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Geschichte der Kelten in Oberschwaben | Kurzüberblick

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Die Kelten waren ein langer Teil der Geschichte Oberschwabens und ich möchte hier diesen Teil der antiken Geschichte der Region Oberschwabens im Überblick darstellen.

Die Kelten haben viele Relikte ihrer Existenz in Oberschwaben zurückgelassen. Vor allem Grabhügel, aber auch Burganlagen und Vierecksschanzen (viereckige Konstruktionen als Gutshöfe), sind offenkundige Zeugen der Zeit der Kelten. Man muss nicht bis nach Ägypten fliegen, um festzustellen, über welche Techniken und kulturellen Errungenschaften die Menschen in der Antike bereits verfügten. Wegen der Präsenz der Kelten in Oberschwaben lohnt es sich, etwas Licht auf das rätselhafte Volk zu werfen.

Keltische Heuneburg Hundersingen

Hier in Oberschwaben findet man viele Zeichen der Kelten, meist versteckt in Wäldern und auf Feldern und ebenso auf Bergen und Anhöhen! Diese Fundstellen kann man sehr gut erwandern und findet dabei noch weitere Sehenswürdigkeiten Oberschwabens.

Geschichte der Kelten in Oberschwaben | Allgemeines

Zur besseren Erklärung sollte man verstehen, dass die Kelten keine einheitliche Kultur darstellten und schon gar kein Gebilde, wie unseren Staat.  Die Kelten waren ein Konglomerat verschiedener Stämme und Clans, die auch gegeneinander Krieg führten. Krieg gehörte genauso zum Keltenbild, wie die Metallverarbeitung oder die Religion. Nur ein einziges Mal versammelten sich viele Kelten unter Vercingetorix (übersetzt aus dem Keltischen: Kriegerkönig) im Kampf gegen die Römer und sie verloren dramatisch bei Alesia 52 n. Chr., von da an waren die Kelten eine Provinz des Römischen Reichs, das heute vor allem in Frankreich liegt.

In Oberschwaben wurden die Kelten schon ein halbes Jahrhundert vor Christi Geburt besiegt. Die damals hier lebenden Keltenverbände. Bekannt sind die Helvetier in Südwestdeutschland, sie waren den Römern ein leichtes Spiel. Welchem Verband zugehörig die Kelten aus Bad Waldsee waren, ist unbekannt – aber vermutlich auch zu den Helvetiern.

Die Kelten waren von Spanien bis in die Türkei, von den Britischen Inseln bis nach Norditalien, vertreten. Man sprach von den Kelten ab dem 8. vorchristlichen Jahrhundert bis zum 1. nachchristlichen Jahrhundert . Sie expandierten von einem Gebiet ausgehend, das von Böhmen über den Bodensee bis in die Schweiz reichte, bis zu den erwähnten Ausmaßen. Also war Oberschwaben im Zentrum dieser Kulturregion der Kelten.

Vom 8. Jahrhundert bis zum 5. Jahrhundert vor Christus spricht man von der sogenannten Hallstatt-Zeit. Ab dem 5. Jahrhundert vor Christus redet man von der Latène-Zeit. Die Unterschiede findet man in der Kultur der Kelten, in puncto Kunst oder Kriegsführung.

Die Hallstattzeit gilt als der Beginn der Keltenepoche, die sich vermutlich aus der Urnenfelderkultur entwickelte. Die Kelten gelangten über Auswanderungen bis in die heutige Türkei im Osten und im Westen über das heutige Frankreich bis zur iberischen Halbinsel. Auch die Poebene in Norditalien war jahrhundertelang keltisches Gebiet.

In der Zeit des 7. vorchristlichen Jahrhunderts in der Geschichte Oberschwabens, gingen die bäuerlichen Siedlungen in Höhensiedlungen über, auch um vermutlich dem Bevölkerungswachstum gerecht zu werden und sich besser verteidigen zu können. Diese Entwicklung wurde in den nächsten Jahrhunderten wieder aufgegeben und anschließend wieder aufgenommen.

Leider hatten die Kelten keine Schrift, so weiß man recht wenig über sie. Nur durch Ausgrabungen und aus antiken griechischen oder römischen Schriften, kann man sich ein Bild des Kulturbundes der Kelten machen, die vermutlich als wichtigstes gemeinsames Merkmal die Sprache hatten.

