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Kirche St. Johannes Baptist & Geschichte von Ailingen

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Die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer (Baptist) und die Rosenkranz-Kapelle in Ailingen zeigen noch Element der Gotik. Ailingen war im Mittelalter wohl ein Anlaufpunkt für die Missionierung in Oberschwaben.

Von der Geschichte der Ortschaft Ailingen – nördlich von Friedrichshafen – und deren Kirche, die im zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde.

Sankt Johannes Baptist Ailingen

Geschichte von Ailingen

Die Stadt Ailingen östlich der Rotach wuchs erst in der Moderne zusammen, zuvor waren es vor allem Ober- und Unterailingen. Der Ort wird im Mittelalter erstmals 771 erwähnt, als „Villa Ailingas“ – was vermutlich auf eine Person hinweist. Zeitgleich war der Name „Villa Publica“ im Umlauf, also öffentliche Stadt. Ailingen war also für die Öffentlichkeit von Bedeutung. Ab dem Jahr 1255 ist der Ort auch als „Ailingen superiori“ (höheres Ailingen) beschrieben.

Vermutlich lebten aber schon vor dem 8. Jahrhundert Menschen an diesem Ort. Denn im 9. Jahrhundert lebten etwa 100 Personen in Ailingen. Außerdem befand sich in dem Ort eine Pfarrei, was auf hohen Einfluss hindeutet. Damit dürfte hier auch schon früh eine Kirche gestanden haben. Offenbar gab es einen religiösen Anzugspunkt, der heute vergessen ist. Es könnte sich dabei um eine Missionierungszentrale gehandelt haben, da zu dem Zeitpunkt die meisten Menschen wohl noch die alten Göttern anbeteten.

Im Jahr der ersten Erwähnung geht es um eine Schenkung an das Kloster St. Gallen. Der Priester Hymmo, Sohn von Weiland Deotperd übergibt dem Kloster 771 seine gesamten Besitztümer – inklusive Ailingen und eine Familie in Leibeigenschaft aus dem Argengau. Auch ein Ort namens Scuzna (Schussen) war dabei, den es heute nicht mehr gibt. Im selben Jahr wird auch Lottenweiler erstmals als Lothinwilare erwähnt. Das Kloster Lorsch hatte zu dieser Zeit ebenfalls Besitzungen hier

Im Jahr 817 bekommt das Kloster St. Gallen noch mehr Land in der Ecke, von einem Petto. 875 schenkte der König Ludwig dem Geistlichen Baldinc Land, samt darauf lebenden Unfreien. Das betraf Güter in Alemannien, im Lingau und Orte der Grafschaft Ulrichs (?). Diese Orte sind Trutzenweiler, Appenweiler und Ailignen, welche Baldinc (Paldinc oder auch Baldung) vier Jahre später dem Kloster St. Gallen übergibt. 844 wird auch der Ort Wiggenhausen (Wickinhusa) genannt.

Erst im 12. Jahrhundert gibt es dann wieder urkundliche Eintragungen zu Ailingen. 1137 wird Bunkhofen (Kuvinkovin) erwähnt und zum Ende des Jahrhunderts wird auch ein Ortsadel erwähnt, denn es gab einen neuen Besitzer: Die Grafen von Habsburg (Österreich). Die Ritter von Ailingen waren Ministeriale (Dienstmannen) des Grafen von Habsburg, der später König werden sollte.

Graf Rudolf schenkte bereits 1198 Güter seines Ministerials Werner von Ailingen (inklusive der Orte Hirschlatt und Ittenhausen) an das Kloster Kreuzlingen und 1260 den Besitz der Ailinger Kirche dem Kloster Löwental. Der Adel von Ailingen findet sich letztmalig 1291 als Zeuge. Auch das Kloster Weingarten bekommt ein paar Güter – um seines Seelenheils willen von Heinrich von Ravensburg 1246.

Zur Mitte des 13. Jahrhunderts gibt es offenbar noch Streitigkeiten mit dem Edelfreien Werner von Raderach, mit dem Beinamen Gnifting. Sein Haus, das geliehen war, war Pleite und so verkaufte man sein Hab und Gut – vor allem an das Kloster Salem. 1252 wird bekundet, dass die Angehörigen des Klosters Weingarten vor Werner von Raderach abhauen dürfen. Vielleicht war dieser mit dem Preis seiner Erlöse nicht einverstanden oder wechselte zum Raubrittertum. Noch im selben Jahr wurde vertraglich geregelt, dass von Raderach das gesamte Gut der Söhne und Töchter Weiland Konrads von Briachs bekommen sollte, wenn diese sterben. Dafür sollte er von Ailingen ablassen. Aber erst 1291 verkauft Werner von Raderach (Radiray) dem Kloster Salem das Eigentumsrecht – die Burkhard von Ailingen (Aelingen), sowie weitere Lehen für symbolische zwei Mark Silber.

