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Die Römer, der Alpenfeldzug & Eroberung Oberschwabens – Teil III

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Im Jahr 15 v. C. kamen die Römer über die Alpen, um weite Teile des heutigen Süddeutschlands zu erobern.

Das ist nun der dritte von fünf Teilen über die Römer in Oberschwaben. Der erste Teil widmet sich der Frage, wer vorher hier lebte und der zweite Teil widmet sich den Römern und ihrer Strategie.

Ausstellungsstücke-Römermuseum-Mengen-Ennetach

Der Grund für den Feldzug über die Alpen war vermutlich die Errichtung einer Verkehrsinfrastruktur zwischen den römischen Provinzen. Zudem wollte man ganz Germanien unterwerfen. Offiziell war der Grund in dem Verhalten der Rätier zu suchen, sie würden Reisende in den Alpen überfallen. Tatsächlich gab es aber auch Angriffe von germanischen Stämmen, die über den Rhein in römisches Territorium einfielen.

Schon bis 19 v. C. hatten die Römer unter Kaiser Agrippa den Straßenausbau und die Verwaltung in Gallien optimiert. Doch am Rhein war Schluss, auch mit den Verkehrswegen. Vermutlich lagen die Pläne zur Eroberung Germaniens damals schon einige Jahre in der Schublade. Schon der frühere Statthalter von Gallien, Munatius Plancus, stieß im Jahr 44 v. C. und 43 v. C. bis an den Bodensee vor.

Der Angriff, so wird spekuliert, wurde in Gallien vorbereitet. Ein Jahr zuvor war Augustus in Gallien zur Truppeninspektion. In Gallien selbst war eine Legion stationiert. Und man verlegte Truppen aus Aquitanien und Spanien an den Rhein. Zufall?

Zur Abschreckung gegen die Germanen und um die Dominanz zu beweisen, stießen römische Truppen immer wieder in germanisches Gebiet vor. Damit wollte man vielleicht den Gegner testen und ihn möglicherweise prophylaktisch schwächen. Augustus Außenpolitik war von Hegemonie geprägt. Unter der Pax Romana sollten die Völker vereint werden: patrocinium orbis terrae verius quam imperium. Prinzipiell waren die germanischen Stämme keine wirkliche Bedrohung. Sie griffen aus Armut an, was für die Vermutung spricht, dass der Alpenfeldzug keine wirtschaftlichen, sondern geopolitische Interessen verfolgte.

Tiberius Portrait

Tiberius Portrait

Der Feldzug sollte von zwei hohen Römern geführt werden, die aber noch recht jung waren: Tiberius und Drusus. Sie waren die Stiefsöhne des römischen Kaisers Augustus. Vielleicht hat Papa deshalb erstmal den erfahrenen Feldherrn M. Lollius gegen die Alpenvölker vorgeschickt. Offiziell waren es Tiberius und Drusus, die den Alpenfeldzug führten, doch viele Indizien weisen darauf hin, dass der erste Schlag von Lollius kam. Er verlor jedoch gegen die Sugambrer und die Clades und ging des Legionärsadlers verlustig.

Daher kommt als dritte Flanke zu Tiberius und Drusus noch der Feldherr Publius Silius Nerva auf den Plan. Er war dort erfolgreich, wo sein Vorgänger versagte, und ermöglichte den Alpenfeldzug mit.

Alpenvölker und Rom

Dass Augustus ganz Germanien, also das Gebiet vom Rhein bis zur Elbe, unterwerfen wollte, ist heute bewiesen. Die Vorbereitungen für den Krieg gegen die Alpenvölker und die Vindelici waren vermutlich schon seit 25 v. C.  virulent. Vielleicht dachte man, es wäre ein leichtes Spiel, da schon Caesar gegen einige Alpenvölker erfolgreich war.

Die westlichen Alpen wurden vor den östlichen Alpen eingenommen. Auch hierbei  war Publius Silius Nerva beteiligt. Die Salasser wurden 25 v. C. bereits besiegt. Sie sollen fast völlig ausgerottet worden sein.  Im Jahr 14 v. C. werden die Seealpen erobert. Die „alpes maritimae“ sind ein schmaler Streifen zwischen dem heutigen Italien und dem heutigen Frankreich bei Nizza. Den längsten Widerstand boten die cottischen Alpenvölker unter König Cottius, die nördlich davon lagen. Doch auch wenn sie letztlich verloren, lohnte sich der Aufwand. Sie werden später im Auftrag Roms die Kontrolle über das Gebiet der oberen Donau übernehmen.  Nach den cottischen Alpen sollte die Eroberung der Zentralalpen folgen, ab 15 v. C. betraf dies auch die Rätier.

