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Kloster Habsthal in Oberschwaben

Das Kloster Habsthal ist eines der ältesten in Oberschwaben und blickt auf reiche Geschichte zurück.

Die Geschichte der Ortschaft Habsthal ist durchweg mit dem Kloster Habsthal verbunden. Das Kloster feierte 2009 sein 750-Jahr-Jubiläum. Das Kloster ist mehrfach eingebunden, so ist es Teil der Oberschwäbischen Barockstraße und des Oberschwäbischen Pilgerwegs, zu der beispielsweise auch die Kirche in Unlingen gehört. Auch Pilgernde des Jakobswegs schauen hier gerne vorbei.

Kloster Habsthal

Geschichte der Ortschaft Habsthal

Der kleine Ort liegt im Ostrachtal, welcher erstmals 1259 erwähnt wurde. Damals hatte der Pfalzgraf Hugo von Tübingen dem Frauen-Konvent in Mengen den Ort geschenkt. Der Flecken Erde in Oberschwaben wurde im Mittelalter nicht anders genannt, nur leicht anders geschrieben: Habstal. Der Graf war besorgt um das Seelenheil seiner Vorfahren und erhoffte sich von der Überschreibung, einen Weg aus dem Fegefeuer.

Der Konvent errichtete danach das Kloster in Habsthal, also noch im selben Jahr. Die Versammlung der Dominikanerinnen aus Mengen wurde nach Habsthal verlegt.

Beginn des Klosters Habsthal

Die Dominikanerinnen waren zunächst ein Beginenkonvent in Mengen, ähnlich dem Kloster Reute bei Bad Waldsee. Sie kümmerten sich um Arme und Kranke. Sie lebten im damaligen Amtshaus, dem heutigen Gasthof Lamm. Sie wurden durchaus geehrt und bekamen Anerkennung.

Im Jahr 1257 übertrug der Bischof von Konstanz, Eberhard II von Waldburg, dem Konvent die Regeln des Augustinus, die auch vom Orden der Dominikaner übernommen wurde. Im Grunde bestanden diese aus Armut, Enthaltsamkeit und Unterordnung. Trotz des Armutsgelübdes der Dominikanerinnen war das Kloster von Beginn an recht wohlhabend und sollte im Laufe der Jahrhunderte zudem noch reich an Ländereien werden. Die Dominikanerinnen stammten vor allem aus adeligen Familien der Region.

Zwei Jahre später fanden die Frauen auch einen Stifter für die Erbauung des Klosters. Pfalzgraf Hugo IV. von Tübingen und König Rudolf I. von Habsburg stifteten Land. Damaliger Vorstand des Beginenorderns war der Dominikanermönch Joannis aus Ravensburg.

Mit der Verortung in Habsthal, 1259, hatte man die Dominikanerregeln übernommen. Die Aufgaben des Klosters bestanden vor allem in der Seelsorge. Es blieb bis zur Säkularisierung im Jahre 1806 ein Nonnenkloster, jedoch änderte sich im 19. Jahrhundert die Ordenszugehörigkeit.

Im Jahre 1276 erfuhr das Kloster mit dem Gnadenbrief erneut Aufschwung. Der König Rudolf I. von Habsburg erlaubte dem Kloster Habsthal, gesiegelt vom Kaiser, Güter zu verleihen – mit einer finanziellen Obergrenze. Der damalige Vogt, der Pfalzgraf von Tübingen, wachte über das Kloster.

1281 bekam das Kloster die Ortschaft Enzkofen von Graf Mangold von Nellenburg für Heinrich Ramunch überschrieben. Dieser hatte es von seinem Vater geerbt. Schon ein Jahr später folgte ein Gut in Jettkofen, 1287 übereignete der Graf von Montfort aus Scheer ein Gut in Repperweiler. 1299 teilten sich das Nonnenkloster Sießen und das Nonnenkloster Habsthal einen Hof in Husen, wobei sie nur die Erträge wollten. Doch sollten ähnliche Verträge 1674 zwischen den beiden Klöstern für Streit sorgen. Und zum Ende des Jahrhunderts bestätigte der Herzog von Österreich die Freiheit über deren Haus in Mengen.

