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Burgstall Zußdorf bei der Kirche

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Genau im Zentrum des Ortes Zußdorf lag einst die Burg der Herren von Zußdorf.

Tatsächlich war es lange Zeit unbekannt, dass hier in der Kurve zwischen der Kirche und dem Gasthaus Bräuhaus im Mittelalter eine Burg stand. Dass man davon heute nichts mehr erkennen kann, liegt am Abriss im 19. Jahrhundert. Schnell war das einstige Gebäude vergessen bis vor wenigen Jahren Urkunden über die Anlage gefunden wurden. Offensichtlich wurde die Burg vor dem Abriss vermessen und dokumentiert.

Burgstall Zussdorf

Zußdorf und der Adel

Zußdorf, das heute zu Wilhelmsdorf gehört, entstand wohl unter der Herrschaft der Merowinger. Dieses Adelsgeschlecht hatte vom 5. bis zum 8. Jahrhundert die Königskrone der Franken inne. Es war Chlodwig I., der die Alemannen vernichtet geschlagen hatte und fortan auch über Oberschwaben herrschte, was dann im Herzogtum Schwaben liegen sollte. Wegen dieses Sieges um die Wende zum 6. Jahrhundert, so die Legenden, habe er den christlichen Glauben angenommen. In Zußdorf gab es Funde, deren Herkunft man aus Merowingischer Zeit vermutet. Jedoch war die Kultur der Alamannen und der Franken recht ähnlich, sodass eine Zuweisung fraglich ist.

Gesichert ist ab 1188 ein Wetzel von Zußdorf und 1192 ein Heinrich von Zußdorf, letzterer stand im Dienst des Grafen von Heiligenberg. Der Ort verdankt seinen Namen vermutlich einem Personennamen, vielleicht dem Ahnen des Wetzel.

Der Ort wird urkundlich noch des Öfteren erwähnt. 1274 überlassen die Gebrüder Hugo und Albert von Bittelschieß ihre Ländereien in Tafertsweiler dem Kloster Salem, um deren Seelenheil. Sie wollten sich also den Himmel erkaufen 😉 Dafür verkaufte das Kloster Gelände in Zudorf an die Herren von Neufra. Der gab das Lehen an den Grafen von Berg.

Im Mai 1276 wird ein Hainrico de Zusdorf in einer Urkunde erwähnt, wobei Schenk Hermann von Schmalegg dem Abt und Konvent von Salem über 300 Pfund Konstanzer Pfennige als Schadensersatz leistet, damals war so ziemlich alles als Zeuge dabei was in der Region Rang und Namen hatte.

Im Jahr 1298 ging die Burg, damals Castrum genannt, die Ortschaft und das Patronatsrecht der Kirche an die Gebrüder von Hornstein, welche es geerbt haben. Um 1300 wird die Burg an die Familie Gremlich von Pfullendorf über. Nach Ort und Burg benannte sich ein Teil der  Familie Gremlich im 15. Jahrhundert. 1427 wird ein Hans Gremlich von Zußdorf erwähnt, dessen Bruder (?), Hermann Gremlich in Krauchenwies wohnt. Damals waren sie für die Herren von Horstein Bürgen. Offensichtlich eine wohlhabende Familie. 1447 kauft die Stadt Ravensburg Zußdorf von den Gremlichs ab.

Rund 200 Jahre wird es dann still um Zußdorf, erst 1646 – im Dreißigjährigen Krieg – wird es wieder erwähnt. Teile der Burg wurden durch Brände zerstört. Der Kommandant der Festung Hohentwiel und ein Kämpfer für den Protestantismus, Konrad Widerholt, schafft es aber nicht den Turmburg zu zerstören – sie trotzt dem Feuer. Die Festung Hohentwiel wurde aber ebenfalls nicht eingenommen. Vielleicht forderte man Tribut, den man nicht erhalten hatte – denn damals ging es vor allem um Geld für den Sold.

1649, nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, ging es es an Hyrus von Homburg und 1659 an die Herren von Rehling. Dabei unterstand es nun den Rittern von Bettenreute.

Fortan herrschte auch ein Zwist zwischen dem Grafen von Heiligenberg und der Landvogtei Schwaben über die Herrschaft über Zußhausen.

Burgstall im Zentrum von Zußdorf

Die kaum bemerkbare Anhöhe im Zentrum Zußdorfs war im Zentrum der Burg. Es war ein monolithischer Bau im Stil des Hatzenturms. Daher vermutet man auch, dass der Bau seinen Ursprung im 13. Jahrhundert hatte. Es war ein Burgturm und der stand etwas südöstlich des Chors der Kirche.

Die heutigen Steine auf dem Platz neben der Kirche in Zußdorf sind eher symbolisch hinterlegt worden, aber keine Reste der Burg. Ein heute nicht mehr auszumachender Wassergraben wurde wohl aus dem Zußdorfer Bach gespeist.

Die Ausmaße der Burg waren 8,80 Meter im Quadrat, wobei schon die Mauern über 2,50 Meter dicke einnahmen.

Ein Relief aus Sandstein soll noch von der Burg existieren, vermutlich im romanischen Stil. Jedoch ist es in Privatbesitz. Der Turmbau wurde 1823 dann komplett abgerissen.

Wo war die Burg Zußdorf?

  • Ravensburger Straße 4
  • 88271 Wilhelmsdorf-Zußdorf
  • GPS: 47.849223, 9.432583

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One Response to Burgstall Zußdorf bei der Kirche

  1. Dirk Nowak 19. Februar 2016 at 9:24 #

    Die Ältesten erhaltenen und wissenschaftlich bearbeiteten Steine von Zußdorf sind inzwischen im Schalander / dem Dorfgemeinschaftshaus von Zußdorf dauerhaft in einer Vitrine ausgestellt . der Größere entstammt aus der beschriebenenTurmfeste von Zußdorf. Es ist ein Eckstein mit Relief. zwei Männer sind zu erkennen.

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