Es gab damals fünf bekannte Wege über die Alpen nach Norden. Caesar nutzte vermutlich die Strecke über den St. Bernhard, damals der einzige Pass in römischer Hand. Später, von 13 v. C. bis 9 v. C., wird Augustus auch die Illyrischen Gebiete unterwerfen. Das Noricum (östlich von der Provinz Rätien) wurde fast kampflos eingenommen.

Der überlebende Rest der Alpenvölker, rund 44.000 Personen, wurde wahrscheinlich in die Sklaverei verkauft.

Unter Augustus hatte Rom 20 Legionen, den Alpenfeldzug führte Rom mit mindestens drei, vermutlich aber fünf oder sechs Legionen.

Feldzug nach den Alpen

Vermutlich schon vor den Alpen trennten sich Drusus und Tiberius, um in verschiedene Richtungen vorzustoßen. Drusus kämpfte sich durch die Rätier und über den Brenner ins heutige Bayern vor und Tiberius von Gallien über den Rhein bis zum Bodensee. Aber ob es wirklich eine Zangenstrategie gab, ist unklar. Ebenso ungesichert ist, dass sich die beiden Armeen am Bodensee vereint haben, aber so wird es des Öfteren in den Quellen vermerkt. Die Hauptquellen dafür sind Strabon und Cassius Dio.

Im Vorfeld hat man die Walenseeroute gesichert. Schon im Jahr 16 v. C. wurden die Wachposten entlang dieser Linie verstärkt. Vermutlich hat Silius Nerva als erfahrener Feldherr die Alpenpässe mit gesichert und war schon ein Jahr zuvor über die Walenseeroute bis zum Alpenrhein und schließlich auch zum Bodensee gekommen, also über Basel an den Hochrhein. Tiberius folgte diesem Weg, denn die Feldherren Tiberius und Drusus waren Stiefsöhne des Kaisers und nicht so erfahren im Kriegshandwerk. Es gilt als gesichert, dass der Kaiser Augustus seinem Zögling Tiberius in militärischen Belangen nicht viel zutraute.

Die Römer differenzierten nur wenig und so wurden die Rätier als Sammelbegriff der Stämme im heutigen Oberschwaben und darüber hinaus. Daher wurde die Provinz später auch Rätien genannt. Zwar gibt es ein Siegesdenkmal des Rätierfeldzugs im Auftrag von Augustus, auf dem alle Namen der Alpenvölker beschrieben sein sollen. Doch die Reihenfolge kann genauso wenig möglich sein wie die geringe Anzahl. Zudem kann man die Position der Stämme hierüber nicht ausmachen.

Der Feldzug selbst dauerte nur einen Sommer und die Armeen sollen sich am Bodensee vereint haben. Doch vermutlich hat nur Tiberius am Bodensee gesessen, während Drusus weiter in Richtung Elbe vordrang. Drusus selbst war vermutlich gar nicht im heutigen Oberschwaben, aber Tiberius. Doch die römische Propaganda feiert die Zusammenkunft am  1. August des Jahres 15 v. C., was der Ehrentag des Namensgebers war: Augustus. Und es war das 15jährige Jubiläumsfest des Kaisers. Ein Propagandatrick? Vermutlich. Der Treffpunkt wird hierbei  geographisch zwischen den Donauquellen und östlich von Augsburg im westlichen Flachland der Vindelici verortet. Allerdings haben sich die Läufe der Flüsse im Laufe der Zeit geändert, allein in den letzten 100 Jahren bereits drei Mal.

Am Bodensee soll dann eine Seeschlacht mit den Rätiern stattgefunden haben. Vermutlich waren es – wenn schon, denn schon – Vindelici oder eben Kelten. Ob Tiberius überhaupt mit den Rätiern zu tun hatte, ist nicht geklärt. Vermutlich baute man auf der Insel Mainau eine kleine Schiffswerft, um die Truppen über den Bodensee zu transportieren. Zu dieser Zeit dürfte das römische Hauptquartier in Bregenz gewesen sein, denn Bregenz war auch der Hauptort (Hauptstadt wäre wohl das falsche Wort) der Vindelici – das kulturelle Zentrum.

