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Kloster Zwiefalten | Barockstraße Oberschwaben

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Zwiefalten ist eine Stadt in Oberschwaben, welche schon am Rande der schwäbischen Alb liegt und dort im Tal, von den Bergen umgeben. Doch von Weitem sieht man schon die Zwiebeltürme des Klosters Zwiefalten, welches auf der Barockstraße Oberschwabens liegt.

Die Umgebung von Zwiefalten ist mit seinen Bergen auch für Wanderungen sehr interessant, doch das Hauptaugenmerk liegt auf den zwei Kirchtürmen des Klosters. Die umliegenden Gebäude und der groß angelegte Klosterpark gehören heute zu dem Krankenhaus Zwiefalten. Der Park ist mit seinen kleinen Brückchen und den zwei Bächlein, Zwiefalter Aach und Kessel-Aach, sind ebenfalls eine Sehenswürdigkeit und ein Ort der Entspannung.

Zwiefalten im Tal

Kloster Zwiefalten | Geschichte

Der Ort Zwiefalten wird im Jahr 904 als Zvivaltun erstmals erwähnt. Vermutlich ist der Name von den beiden Bächen, den Zuflüssen der Ach, zu verdanken.

Wir haben die Zeit des sogenannten Investiturstreits, bei dem es darum ging, wer die geistlichen Hirten einsetzen darf, der Papst oder der Kaiser. Es endete mit dem Gang des Heinrichs IV. nach Canossa 1077 – der Papst durfte fortan die Bischöfe und Kardinäle einsetzen.

Die papsttreuen Stifter dieses Klosters in Zwiefalten, Graf Kuno von Achalm-Wülflingen (Thurgau) und sein Bruder und Liutold von Achalm, stellten diese Einrichtungen unter den direkten Schutz des Vatikans. Sie hatten schon seit dem 10. Jahrhundert Ländereien in dieser Gegend.

Ein Zentrum derjenigen die für den Papst waren, Hirsau und der Stifter von Zwiefalten, Liutold, war mit dem Kloster Hirsau verbunden, von wo aus sich die Äbte bald aufmachten, die ‚Reformation‘ zu verwirklichen. Dort versicherte Heinrich der IV. 1075 deren Unabhängigkeit von weltlichen Herrschern. Theoderich, der Sohn des Grafen Kuno, wurde Prior in Hirsau und Abt in Petershausen (Konstanz).

Doch war die Familie nicht so einheitlich in ihrer politischen Ansicht. Werner, der Bruder von Kuno und Luitold, der Bischof von Straßburg, war dem Kaiser treu ergeben. Er hatte sein Amt schließlich vom Kaiser bekommen. Bischof Werner von Straßburg war mit Luitold von Möpelgard und entfernt mit dem Erzbischof von Ravenna verwandt. Er war sogar mit dem Kaiser in Canossa beim Kniefall. Ihn störte vor allem das geplante Zölibat. Doch war ihm das Glück nicht hold. Bei einem Feldzug gegen Hirsau im Jahr 1077 bekämpfte er die Macht des Papstes erfolglos und er fiel schließlich 1079 in einer Schlacht bei Pforzheim.

Mit zwölf Mönchen und fünf Laien gründete sich der Konvent im Jahr 1089 als Orden der Benediktiner, ein Bettelorden. Das Kloster aber war noch bis 1109 eine Baustelle. Die Stifter verzichteten auf alle Rechte bezüglich des Klosters und somit hatte es das Recht den Vogt abzusetzen; „libertas monasterii“.

Das Kloster wird 1093 erwähnt, wobei der Papst Urban II. und der Fürstentag zu Rottenacker deren Privilegien bestätigten. Der Vogt wurde der Herzog Welf IV. Im Jahr 1095 bekommt Zwiefalten seinen ersten Abt, Wilhelm. Inzwischen hatte man ein Schreibzimmer (Skriptorium) mit einiger Literatur geschaffen. Viele der damaligen Schriften sind erhalten geblieben, darunter Urkunden, Briefe und Chroniken. Eine davon bezeugt den Besuch der Abtissin in den 70er Jahren des 12. Jahrhunderts. Es gab nämlich auch enge Beziehungen zum Damenstift für den Adel, die ein Nonnenkloster im Jahr 1111 stifteten. Dieses Frauenkloster wird letztmalig 1358 erwähnt.

