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Burgstall Schmalegg | Stammburg eines Minnesängers

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Der Burgstall von Schmalegg gehörte einst zu den einflussreichsten Burgen und ihre Herren zu den einflussreichsten in Oberschwaben. Einer der Burgherrenwar der Minnesänger Ulrich von Winterstetten.

Die ehemalige Burg Schmalegg, oder auch Schenkenburg genannt, liegt ungefähr sechs Kilometer nordwestlich von Ravensburg auf der Hochfläche, die man als Schlossbüchl kennt, nördöstlich von Schmaleg, auf 555 Metern Höhe.

Burgstall Schmalegg

Die ehemalige Burg, bzw. das Gelände davon, befindet sich auf einer schmalen Spornkuppe des Schmalegger Tobels, zu allen Seiten mit steilen Abhängen zwischen den Gewässern Ach – die durch den Tobel fließt – und einem kleinen Bach, der sich westlich von der ehemaligen Burg durch das Gelände zieht und in die Ach mündet.

Dabei fragt man sich, ob der Name der Burg von dem Terrain, in Form eines schmalen Ecks, kommt. Ihr Ende fand die Schmalegger Burg im Dreißigjährigen Krieg und verblieb über die Jahrhunderte eine Ruine, deren Überreste zum Bau der Schmalegger Kirche dienten. Das war damals, vor allem bei Bettelorden, gängige Vorgehensweise, so auch bei der Burg Neu-Waldsee.

Der Schlossbüchl in der Antike | Keltische Fliehburg

Ursprünglich war hier einmal eine Fliehburg der Kelten, aber es gibt wenig gesicherte Erkenntnisse darüber wann genau. Vermutlich stand sie schon zur Hallstatt-Zeit (750 v. C. bis 450) hier. Sehr wohl aber weiß man dies von der benachbarten Rinkenburg im Schmalegger Tobel. Burgställe mit dem Namen Rinkenburgen gibt es einige, so auch die Rinkenburg bei Wilhelmsdorf. Ob es eine gemeinsame Anlage war ist nicht klar. Wälle der Kelten sind noch beim heutigen Hof Schmucker zu sehen. (GPS: 47.81068,9.546899).

Auf Grund der besonderen Lage und der vorbeiziehenden Gewässern waren die hier siedelnden Kelten womöglich mehr als nur als Besitzer einer Fliehburg, was von Prestige zeugte. Vielleicht war es ein keltischer Fürstensitz, denn die Flüsse waren damals breiter und befahrbare Handelswege, diese zu kontrollieren brachte schon in der Antike Reichtum mit sich. Denkbar ist auch ein Gutshof, der eben eine Fliehburg hatte – wohin man sich begab, wenn der Feind oder Räuber kamen.

Burg Schmalegg im Mittelalter

Die Burg Schmalegg wird urkundlich sehr oft erwähnt, vor allem im 13. Jahrhundert; erstmalig aber im Jahr 1147 als Smalekke. Konrad von Schmalegg trat damals als Zeuge auf.

Das damalige Dorf Schmalegg lag direkt davor, auf der Burghalde und noch heute finden sich Häuser dort; der Straßenname Burghalde weist darauf hin. Über eine Zugbrücke erreichte man die Burg Schmalegg.

Heute findet man hier noch die unter Naturschutz stehende Orchidee „Frauenschuh“, die man nicht pflücken darf. Wer sich für Orchideen und seltene Pflanzen interessiert, sollte sich das Eriskircher Ried ansehen!

Es ist anzunehmen, dass die Burg den ganzen Bergsporn ausfüllte und auch das Gebiet davor, also war die Burghalde vermutlich befestigt. Davon kann man heute nichts mehr erkennen, nur die geografischen Begebenheiten lassen dies erahnen. Womöglich zog sich die Befestigung auf der Anhöhe der heutigen Häuser entlang. Die Vorburg hatte wohl eine Länge von 240 Meter Länge und das auf 100 Meter – war also größer als die Burg selbst und vielleicht als Stadt gedacht.

Die Seitenhänge des Bergs gehen steil runter und die Fläche der Burg bestand aus 100 Meter nach hinten und an der dicksten Stelle (Wo das Kreuz und die Schilder stehen) ist das Gelände rund 40 Meter breit. Die letzten 30 Meter haben dann noch ungefähr 8 Meter Breite.