Auch in den folgenden Jahrhunderten ging es fast nur weiter bergauf für das Kloster Habsthal. 1302 bekamen sie mehr Rechte und 1368 weitere Pachterträge als Stiftungen von einem Hans Huber aus Pfullendorf. Einige Dekaden später gab es auch Güter von Burkart Gloggner aus Wangen, der im Kloster Zuflucht fand. Aber im 14. Jahrhundert, genauer im Jahr 1363, brannte das Kloster teilweise nieder. Durch die vielen Einnahmen konnte das Kloster schon im nachfolgenden Jahr wieder eingeweiht werden; zu Ehren der Heiligen Maria, des St. Stephan, des St. Dominikus und des St. Nikolaus. Und man konnte auch wieder Güter erwerben und kaufte 1423 eine Wiese bei Krauchenwies, später auch Höfe bei Salem. Im Jahr 1501 stiftete Baron von Hornstein eine Kapelle samt Altar.

Inzwischen hatte die Aufgabe des Vogts, also die Schirmherrschaft über das Kloster, gewechselt. Im Jahr 1275 ging es an die Grafen von Montfort. Dann ging es 1460 an Sigmaringen und wenig später an die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg, die 1479 die neuen Gebote und Verbote des Konvents genehmigten. Im 16. Jahrhundert ging die Herrschaft über das Kloster wieder auf die die Grafschaft Sigmaringen über, welche ab 1535 von den Hohenzollern übernommen wurde (Hohenzollern-Sigmaringen). Zu den Rechten dieser Herrscher gehörte auch ein Vetorecht bei der Wahl des Klostervorstandes, der sogenannten Priorin. Sie wiederum hatte nur die niedere Gerichtsbarkeit im Hoheitsgebiet des Klosters, also Habsthal, Rosna und Bernweiler. Währenddessen die hohe Gerichtsbarkeit bei den Schirmherren lag. Die Hierarchie war damit klar, der Adel stand über dem Kloster.

Darüber hinaus hatte zumindest der Bischof mit der Disziplin im Konvent ein Problem und rief zur Ordnung. 1521 erließ er neue und striktere Regeln für das Kloster, was den Konvent jedoch wenig beeindruckte. Es gab auch weiterhin Partys im Kloster, denn man unterstand eher den weltlichen Herrschern.

Die vielen Besitztümer sorgten aber auch für Streitigkeiten. So ist von 1550 eine Klageschrift überliefert, in der der Pfarrer von Hohentengen Forderungen gegen die Klöster Heiligkreuztal, Habsthal, Hedingen und die Stadt Mengen stellte und gewann. Doch gab es noch mächtigere Streitgegner für das Kloster.

Das Kloster hatte die Regel sich der weltlichen Macht unterzuordnen, doch welcher? Denn es gab zwei! Einerseits das inzwischen groß gewordene Haus Hohenzollern-Sigmaringen und andererseits den unbestrittenen König von Habsburg in Österreich. Erste Konflikte offenbarten sich 1575. Der Graf Karl I. von Hohenzollern verbot dem Kloster Habsthal einen Prozess gegen Rottweil zu führen. 1590 war es dann dennoch soweit, wobei aus den Urkunden kein Grund für die Klage hervorgeht. Jedoch das Urteil, wonach das Kloster Habsthal gewann. Die Herrschaft über das Kloster tendierte zum Schluss des Reichs nach Österreich. Später ging es um Jagdrechte.

Das Kloster Habsthal im und nach dem Dreißigjährigen Krieg

Im Dreißigjährigen Krieg wurde auch dieses Kloster nicht verschont, es kam zur Plünderungen und Tributforderungen. Dies überforderte die Nonnen, sodass sie – erstmalig im Leben des Bettelordens – tatsächlich betteln mussten.

Nach dem Krieg änderte sich im Kloster so einiges. Unter anderem waren fortan mehr Laien untergebracht. Die Anzahl der Adeligen sollte stetig schwinden. Zudem musste das Kloster in weiten Teilen renoviert werden, denn die Gebäude waren baufällig geworden. So brach man 1680 die Kirche und andere Gebäude ab, die man anschließend wieder im Stil der Zeit – des Barocks – errichtete.