Dieser Bau war eine Pfeilerbasilika im Stil der Romanik. Drei Schiffe stützten den Langbau. Damals hatte man nur einen Turm.

Das Kloster hatte inzwischen Besitzungen erworben die in ganz Schwaben verteilt lagen, bis nach Metzingen und auf der Alb, sowie am Neckar und in der Schweiz.

Doch die dem Kloster wohlgesonnenen Personen starben nach und nach aus, wie der Graf von Berg, die Herren von Steußlingen, die viel Gut an das Kloster Salem abtraten, und nicht zuletzt die Welfen. Damit fehlte dem Kloster vor allem ein Vogt und es entstand ein Streit darüber – zumal weil das Kloster ja die Macht hatte den Vogt abzusetzen.

Die Abtei übertrug 1303 den Vogtstitel an die Habsburger, doch die waren daran wenig interessiert und übergaben sie illegal 1365 teilweise an den Grafen von Württemberg. Bis zum Jahr 1491, wo ein Vertrag dererlei Sachen regelte, blieb dies so. Und das, obwohl bereits 1422 die Habsburger als Vogtei erneut bestimmt wurden. Die Grafen von Württemberg, die bald Herzoge werden, wollen Zwiefalten in deren Klöster inkorporieren.

Im 15. Jahrhundert, vor allem unter Abt Georg Fischer, entstehen Bibliothek und das Krankenhaus, und es werden Theologen zur Lehre zur 1477 gegründeten Universität in Tübingen entsandt. Zu der Zeit und mit diesen Mitteln ausgestattet, erlebte Zwiefalten und das Kloster einen kulturellen Aufschwung, vor allem auch im musikalischen Bereich. Durch den Zukauf weiterer Ländereien, war das Kloster im Stande fast den ganzen heutigen Kreis Reutlingen, zu dem es gehört, zu kaufen. Herr der Ländereien war aber offiziell nicht das Kloster, sondern die weltlichen Herrscher wie Grafen und Herzöge.

Während des 16. Jahrhunderts ist man offen gegenüber der Reformation. Dennoch blieb man katholisch. 1525, während der Bauernkriege in der Region, wurde das Kloster geplündert. Grund hierfür war auch, dass das katholische Kloster in einem nunmehr eher protestantischen Gebiet stand. Erst über 200 Jahre später kaufte sich das Kloster frei. In diesem Sinne gründete man 1603 die oberschwäbische Benediktinerkongregation.

Es folgte der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648, der auch Zwiefalten in Mitleidenschaft zog. Dazu kam, das die Pest wütete und die Region entvölkerte.

Erst 1696 entscheidet sich das Kloster selbst das Amt des Vogts zu übernehmen und im Jahr 1750 sollten sie die Reichsfreiheit bekommen. Nach und nach verliert aber Zwiefalten seine Ländereien bis 1750.

Barockisierung des Klosters Zwiefalten

Ab dem 17. Jahrhundert, nach dem Krieg und der Pest, begann die Barockisierung des bis dahin spätgotischen Klosters. Im Jahr 1668 wird binnen fünf Jahren der Westflügel gestaltet und eine Schule gebaut. Der Abt Christoph Rassler war Professor der Universität Salzburg und zieht Schüler an, was eine große Schule braucht. Von ihm scheint der Plan für das gesamte Ensemble zu stammen. Er beauftragte damit den Baumeister Tommaso Comacio. Der Südflügel wird der Dreh- und Angelpunkt der Anlage. Der Westflügel auf rund 125 Meter Länge soll in der Symmetrie der Gebäude aufgehen. Die Giebel reichen bereits in den Stil der Renaissance. Der Eingang zur Kirche verliert an Dominanz und befindet sich nun im Mittelschiff. Im nördlichen und östlichen Teil des Trakts entsteht ein Arkadengang. Zur Markierung hatte er eine Baum auf die Ecke pflanzen lassen, wo der Bau angeschlossen werden soll. Es folgt der Holländische Krieg.