Das Wissen wurde meist durch Gesänge behalten und das erinnert an den Sing-Sang Dialekt der Badener und auch das Französisch hat seine keltischen Einflüsse, in Wort und in Melodie? Sprachlich hieß „eins“ wohl „oinos„, das im französischen „un“ und im schwäbischen „oins“ weiterlebt. Das Schwäbisch hat meiner Meinung nach viel der Kelten beibehalten, doch das müsste noch erforscht werden.

Auch die Flüsse und Gebirge tragen oftmals ihren urkeltischen Namen noch mit, wie zum Beispiel der Gott und Fluss „Donar“. Die Alpen haben auch einen keltischen Ursprung, „alp“ war das keltische Wort für weiß und wer den Blick aus Oberschwaben auf die Alpen kennt, kann das nachvollziehen. Es gibt noch weitere Beispiele, deren Aufzählung hier zu viel werden würde.

Kelten im Wandel der Zeit

Die Kelten durchlebten verschiedene Änderungen, so wandelte sich der Stil von der Hallstattzeit zur Latène-Zeit (benannt nach den Fundorten). Auslöser dieser Entwicklungen können mannigfaltig sein, zahlreiche Thesen gibt es dazu. Der Druck von Norden – den germanischen Stämmen, aus Süden von den Römern und das Bevölkerungswachstum können Gründe sein. Aber auch gesellschaftliche Veränderungen, die man auch durch andere Grabbeigaben belegen kann, haben stattgefunden. Gräber der späteren Zeit sind nicht so reichhaltig ausgestattet, wie zuvor. Gab es einen Aufstand gegen die reichen Grabbeigaben?

Auch Krankheiten werden in diesem Zusammenhang diskutiert. Ein Grund hierfür liegt in der Aufgabe der Helvetier eines Gebiets das heute im Südwesten Deutschlands zu finden ist, also vor allem das südliche Baden. Diese zogen aus um eine neue Heimat zu finden, doch die Römer (konkret Caesar) verwehrten Ihnen den Durchzug. Doch sie konnten nicht zurück, da sie ihre Burgen und Siedlungen vermutlich niederbrannten; wegen einer Krankheit oder damit die sich nähernden Germanen nicht ins gemachte Nest setzen können?

Später traf Caesar, der damalige Feldherr und noch nicht Kaiser des römischen Imperiums, das erste Mal auf den Suebenfürsten Ariovist, der die germanischen Stämme in die Region an- führte. Die Sueben waren übrigens Elbgermanen, die mit Hof und Familie gen Süden zogen, ebenfalls auf der Suche nach einer Heimat. Aus diesem Konstrukt der Suebi, einem Verband verschiedener elbgermanischer Stämme, entstand das heutige Wort „Schwaben“. Die Suebi hießen vormals „Swine“, wie es das heutige Swinemünde in Polen noch bezeugt.

Krieg und Handel | Kelten in Oberschwaben

Die Kelten sind beispielsweise zur Zeit der Hallstattkultur nackt in den Krieg gezogen und behaupteten sich gegen die Römer und auch gegen die Germanen, die ähnliche Strukturen aufwiesen wie die Kelten. Die Griechen nannten sie „Keltoi“ und die Römer nannten sie „Gallier“, diese werden heute oftmals dem französischen Staatsgebiet zugeschrieben. Im Kampf machten sie ein starkes Getöse mit einem Karnyx, ein Kriegshorn, und schrien beim Angriff. Sie kämpften eins gegen eins, was gegen die Römer ungeschickt war. Die Römer hatten eine durchorganisierte Armee, die Kelten (die Germanen auch) kämpften wild durcheinander. Sie änderten ihre Strategie auch nie, was Teil des Niedergangs der Kelten war. Vielleicht war auch der Konservatismus der Kelten ein Grund für ihre Auflösung unter den einströmenden Germanen.

Die Griechen und Römer sahen in den Kelten ein archaisches Volk, auch Barbaren genannt. Ein Grund war ihre Kriegsart, ein anderer, dass sie noch Menschenopfer darbrachten. Aber die Römer hielten sich auch von den Göttern auserwählt die Zivilisation zu erschaffen.