Wegen der Kirche gibt es im Hochmittelalter einigen Ärger. Der Burkhard von Hohenfels streitet mit dem Kloster Löwental um das Patronat der Kirche in Ailingen. 1298 soll der Chorherr aus Konstanz den Streit schlichten. Im Jahr 1326 inkorporiert das Kloster die Kirche in Ailingen. Das bedeutete, dass der Pfarrer in deren Auftrag arbeitete, Fürbitten hielt (was bezahlt wurde) und dass Ailingen offenbar auch ein gewisses Prestige besaß. Das ließen sich die Menschen des 14. Jahrhunderts nicht einfach so bieten und es kam erneut zu Streit – beispielsweise, wer den Pfarrer bezahlen sollte.

Aber Ailingen wuchs, 1353 zählte man etwa 500 Einwohnende mit 140 Häusern. Zum Vergleich: Laimnau besaß damals 100 Häuser und Eriskirch 16. Die Herrschaft hatte der Graf von Heiligenberg inne. Doch verlor der Ort offenbar seine Bedeutung und um 1500 herum, gehörte Ailingen zur Landvogtei der Habsburger. Man war mit Fischbach zusammengelegt worden. Dabei blieb es bis 1805.

Seit 1805 gehört es zu Württemberg und seit 1825 war Ailingen wieder ein eigenständiger Ort. Vor dem zweiten Weltkrieg mit Berg zusammengelegt und nach dem Krieg wurde Ailingen bei Friedrichshafen eingemeindet. Inzwischen wohnen dort über 7.000 Personen.

Der Krieg brachte dem Ort vor allem Bombentrichter – rund 900 zählt man innerhalb des Gemeindegebiets. Der Grund dürfte wohl sein, dass die Bomber der Alliierten die Last fallen lassen mussten – egal ob man etwas in Friedrichshafen getroffen hatte. Nur so konnten sie zu ihren Stützpunkt zurückfliegen.

Turm St Johannes Ailingen

Kirche St. Johannes Baptist – der Täufer

Es muss, wie oben beschrieben, schon vor dem 8. Jahrhundert eine Kirche in Ailingen gestanden haben. Allerdings ist unklar wo. Die Kirche in Unter-Ailingen wird zuerst erwähnt. 1260 als das Patronat an das Kloster Löwental ging, dafür wird eine neue Kirche gebaut. Der damalige Bau war vermutlich eine sogenannte Chorturmkirche. Darauf weisen noch unverputzte Elemente im unteren Teil. Gut möglich, dass es eine Wehrkirche war, wo auch der Adel seinen Sitz hatte.

Im 15. Jahrhundert entsteht eine neue Kirche im Stil der Spätgotik, wovon der heutige Turm noch zeugt. Er steht allerdings auf dem Fundament des alten Turms. Doch der Turm sollte höher sein als der alte und erreicht derart 42 Meter. Die Kirche wurde 1533 geweiht.

Im Jahr 1625 errichtete man ein größeres Langhaus, das aber einschiffig blieb, und im selben Jahr baute man die Rosenkranz-Kapelle, die der Kirche angeschlossen ist. Der Grund dürfte die Ausbreitung der Pest während des Dreißigjährigen Krieges gewesen sein.

Die Strahlenmonstranz aus der Augsburger Schule stiftete ein Pfarrer des 18. Jahrhunderts und 1789 malte Andreas Brugger das Deckenfresko, auf dem Maria für die Menschen bittet. Im 19. Jahrhundert wurde das Langhaus erweitert und im darauf folgenden Jahrhundert musste es ob der Kriegsschäden abgerissen werden.

Der ursprünglich neugotische Altar wurde dabei entfernt und danach teilweise wieder eingerichtet. Äußerlich blieb nur der Turm und die Kapelle stehen. Daher findet sich heute eine moderne Hallenkirche an dieser Stelle, die doppelt so viele Gläubige fasst als zuvor. Die Kirche wurde 1959 eingeweiht und sie ist Grabstätte vieler Menschen aus der Gegend.

Wo befindet sich die Kirche St. Johannes der Täufer (Baptist) in Ailingen?

  • Ittenhauser Straße
  • 88048 Friedrichshafen-Ailingen
  • Telefon: 07541 – 6033940
  • Gemeindehomepage
  • GPS: 47.687388, 9.489409

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