So entstand das heutige, barocke Antlitz des Klosters als geschlossene Vierflügel-Anlage auf drei Etagen. Das ursprüngliche Klostergebäude aus dem 13. Jahrhundert war nach dem Vorbild des Kloster St. Gallen errichtet worden, wobei diese Anlage ebenfalls vier Flügel hatte. Es war im Stil der Spätgotik gebaut worden. Finanziert hatte man den Neubau mit Landverkäufen, so auch 1661 und 1665 zugunsten des Klosters Inzigkofen.

Doch die Situation des Klosters sollte sich bald wieder verbessern – so sehr, dass man den größten Landbesitz in der Geschichte sein Eigen nennen konnte. Zu Bestzeiten waren es Güter in 26 Gemeinden und die Gesamtfläche, so Schätzungen, hatte sich um 78 Prozent erhöht. Die ökonomischen Fähigkeiten wurden sogar vom Kirchenamt aus Konstanz gelobt.

Schon zum Ende des 17. Jahrhunderts, vor allem aber zu Beginn des 18. Jahrhunderts, kaufte oder erwarb das Kloster viel Land: 1697 in Ursendorf, 1700 in Zielfingen, 1709 in Langenenslingen, 1716 am Völlkofer Weiher, 1752 in Hohentengen, 1798 in Eichen und man hatte Geld an die Hohenzoller verliehen – aber nicht nur an die.

Zeitweise ging man wohl auch recht ruppig mit Schuldnern um und ließ sie gefangen nehmen, auch blieb man stur, wenn diese Witwen waren. Und es gab wieder einige Streitereien mit Bürgern, weil sie sich übergangen fühlten. Zeitweise verweigerte man selbst aber auch die Zahlung, wie an die Herrschaft Scheer. Mit denen legte man sich des Öfteren an. So umzäunte das Kloster Weiden oder baute Dämme zum Fischen.

Säkularisierung des Klosters Habsthal

Der ersten Welle der Säkularisierung entging das Kloster, da es inzwischen den Habsburgern unterstand, während das Haus Hohenzollern-Sigmaringen zum Rheinbund gehörte. Aber 1806 war es dann soweit, denn das Gebiet fiel an Sigmaringen.

Die Frauen wurden in die Rente geschickt, durften aber weiterhin dort leben. Es entstand eine Schule für Mädchen, die aber 1810 wieder schloss. Der Konvent folgte dem Schicksal 30 Jahre später. Aus den Gebäuden des Klosters wurden Bildungshäuser und es wurde auch als Gefängnis genutzt. Teile des Areals wurden 1886 abgerissen.

1892 kamen die Benediktinerinnen aus Hermetschwil aus der Schweiz nach Habsthal und eröffneten das Kloster wieder. Seit dem ist es ein Benediktinerinnen Kloster “Unserer Lieben Frau Habsthal”, jedoch sank auch hier die Zahl der Nonnen in den letzten Jahren.

Kunst und Barock im Kloster Habsthal

Über die Jahrhunderte legte sich das Kloster nicht nur Ländereien zu, sondern auch eine Reihe von hochwertigen Kunstgegenständen. Beeindruckend ist zudem die barocke Architektur. Zu den Sehenswürdigkeiten im Kloster zählen:

  • Kirche St. Stephan: Mittelalterlicher Kern, barockisiert 1680 von Jodukus Beer. Renoviert von Joseph Anton Feuchtmayer, dem Meister seiner Zeit.
  • Stuck und Malerei von Joseph Anton Feuchtmayer.
  • Barocke Ölbergkapelle (17. Jahrhundert).
  • Josephskapelle (1920).
  • Lourdeskapelle (1892).
  • Zehntscheuer (1712).
  • Brauhaus (18. Jahrhundert).
  • Deckenfresko in der Kirche von Gottfried Bernhard Göz.
  • Marien- und Katharinabilder von Joseph Spiegler (1747).
  • Hochaltar mit Bild des Abendmahls und Figuren (1750).
  • Altarblätter von Matthäus Zehender (1691).
  • Refektorium & Kapitelsaal im Stil des Spätbarock.
  • Gotisches Nordportal des Vorgängerbaus.

Das Kloster war darüber hinaus Drehort der Dokumentation “Silentium”, ein Bericht über das Leben im Kloster von 2013.

Wo befindet sich das Kloster Habsthal

  • Klosterstraße 11
  • 88356 Ostrach-Habsthal
  • Homepage

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