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Leprosenhaus & Sepp-Mahler-Museum | Bad Wurzach

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Kurz vor der Stadt Bad Waldsee, liegt das Leprosenhaus – heute Ausstellungsräumlichkeiten, aber früher ein Haus für die Leprakranken.

Das Leprosenhaus steht an dieser Stelle auf dem Leprosenberg schon ein paar Jahrhunderte, wann es genau errichtet wurde, ist aber unbekannt. Gesichert, dank eines Dokuments, weiß man vom Leprosenhaus aus dem Jahr 1355. Der Ort als Auslagerungsplatz dürfte aber vermutlich älter sein.  Zum Gelände gehört ein Kräutergarten (der teils mal ein Friedhof für die Leprakranken war), ein Denkmal für die österreichischen Soldaten, eine barocke Kapelle und ein Kunstmuseum ist im Leprosenhaus.

Leprosenhaus Bad Wurzach

Leprosenhaus Bad Wurzach

Im Mittelalter, zu den Zeiten, als die Pest umging, errichtete man solche Gebäude, um die Leprakranken isoliert unterzubringen, weswegen es auch leicht außerhalb der Stadt liegt. Alle Personen mit übertragbaren Krankheiten wurden dort untergebracht. In Baden-Württemberg gab es über 190 solcher Leprakranken-Häuser.

Die Leprosenhäuser sind damals recht kostspielig gewesen, weswegen nur reichere Städte durch Stiftungen gutbetuchter Bürger, eine solche Institution hatten. In Bad Wurzach war es der Handel dank des Stadtrechts, der Geld und Leute in die Stadt brachte. Ungefähr 20 Jahre später hatte die Stadt das Leprosenhaus außerhalb der Stadtmauer. Ihre Position außerhalb der Stadt, machte sie zu Aussätzigen, die teils Schellen oder Glocken tragen mussten, damit man sie von Weitem erkennt.

Im Jahr 1696 wurde das Leprosenhaus abgerissen und wieder aufgebaut. Die Kapelle auf dem Gelände wurde fast 25 Jahre später im Stil des Barock erneuert. Das einstige Holzhaus hatte nun 15 Zimmer für die Kranken. Doch noch im 18. Jahrhundert wurde das Leprosenhaus-Projekt beendet. Fortan lebten hier die Torfstecher, wegen der Nähe zum Wurzacher Rieds. Das letzte Opfer der Lepra starb aber erst im ersten Drittel des 19. Jahrhundert.

In den 80er Jahren wurde das Gebäude renoviert und seit einigen Jahren finden sich hier immer wieder Ausstellungen. Zudem ist das Leprosenhaus ein Denkmal für die Medizingeschichte. Seine Geschichte ist dort ausgestellt.

Sepp-Mahler-Museum | Bad Wurzach

Das Gebäude ist zum Teil auch ein Museum für den oberschwäbischen Künstler Josef Mahler, genannt Sepp Mahler. Hier in seinem Geburtshaus entstand das Museum zu seinen Ehren im Jahr 1991. Er ging zu Anfang des 20. Jahrhunderts in Bad Waldsee zur Realschule und war Künstler und Lebemann. Er studierte in Stuttgart und lebte lange Jahre auch als Wanderarbeiter, wo er bis in die Türkei kam. 1933 wurden seine Arbeiten verboten. Er starb 1975 in Wangen.

Das Sepp Mahler Museum im Leprosenhaus bei Bad Wurzach zeigt Bilder, Linolschnitte und Grafiken des Künstlers.

Blutige Geschichte des Leprosenbergs | Leprakranke, Bauernkrieg und Hexenverbrennung

Neben den vielen Kranken, die vermutlich den Boden des Geländes mit ihren Leibern getränkt haben, hat der Leprosenberg viel Blut gesehen. Im Jahr 1525, zur Zeit der Bauernaufstände gegen den Adel und die Unterdrückung, kam es auf diesem Berg zu einer Schlacht.

Die Bauern, unter Florian Greisel (später Pfaff-Florian von Aichstetten) trafen hier auf den „Bauernjörg“, Georg III. Truchsess von Waldburg-Zeil, der für seine Grausamkeit gegenüber den revoltierenden Bauern bekannt war. Auf beiden Seiten standen sich an diesem Karfreitag jeweils rund 7.000 Männer gegenüber. Dem ging ein Schriftwechsel vorher, worin der Truchsess die Bauern aufforderte die Waffen niederzulegen. Er wollte eiligst nach Waldsee, wo seine Familie von den Bauernhaufen bedroht wurde.

Die Bauern jedoch, ohne militärische Ausbildung waren gegenüber den Soldaten des Schwäbischen Bundes im Nachteil und so verloren die Schlacht grandios. Georg III. startete den Angriff und die Bauern zogen sich ins Ried und zur Ach zurück. Ein Bauer, Hans Lutz, soll sich vor den Bauernjörg gestellt haben und bat um Gnade.  Doch als Verstärkung für die Bauern eintraf, verstärkten sich die Kämpfe. Die Truppen des Truchsessen standen verdeckt hinter dem Berg, samt der Kanonen. Er zog sich in die Burg in Wurzach (Altes Schloss) zurück, um die Bauern herauszulocken. Als sie kamen donnerten die Geschütze und die Bauern flohen allmählich. Georg III verfolgte die Flüchtigen. Es starben 40 Bauern im Gefecht, weitere 100 ertranken im Ried auf der Flucht. 400 Mann wurden gefangenen genommen.

Der Anführer der Bauern überlebte und floh über Gaisbeuren in die Schweiz. Der „Bauernjörg“ hingegen wurde für den Sieg ein Jahr später zum „Reichserbtruchsess“ geadelt.

Im selben Jahrhundert war auch die Hexenjagd auf ihrem Höhepunkt in Oberschwaben, was in den fünf Jahren nach 1575 42 Frauen das Leben kostete. Meist waren die Frauen im Besitz von Immobilien, sodass man ihrer los werden musste, um das Gelände zu erlangen. Frauen hatten nämlich keine Vertragsrechte. An sie soll das Arma-Christi-Kreuz erinnern.

Das Mittelalter forderte viele Opfer und nach dem Dreißigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert lebten in Bad Wurzach noch nicht einmal mehr 20 Personen.

Das Kriegsdenkmal für die Gefallenen des Österreichfeldzugs erinnert an die Zeit, als das Leprosenhaus ein Lazarett für Kriegsversehrten des Krieges von 1813 und 1814 war. Das Denkmal wurde 1867 vom Fürsten von Waldburg-Wurzach errichtet.

Adresse des Leprosenhaus Bad Wurzach

  • Ravensburger Straße 59
  • 88410 Bad Wurzach
  • Telefon: 07564 – 3626
  • GPS: 47.906084,9.883644
  • Homepage

Geöffnet ist das Leprosenhaus von

  • 1. April bis 31. Oktober
  • jeweils von Samstag, Sonntag und Feiertag
  • 14 Uhr bis 17 Uhr


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