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Ehemaliges Kloster Bad Waldsee

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In Bad Waldsee standen einst auch ein Mal Klöster. Das Gebäude in der Altstadt von Bad Waldsee wird heute von der Polizei genutzt und die Häuser rund um die Kirche waren einst ebenso ein Kloster.

Die mittelalterliche Stadt Waldsee (Wahlase) hatte nicht nur die damals schon prachtvolle Kirche, welche der zentrale Ort eines Klosters war, sondern noch ein weiteres Kloster. Das Gebäude, wo sich heute die Polizei der Stadt Bad Waldsee befindet, war früher als Kloster erbaut worden.

Ehemaliges Kloster Bad Waldsee

Klöster in Bad Waldsee & Stift der Augustiner Chorherren

Das ursprüngliche Gebiet des Klosters umfasst nicht nur die Seitengebäude, sondern auch die heutige Apotheke war Teil der Klosteranlage. Auch die Gebäude um den Gut-Beth-Platz in Bad Waldsee sind früher Teil eines Waldseer Kloster gewesen.

Das Augstiner Kloster wurde im 12. Jahrhundert gegründet. Die heutige Pfarrkirche St. Peter war damals noch in romanischer Form vorhanden und hatte nur einen Turm. Das Kloster bestand bis 1788 und wurde auf eigenen Wunsch aufgelöst. Damals war wohl die Disziplin etwas unter die Räder geraten sein, denn damit wurde es begründet.

Doch begann es als intellektuelles Zentrum mit einer gewissen Hoch-Zeit im 12. Jahrhundert. Doch schon im darauffolgenden Jahrhundert ließ das Glück nach. Die Schulden waren wohl zu hoch, so dass man beispielsweise 1264 Grundstücke in Haslach und ein Hof in Michelwinnaden veräußerte.

Doch das Kloster hatte Bestand und im 14. Jahrhundert ging es wieder aufwärts. Die Blützeit erreichte es dann im 15. Jahrhundert, was man auch am Erwerb von Besitzungen ablesen kann. Vor allem in der Stadt kaufte das Kloster Grundstücke auf, aber auch beispielsweise in Marktdorf. Die Disziplin soll vorbildlich gewesen sein und die vielen Äbte mit ihrer literarischen Leistung zeugen davon.

Außerdem gab es enge Verbindungen zum Kloster in Reute, was sich später noch auszahlen sollte; ab 1351 hatten dort die Chorherren das sagen. Die Pröpste und Äbte der religiösen Gemeinschaft sind heute noch in der Stadt vertreten, wie an Straßennamen: „Propst Konrad Kügelin“ (1366 bis 1428). Unter seiner Protektion stand auch die Gute Beth. Ihr Ruf, sie hätte Wunder getätigt und ihre spätere Seligsprechung (1767) führen schon im 15. Jahrhundert zu Wallfahrten.

Damals hatte der Staufer Kaiser, Friedrich I., die Oberhoheit über das Gebiet erlangt. Zuvor gehörte es zum welfischen Einflussgebiet. Die Herren von Waldsee waren deren Ministerale und auch gegen den Protest der Bürger von Waldsee wurde man an das Haus Waldburg verpfändet (1384 bis fast durchgängig 1680).

Die Frage der Reformation war dort abgelehnt worden, unter den Waldseer Chorherren gab es nur zwei Sympathisanten für diese Idee. So haben sogenannte Wiedertäufer aus der Schweiz mit den Ideen von Zwingli versucht dies zu ändern. Ihre eigentliche Ausrichtung ist Toleranz und Gewaltverzicht, dennoch versuchten sie es in der Kirche in Bad Waldsee mit Gewalt. Dies endete in einem Blutbad und dem Tod der Schweizer Missionare. Auch der bekannte Reformist Thomas Müntzer versammelte in den Jahren davor die Bauern um sich und stiftete eine demokratische Gemeinschaftsidee, auf der Basis der Bibel. Dies war die Zeit des Bauernkrieges, welcher vom sogenannten Bauernjörg rachsüchtig und brutalst ausgefochten wurde. Dieser Bauernjörg, Georg III. von Waldburg, liegt heute in der Pfarrkirche Bad Waldsee begraben, wie andere seiner Familie.

Gemeindehaus Bad Waldsee

Das Kloster hatte eine Bibliothek, die urkundliche Ersterwähnung findet sich im 15. Jahrhundert. Dort druckte man auch Bücher, also Bibeln. Vielleicht war der Ort ein zentraler Druckort von Bibeln. Wie groß die Sammlung an Büchern war ist unbekannt, aber nach einem Brand war ein Teil zerstört. Damals erfasste man noch 2.500 Bücher und etliche Bücher gingen nach Freiburg.

Durch den Ruf der Wunder der Guten Beth fördert man ab dem 17. Jahrhundert die Wallfahrten nach Reute, vermutlich eine frühe Form des Tourismus. Schon zuvor, ab 1621 darf sich das Kloster als Abtei bezeichnen und in den Folgejahren ging es dem Kloster immer besser, was vielleicht der Grund war, warum bald ein Franziskaner Kloster eröffnen sollte. 1680 sollte die Stadt Waldsee sich übrigens von der Fremdherrschaft aus Österreich freikaufen.

Im Jahr 1788 wurde das Kloster aufgelöst. Die Ordensregeln wurden wohl nicht mehr so ernst genommen. Die Objekte wurden verkauft, was die von Waldburg auf den Plan rief und Geld boten.

Im 19. Jahrhundert wütete ein Feuer und zerstörte einige Gebäude, die nicht mehr aufgebaut wurden. Andere Gebäude wurden neu gebaut, so das heutige Gemeindehaus; damals die Schule.

Polizeigebäude Bad Waldsee | Früheres Franziskanerkloster

Der Bettelorden der Franziskaner kam mit dem aufblühenden Wohlstand des Augustinerklosters. Gebaut wurde das frühere Kloster 1650 in Form eines Hufeisens. Diese Form hat es noch heute. Im Zentrum der Klostergarten, abgeschlossen von dem sogenannten „Mäuerle“. Das „Mäuerle“ hat auch eine Geschichte, die erzähle ich ein ander Mal.

Ehemaliges Klostergebaeude Waldsee

Es befindet sich gegenüber dem heutigen Czardas und der Hochstatt. Damals entstand der Bau des Klosters bei der Kapelle zur Himmelspforte, auch Krettlinkirche genannt. Der Bettelorden war arm, wie es das Vorbild des heiligen Franziskus vormachte. So hat man überall gespart.

Die Steine für das Klostergemäuer hat man von der ehemaligen Burg Neu-Waldsee geholt und dort wieder verwendet. Die Mönchskutten wurden mit von der Stadt spendiert, allerdings musste damals auch das Wappen der Stadt aufgestickt werden. Eine Art mittelalterliches Marketing.

Dieses Kloster wurde im Zuge der Säkularisation im Jahre 1806 aufgelöst, trotz der Bitten der Ansäßigen. Danach war es ein Speicher für Lebensmittel, bis 1855 das Oberamt Waldsee einzog. Heute ist es der Sitz der örtlichen Polizei.

Adresse des ehemaligen Franziskanerklosters Bad Waldsee