Die Heuneburg, im oberschwäbischen Hundersingen beispielsweise (siehe erstes Bild),  war Teil eines keltischen Handelsnetzes, das auch mit dem Mittelmeerraum im Warenaustausch stand. Die nahegelege Donau war da sehr von Vorteil. Die besten Entdeckungen macht man auf solchen Hochebenen, wie der Heuneburg. Das hat mit der intensiven Agrarindustrie in Oberschwaben zu tun, die etwaige Funde unauffindlich machen oder gar zerstören. Auffällig sind die Grabhügel und höhere Positionen, so war auch der Bussen schon zu Zeiten der Kelten ein heiliger Ort, wie heute bei den Katholiken.

Keltischer-Grabhügel

Religion, Druiden und Götterglauben bei den Kelten

Insgesamt gibt es meiner Meinung nach etliche Beispiele für die Kontinuität der religiösen Traditionen, die aus der Zeit der Kelten stammen könnten. Die Kelten hatten eine Naturreligion, die nicht mal eine Darstellung erforderte, denn man hatte die Götter in Form der Natur permanent um sich.

Tatsache ist, dass die Christianisierung viele Momente germanischer und keltischer Traditionen übernommen haben, wie den Osterhasen, den Weihnachtsbaum oder speziell in Oberschwaben, vermutlich auch die Heilig-Blut-Reiterprozessionen. Die Kelten segneten auch ihre Äcker um die Gunst der Göttern zu erbeten und auch das Pferd war ein heiliges Tier. Außerdem waren Stelen auf Gräbern und vermutlich auch an Äckern zu finden, wie dies heute der Fall ist. In späteren Zeiten mit Inschriften in Latein oder griechischer Sprache, die heutigen Gläubigen segnen Ihre Äcker mit beschrifteten Stelen oder auch mit kleinen Kapellen, oftmals in Kombination. Die Römer überbauten vermutlich einige heilige Orte der Kelten mit ihren Tempeln, die von den Christen ihrerseits zu Kirchen gemacht haben.

Stele und Kappelle

Bei den Kelten war Heiliges immer dreifach, so wie die christliche Dreifaltigkeit. Außerdem wurden an vielen heiligen Stätten der Heiden (christliche Bezeichnung der damaligen Naturreligionen, wie die der Kelten und Germanen) – meist auf Lichtungen im Wald, die heilig waren – zudem auch christliche Kirchen erbaut. Dies sollte der besseren Christianisierung dienen und es hatte ja Erfolg.

Bekannt sind vor allem die keltischen Druiden, es waren die Gelehrten der Kelten. Das Comic von Asterix & Obelix und dem Druiden Miraculix, mag daran erinnern. Eine Ausbildung zum Druiden dauerte 30 Jahre und sie waren die einzigen die über eine Art Schrift bei den Kelten verfügten: Die bekannten Runen.

Die Druiden waren eine Art Priester, jedoch nicht im heutigen Sinn. Die Religion der Kelten war individualistisch. Es gab mehrere Götter, die je nach Region angebetet wurden. Es gab einige Hauptgötter, wie der Lug (der Sonnengott bei manchen Stämmen) oder die Göttin der Pferde Epona, vermutlich vergleichbar mit der Urgöttin. Doch auch das muss nicht für alle keltischen Regionen stimmen.

Heilig waren bestimmte Orte, wie Berge oder bestimmte Ecken im Wald und vor allem Quellen. Manche waren für alle Kelten, manche durften nur von den Druiden besucht werden; letztere waren düstere Orte im Wald, die selbst der Druide in der Nacht mied.

Die Viereckschanzen waren vergleichbar mit den römischen villa rustica, also abgeschirmte Gutshöfe. Die Kelten hatten noch nicht das im Mittelalter eingeführte, erbliche Fürstentum. Ein keltischer Fürst musste seine Fähigkeit beweisen – meist im Krieg. So wählten sie ihre Anführer. In den Krieg zog bei den Kelten das gesamte Dorf, samt der Alten und Kranken.

Die Kelten sind noch immer kaum erforscht und vieles ist Spekulation. Doch die steigende Begeisterung für das antike Volk ist auch in Oberschwaben zu spüren, und treibt oftmals seltsame Blüten in Form der Esoterik. Die Kelten sind eben interessant und vermutlich auch ein Teil unserer Kultur und Gesellschaft, vielleicht sogar teilweise unsere Vorfahren.

Viel mehr darüber erfährt man auf den 14 Station der Oberschwäbischen Keltenstraße.

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