, der schon seit Jahrhunderten schwelt, wurde blutig ausgetragen. Die Frage ob man religiöse Bilder nutzen durfte, war damals ein heißes Eisen. Der Bildersturm entfachte. Vor allem, dass die Bilder meist von Reichen gestiftet wurden und sie in die Bibel einbauten, stieß auf. Die Kritik daran vermischte sich mit den revolutionären Tendenzen. Das erreichte auch die Bauern.

Erster evangelischer Pfarrer Ulm

Erster evangelischer Pfarrer Ulm

Reformation in Oberschwaben

1542 setzt der evangelische Magistrat von Biberach den Pfarrer ab. Ulm sollte helfen, aber auch dort war man bereits mehrheitlich evangelisch. Sie schickten Truppen nach Ochsenhausen, damit dort ein evangelischer Prediger aus Ulm den Gottesdienst halten konnte. Die römisch-katholische Messe auf Latein wurde gar untersagt.

Die Reformation war in Oberschwaben angekommen und das ist auch der Grund, warum in vielen Städten die Kirchen evangelisch sind, während sie außerhalb eher katholisch bleiben. Der Abt von Ochsenhausen floh 1547 nach Augsburg, wo der Reichstag geführt wurde. Dort sprach der Kaiser Karl V. ein Machtwort und ernannte den Abt von Weingarten, Blarer, im Kloster Ochsenhausen zum neuen Abt.

Der Abt avancierte zum Anführer der katholischen Kirche in Oberschwaben. Er drängte die Reformation zurück, sodass auch Ochsenhausen katholisch blieb. Der evangelische Pfarrer wurde wieder von Ulm zurückgezogen, das Stift wurde dem Kaiser unterstellt. Blarer macht sich auch gegen die Juden stark.

Und ab dem Ende des 16. Jahrhunderts wurden die Einnahmen, geleistet von den entrechteten Bauern, für neue Gotteshäuser verwendet: Noch prächtiger, noch schöner und vor allem noch teurer. Der Barock war geboren, der für die katholische Geistlichkeit zum Leuchtsignal gegen die Reformation werden sollte.

Die Bauern in Oberschwaben begehrten nicht mehr auf, auch wenn sich für sie nur wenig geändert hatte. Erst im 18. Jahrhundert kommt es zu Veränderungen für den Stand.

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