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Burgruine Neuravensburg

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Der Bergfried der Burgruine Neuravensburg prangt noch heute hoch über dem gleichnamigen Ort.

Noch heute kann man auf den 533 Meter hohen Burgberg und dann hoch auf den Bergfried, wo man eine sensationelle Aussicht genießen kann. Die Burgruine ist das Wahrzeichen der Ortschaft Neuravensburg in der Nähe von Wangen im Allgäu. Hier finden auch immer wieder Mittelaltermärkte und Feste statt.

Burgruine Neuravensburg

Geschichte von Neuravensburg

Wie man am Namen der Ortschaft unschwer erkennen kann, muss es etwas mit Ravensburg zu tun haben. Die Burg stand schon vor dem Ort, der erst um 1240 gegründet wurde. Vielleicht ein Gefolgsmann der Welfen aus Ravensburg? Die vermuteten Reichsministeriale (Diener) errichteten auf dem Moränenhügel eine wehrhafte Verwaltungseinheit.

Der Name der Ortschaft ist im Mittelalter Nuiwen Ravenspurg, so eine Urkunde von 1271. In diesem Jahr wird die Stadt Neuravensburg zerstört, bis 1288 sogar des Öfteren. Es war eine Fehde zwischen dem Grafen Rudolf II von Montfort und Hugo III. von Werdenberg. Der Abt von St. Gallen floh in die Gemäuer, er stand auf der Seite von Hugo. Der Graf von Montfort ließ Neuravensburg abfackeln und tötete den Kontrahenten damit. Der Tod des Abts wiederum führte im Kloster zu Unruhen und Streitigkeiten bezüglich der Führung des Klosters. So kam es, dass es zwei Äbte gab: Ulrich von Güttingen und Heinrich von Wartenberg.

Nach dem die Habsburger die Macht an die Macht kamen, denn Rudolf I von Habsburg in Österreich war König, festigte er seine Macht. Er verfügte einen Gegenabt und belagerte Neuravensburg im 13. Jahrhundert. Insgesamt werden alle Ländereien des Klosters angegriffen. Das führte zu einem erhöhten Finanzbedarf und das Kloster verpfändete viel Land, darunter eben auch Neuravensburg.

Der Ort, respektive der ansässige Adel, muss einflussreich gewesen sein, so spricht man noch im 14. Jahrhundert von der Stadt Neuravensburg, im 15. Jahrhundert spricht man nur noch von einem Dorf.

Der nachgewiesene Adel hier, Heinrich von Ravensburg, so glauben es einige Forschende, wollte mit der Etablierung der Burg eine eigene Dynastie schaffe – als Konkurrenz zu seinen Dienstherren von Staufen, die die Welfen inzwischen verdrängt haben. Zu dieser Zeit gab es große Wirren um die Staufer und das Erbe. Heinrich ändert seinen Namen in von Neuravensburg und gilt als Gründer der Stadt. Vielleicht um den Herrschaftsanspruchs zu unterstreichen. Doch der Plan der eigenen Dynastie scheitert auch daran, dass Heinrich 1270 ohne Nachwuchs starb.

Burg und Dorf wechseln nach dem Tod des Reichskämmerers Heinrich von Ravensburg den Besitzer. 1270 ist es im Besitz des Klosters St. Gallen. Sie geben Neuravensburg an verschieden Adelsfamilien, entweder als Lehen oder als Pfand. 1288 verkauft Graf Rudolf von Montfort seinen Anteil an der Burg Neuravensburg an das Kloster St. Gallen. 1451 bekommt die Stadt Lindau das Pfand über die Stadt und dürfen die Vögte stellen. 1586 erhält die Stadt Wangen das Pfand Neuravensburg.

Doch beklagte man den geringen Preis der Stadt Wangen, den man dafür erhalten habe und führt Formalien als Begründung für die Rückführung des Gebiets an. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wird das Geschäft rückgängig gemacht und das Kloster St. Gallen wird wieder Gebieter über das Land. Zum Ende des Jahrhunderts wird Neuravensburg abermals verpfändet, dieses Mal an den Grafen von Monfort-Tettnang.

Den Dreißigjährigen Krieg überstand die Burg wegen der Tributzahlungen. Während des Toggenburger Krieges in der Schweiz, bei dem es auch um die Religion ging, flüchtete der Fürstabt Leodegar Bürisser 1712 nach Neuravensburg und verblieb bis zu seinem Tod in Deckung.