Während Cassius Dio davon berichtet, dass man Transportschiffe baute und übersetzte, erwähnt Strabon, dass die Mainau als Stützpunkt ausgebaut wurde. Es soll eine Seeschlacht gegen die Vindelici stattgefunden haben. Es gab auf beiden Seiten nur wenig Schiffe und Material, aber es soll unter den Römern einige Verluste gegeben haben.

Der Name Mainau kommt aber aus einer späteren Epoche. Die in den Quellen beschriebene Insel wird nicht genannt, aber man geht davon aus, dass es sich um die Mainau handelt. Möglich wären auch die Reichenau oder Lindau mit der Halbinsel. Aber die meisten Indizien sprechen für die Mainau im Bodensee.  So spricht Strabon von einem großen See zwischen Rhein und der Donauquelle. Das ist zwar nicht möglich, jedoch hat sich die Landschaft seit jenen Tagen dramatisch verändert. Auch ein Sumpfsee wird genannt, vielleicht ist damit der Untersee gemeint, den man nicht mit dem Bodensee in Zusammenhang gebracht hat. Die Römer nannten den Obersee lacus venetus und den Untersee lacus acronus, allerdings war das Gebiet den Römern schon vor dem Feldzug bekannt. Erst später wird es für die Römer zu einem See, dann hieß er lacus brigantinus, also Bregenzer See. Zudem spricht für die Mainau, dass es zum Gebiet der Helvetier zählte, welche Caesar bereits besiegte, und sich das Lager der Römer damit nicht unbedingt in Feindesland befand, zumal vermutlich schon Silius Nerva die Lage beruhigt hatte und die Helvetier vielleicht an ihren Pakt mit Rom erinnerte.

Der restliche Feldzug wird wohl eher mit kleinen Scharmützeln als mit großen Gefechten einhergegangen sein; so kann man es aus den Schriften von Cassius Dio herleiten. Das lag vor allem daran, dass viele Kelten mit den Helvetiern ausgewandert waren. Tiberius hatte also leichtes Spiel und zog mit seinen Truppen bis zur mittleren Donau vor. Vielleicht wollten die Römer hier auch das Machtvakuum ausnutzen, bevor es jemand anders macht.

Drusus dagegen hatte Pech. Er fiel vom Pferd, als er weiter nach Germanien vordringen wollte, und stürzte so unglücklich, dass er daran verstarb. Das war im Jahr 9 v. C. Für Drusus und Tiberius wird eine gemeinsame Gedenkmünze gestanzt, aber auch Silius Nerva bekommt eine – für sich alleine. Vielleicht wollte das Kaiserhaus den Triumph des Sieges nicht direkt mit Silius Nerva teilen.

Nach dem Feldzug, der nur einen Sommer dauerte, kommt Augustus im Jahr 15 v. C. nach Lugdunum (Lyon) in Gallien. Im Jahr 8 v. C. werden die rechtsrheinischen Militärlager aufgelöst. Funde in Augsburg deuten auf die Anwesenheit der Römer in der Stadt zu dieser Zeit.

Zwar hat man sich schon zu Augustus‘ Zeiten gerühmt, die Donau als Grenze befestigt zu haben, jedoch war dies tatsächlich erst unter Kaiser Claudius (41 bis 53 n. C. Kaiser von Rom) erfolgt. Die Römer kamen zwar weit, aber sicherten nur das Alpenvorland ab. Danach sind die Römer in Schritten weitergegangen, vielleicht glaubten sie auch an eine Falle im dünnbesiedelten Gebiet. Die wahre Grenze zum Imperium lag südlich des Bodensees und das heutige Oberschwaben war sowas wie eine entmilitarisierte Pufferzone.

Ab 13 v. C. wird die Donau wirklich zur Grenze erklärt. Der Schreiber Horaz erwähnt jedoch noch eine Schlacht, die heftiger gewesen sein soll. Sie soll am Ende des Feldzugs stattgefunden haben und erst danach war die Donau in römischer Hand.

Die Römer hatten jedoch ein Ziel erreicht – Verbindungswege zwischen den Provinzen. Zum Ende des Feldzugs des Tiberius war die Strecke Gaunting, Augsburg, Lorenzberg, Auerberg, Kempten, über das südliche Bodenseeufer bis nach Wintherthur und Vindonissa (Windisch) militärisch gesichert. Alle Wege waren in Rätien auf Gallien ausgerichtet und verbanden diese mit dem Illyricum.

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