Ab 1684 bis 1688 erfolgt der 82 Meter lange Ostflügel, samt der Marienkapelle und die Bibliothek. Der Bauherr ist der Abt Johann Martin Leutz, er hält sich an die Vorgaben seines Vorgängers und verlagert für den Bau sogar einen Arm der Zwiefalter Ach etwas nach Osten. Der Baumeister ist der talentierte Michael Thumb, der auch beim Bau in Birnau oder beim Münster Marchtal seine Fähigkeiten unter Beweis stellte. Daher gibt es auch eine gewisse Ähnlichkeit mit Marchtal. Es entsteht eine Verbindung zum Querschiff, die aber 1742 wegen des neuen Chors entfernt wird. Der Ostflügel wird eine Kopie des Westflügels, der 1686 bezugsfertig ist. Die nächsten zwei Jahre entsteht der Eckflügel mit dem Kapitelsaal über zwei Etagen und einer neuen Bibliothek.

Doch nun folgt Krieg zwischen Frankreich und der Pfalz und so muss die Fertigstellung verschoben werden. Eines der Opfer des Krieges wird das Kloster Hirsau.

Ab 1693 bis ins Jahr 1700 werden der Südflügel und das Zwischengebäude fertiggestellt. Wieder Symmetrie, unter der Dominanz der Westseite. Dieses Mal schafft es Franz Beer, der Beispielsweise im Kloster Salem, Kloster Sießen, Schloss Sigmaringen, Kirche Bad Wurzach, Kirche Erbach oder auch im Kloster Leutkirch seine Spuren hinterließ. Beer baut auch den Pferdestall (Marschall). Die Kirche erhält eine Reihe von Kapellen und sechs Altäre zusätzlich.

Die Zwiebelhauben und der zweite Turm werden ebenfalls unter Beer gebaut. Geplant ab 1709 ändert man von 1735, wegen des Widerstands des Konvents, bis 1738 die Planung. Erst 1740 macht man sich an den Umbau der eigentlich fast neuen Kirche. Der Abt Augustin Stegmüller und der Abt Benedikt Mauz lassen bis den Meister Johann M. Feuchtmayer und Franz Joseph Speigeler antreten. Bis 1765 entstehen auch Verzierungen im Stil des Rokoko.

Die Pracht lockt im nächsten Krieg, zu Zeiten Napoleons, die Soldaten zum Kloster und es gibt immer wieder Druck auf das Kloster.  1802 erhält Württemberg das Kloster Zwiefalten als Entschädigung. Daher lässt der neu ernannte König von Württemberg alles von Wert abtransportieren. 1806 kam schließlich durch die Aufklärung das Ende des Klosters und die „königliche Landesirrenanstalt“ entstand.

Kunstwerke im Münster Zwiefalten

Im großen Innenraum sieht man den Hochaltar und mehrere Nebenaltare. Auch das Deckengeschehen ist sehr schön gemacht und mit Stuck umrahmt. Es gibt hierin unzählige Kunstwerke, deren Beschreibung den Beitrag sprengen würden. Man muss es sich eben selbst ansehen 😉

Zu den Hauptattraktionen, neben dem Stuck, den Marmosäulen und den Kapitellen (Säulenabschlüsse), zum Beispiel die Kuppel des Langhauses. Der optische Effekt soll, genau wie in der Apsis, zur Vergrößerung beitragen. Die Fresken innerhalb der Stuckverzierungen zeigen beispielsweise das Leben der Maria dar. Gemalt und gestaltet von Franz Joseph Speigeler. Ein anderes Highlight ist die Figur von Maria von 1450 von Michael Erhart und barockisiert von Johann Joseph Christian. In der Apsis befindet sich von diesem Künsterl auch die Ezechiel Gruppe entlang der PFeiler im Langhaus. Der Prohet Ezechiel selbst zeigt sich auf einem Haufen Totenschädel, ein Symbol dessen dass Gott über Leben und Tod entscheidet.

Bilder zum Kloster und zum Park in Zwiefalten | Oberschwaben

Adresse des Münster Zwiefalten

  • Innenstadt (Kaum zu übersehen)
  • 88529 Zwiefalten
  • GPS: 48.232698, 9.461248

Offizielle Seite der Stadt Zwiefalten zum Kloster


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