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Burgstall Reichenhofen | Burghügle

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Schon fast etwas versteckt befindet sich der Burgstall einer ehemaligen Burg von Reichenhofen gleich außerhalb des Ortes.

Ein kleiner Hügel ist noch zu sehen, wo einst eine Bergburg stand. Wenn man von Reichenhofen im Allgäu in Richtung Bad Wurzach bzw. Vorderberg geht, kommt man direkt daran vorbei. Nach dem Ortsschild ist rechts oben der Hügel im Wald. Da sich hier eine starke Neigung und eine Kurve der Straße befindet, sollte man den Ort zu Fuß erkunden.

Burgstall Reichenhofen

Der kleine Berg steigt steil auf sechs Meter zur Umgebung auf. Nach Süden hin ist der kleine Berg nicht so steil, vermutlich war dies der Zugang – in Richtung Reichenhofen. Um das Bergle verlief damals auch ein Graben, der im nord- und östlichen Teil teils noch zu sehen ist. Die Burg stand auf dem Bergle zentral – leicht östlich. Dort finden sich noch auch noch Hinweise auf einer Mauer, ob einer Böschung. Die Mauer verlief aber vermutlich komplett herum. Aber ansonsten fand man keine Mauerreste auf der Anlage. Es ist übrigens einer von zwei Burgställen in Reichenhofen.

Adel & Geschichte von Reichenhofen

Es ist nicht belegt, dass hier schon vor der den Alemannen Menschen lebten. In der Nähe befindet sich der kleine Ort Mailand, der zu Reichenhofen gehört und die dortige Stephanuskirche deutet auf das 5. Jahrhundert. Diese Siedlung Reichenhofen scheint aber erst im 8. oder 9. Jahrhundert entstanden zu sein.

Tatsächlich erwähnt wird Reichenhofen erstmalig im Jahr 1127 als Schenkung, damals Richehoven genannt. 1152 wird es als Richenhouen erwähnt. Das Gebiet gehörte seiner Zeit dem Grafen von Bregenz, eine Linie der ersten fränkischen Herrscher in Oberschwaben, die „Udalrichinger“, die in Bregenz wohnten und sich dann so nannten. Die Grafen von Bregenz werden in der Nebenlinie zu den Grafen von Montfort.

Es gibt für diese Zeit bis ins 13. Jahrhundert, einen belegten Adel von Reichenhofen. Sie waren vermutlich Dienstmannen (Ministeriale) des Grafen Montfort. Zur Zeit der Erwähnung gab es einen Berthold von Reichenhofen. Andere Quellen sehen hierin ein eigenständiges Adelsgeschlecht.

Die Burg jedenfalls war ein Lehen des Grafen Rudolf von Montfort (Bregenz und Pfullendorf).  Dieser heiratete eine Welfin, und war am Bau des Klosters Salem beteiligt. Der Graf erstand im selben Jahr, 1127, Ländereien in der Nähe von Riedlingen. Er starb auf einer Pilgerreise nach Jerusalem im Jahr 1181.

Mit den Oberhäuptern sterben auch die geschlossenen Verträge und da in Reichenhofen das Kloster Rot seinen Besitz hatte, wird es 1182 nochmal erwähnt, als Papst Lucius III. das Kloster Rot und seine Ländereien unter seinen Schutz stellt. Später werden weitere Klöster hier Ansprüche haben.

Zuletzt wird im Jahr 1280 ein Eberhard von Reichenhofen genannt, aber er stirbt wohl im Jahr 1300 und damit ist der Adel derer von Reichenhofen ausgestorben.

Reichenhofen unter der Herrschaft der Trauchtenburger

Die Burg übernahm nach dem Ende derer von Reichenhofen die Familie Trauchtenburg. 1342 wird die Burg zum Vertrag über Ländereien, die an das Kloster Waldsee abgetreten werden. Das bekunden die Brüder Berthold und Heinrich von Trauchtenburg. Dabei ging es um ein Gebiet bei Michelberg. Sechs Jahre später schenken sie dem Kloster Isny und Kempten im Allgäu Höfe in ihrem Gebiet.

Die von Trauchtenburg kamen später auch als Waldburg-Zeil-Trauchtenburg zum Schloss Zeil. Sie wurden 1380 mit dem Attribut, „gesessen zu Reichenhofen“ erwähnt, also dort verortet. Das Adelsgeschlecht war hoch gestellt, sie waren Hof und Landrichter des Königs für die Bauern in der Leutkircher Heide und in der Grafschaft Marstetten. Das spiegelt sich auch im Wappen von Reichenhofen, wo ein Richterstuhl abgebildet ist. Später zählt man Reichenhofen zur Grafschaft Zeil.

Zum Ende des 14. Jahrhundert wird ein Peter der Haider als Besitzer der Burg geführt. Inzwischen dürfte sie abgegangen sein und als Steinbruch Verwendung gefunden zu haben. In dieser Zeit wird auch der berühmteste Sohn der Stadt geboren: Hans Multscher, der als großer Künstler seiner Zeit 67jährig in Ulm stirbt. Eines seiner Kunstwerke steht in der örtlichen Kirche.

1419 verkauft ein Simon Haider, der wohl in Reichenhofen wohnt, den Zins aus seinem Hof. 1485 verkauft sein Nachfahre, Hans Haider aus Mollenberg den Burgstall samt weiteren Rechten an Hans Ott aus Bad Wurzach (genannt Lutz von Wurzach). Dazu gehörten die Zinsen der Mühle, die Fischrechte, einen Wald und Weiher bei Ulatzhoven und einen Blindensee, den es heute nicht mehr gibt. Die Mühle zur Burg existierte noch bis ins 20. Jahrhundert.

Im 16. Jahrhundert verliert das Kloster seine Besitzungen in Reichenhofen. Kempten und Waldsee behält sie bis ins 18. Jahrhundert. Zu Ende dieses Jahrhunderts verödet Reichenhofen, doch schon bald entstehen neue Ortschaften, wie Vorderberg oder Stank Wolfgang.

Adresse des Burgstalls Reichenhofen

  • Mühlbachstraße 34 (ungefähr)
  • 88299 Leutkirch im Allgäu
  • GPS: 47.849344, 9.967343