Der Graben war im Mittelalter wohl um die 20 Meter breit. Man sieht also, dass die Burg ideal lag und kaum zu erobern war, das geschah auch erst, als es schon Artellerie gab – was Burgen obsolet machte.

Ritteradel von Schmalegg

Die Geschichte der Burg ist an die Herren von Schmalegg gebunden, die dort ihre Stammburg hatten. Der erste bekannte Vertreter dieses Ritteradels war Eppo von Schmalegg im 12. Jahrhundert. Urkundlich ist sein Sohn Rudolf von Schmalegg erwähnt, er schenkte 1140, im Gedenken an seinen Vater, den Hof Dentenweiler dem Kloster Weingarten.

Wie es üblich war für große Burgen, so hatte auch die Burg Schmalegg eine Burgkapelle, die des St. Nikolaus. Der aus dem Osten, über den Norden, nach Oberschwaben gekommene Trend, den Schutzpatron St. Nikolaus zu erwählen beginnt im 10. Jahrhundert. So ist die Burg vermutlich im 10. oder 11. Jahrhundert entstanden.

Die Ritter von Schmalegg gehörten nicht zum Hochadel, sie waren Ministerialen der Welfen, dem bedeutensten Adelsgeschlechte in Oberschwaben zu jener Zeit. Zum Ende des 12. Jahrhunderts kommen die Staufer an die Macht und unter ihnen wurden die Ritter von Schmalegg zu Reichsministerialen. Damit werden die Ritter Schenken und nennen sich fortan Schenken von Schmalegg. Sie kauften und verkauften viel Land, wovon einige Urkunden künden.

Ulrich von Schmalegg-Winterstetten

Im 13. Jahrhundert bekommt der neue Herr im Hause Schmalegg, Konrad, Winterstetten durch Heirat neue Ländereien des Hauses Winterstetten.  Zu Winterstetten gehörte damals auch die Burg von Tanne, Otterswang, Ittendorf und Biegenburg. Der Sohn Konrads, der Minnesänger Ulrich begründete somit das Rittergeschlecht, derer von Schmalegg-Winterstetten.

Ulrich (1225 bis 1280) ist wohl der bekannteste Vertreter derer von Schmalegg, er war ein Minnesänger und darin wohl geübt! Seine Texte sind im Codex Manesse, der Heidelberger Liederhandschrift, erhalten geblieben, zumindest teilweise. Mit seinen 47 Liedern hat er der Quantität nach Platz zwei,  nach Walther von der Vogelweide.

Er wird sich später nur noch Ulrich von Winterstetten nennen, da er dort die hohe Kunst des Minnesingens erlernte. Er stirbt als Domherr in Augsburg.

Zu seinen literischen Ergüssen gehörte:

„Ach frouwe, din schouwe gelichtet den rosen im touwe – vil liebe frouwe min, ich wil din diener sin!“

Ende der Burg von Schmalegg

1294 war das Ende der Staufer als Herren in Oberschwaben, und die von Schmalegg wurden quasi entmachtet. Der Anfang vom Ende war wohl der Verkauf der Burg zum Ende des 13. Jahrhunderts an die Grafen von Werdenberg-Sargans, der sie dann an Ravensburg, im Jahr 1413, veräußerte. Die Ravensburger setzten dort einen Landvogt ein, es entsteht ein allmählicher Verfall.

Im Dreißigjährigen Krieg, im Jahr 1647, wird die Burg von schwedischen Truppen abgebrannt. Sie verblieb als Ruine in den nachfolgenden Jahrhunderten unter der Regentschaft von Ravensburg. Bis ins 19. Jahrhundert waren die Ruinen dort  sichtbar. Im Jahr 1862 werden die Steine der Ruine genutzt um die Kirche in Schmalegg zu errichten.

Die Adelslinien derer von Schmalegg sind erloschen, die ursprüngliche Linie bereits im 15. Jahrhundert die letzte Linie im 19. Jahrhundert.

Adresse des Burgstall Schmalegg

  • Schloßhalde 64
  • 88213 Ravensburg-Schmalegg
  • GPS: 47.80886,9.550356


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