1772 wird der Pfand ausgelöst, da der Graf von Montfort die Schulden bei den Habsburgern nicht zahlen kann, kommt das Kloster St. Gallen wieder an die Macht in Neuravensburg. Doch wenige Jahre später, ab 1775 verödet der Ort für 15 Jahre. Und das obwohl das Kloster im 18. Jahrhundert viel Geld in Neuravensburg und Umgebung investiert. Sie bauten Schulen und stauten Wasser zu Seen, so auch der Neuravensburger Weiher. Nach der Säkularisierung ging Neuravensburg zunächst für drei Jahre an den Fürsten von Dietrichstein und dann an Württemberg.

Geschichte der ersten Burg Neuravensburg

Der Monränenhügel, der sich länglich von Süden nach Norden zieht und zu den Seiten teils stark abfällt, bietet sich für eine Burg geradezu an. Vermutlich hat man sie schon im 12. Jahrhundert erbaut. Unklar ist, wer die Burg erbauen ließ und weshalb. Ob des Namens glaubt man einen welfischen Ministeriale, denn die Welfen lebten zuletzt in Ravensburg in der heutigen Veitsburg.

Urkundlich nachzuweisen ist das Gemäuer erst ab dem 13. Jahrhundert (siehe oben). Zu dieser Zeit sind in der Umgebung einige Burgen entstanden, wie auf dem Pflegelberg oder auf dem Löwenhorn. Die anfängliche Burg dürfte eine Turmburg gewesen sein. Doch stand der erste Turm einige Meter nördlich des heute sichtbaren Turms. Um den Turm, wo der Ministeriale wohnte, zog sich eine Mauer um das Bergplateau.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Burg immer wieder vergrößert. Es kam eine zweite Burgmauer hinzu, die mehr des Berges und weitere Gebäude umfasste. Dazu gehörte wohl neben Wirtschaftsgebäuden auch ein Stall. Erst jetzt errichtete man den Bergfried, der heute noch die Ansicht prägt. Zudem kann man wohl davon ausgehen, dass es auch eine Vorburg gab, die sich nach Süden erstreckte und sechs Meter unterhalb der obersten Ebene lag. Von Osten, wenn man hoch geht, kann man noch die Überbleibsel eines Halsgrabens erkennen. Vermutlich maß die Burg rund 17.000 Quadratmeter.

Das Ende der Burg war der Bauernkrieg. Der Neuravensburger Haufen, so bezeichneten sich die Aufständischen selbst, zerstörten in der Wut die Burg im Jahr 1525. Zu jener Zeit wurden einige Burgen von Bauern gestürmt und zerstört worden.

Geschichte des Schloss Neuravensburg

Nach der Zerstörung der Burg durch die Bauern bleibt die Burg lange unrenoviert. Erst 1613 machen sich die Leute im Auftrag des Abt Bernhard Müller auf, das Gemäuer wieder hochzuziehen – im Stil der Zeit natürlich als Schloss. Das Schloss hatte nicht nur den Bergfried in das Konzept integriert und ihn dabei um acht Meter erhöht, sondern mit dem Wohnturm verbunden. Da der Bergfried dünner war, als der Wohnturm hat man bei der Verbindung der beiden Objekte eine zusätzliche Mauer als Blende eingebaut.

Der Wohnturm wurde modernisiert und aus der Vorburg wurde eine Zehntscheuer, das mittelalterliche Finanzamt. Zudem gab es ein Tor, einen Schopf,  eine Wasch- und Ofenküche, einen Brunnen und eine Garage für die Kutschen (Wagenremise).

Die Aufteilung der Räumlichkeiten im Schloss sind detailliert überliefert worden. Im Erdgeschoss gab es eine Eingangshalle, Lagerplätze und die Kanzlei, das Büro der Verwaltung. Diese Kanzlei wird später in den ersten Stock verlegt und im 19. Jahrhundert abgerissen. Im Keller, unterhalb des Turms, lagerten die Weine und es gab einen direkten Zugang von der Kanzlei aus. Vielleicht damals ein Geheimgang für die Party nach der Arbeit.

Der Vogt wohnte im ersten Stock und dort befand sich auch die Küche. Ein Stock darüber waren die Privaträume des Fürsten mit einem Vorsaal und mit viel Chic. Auf der Bühne wurden auch damals schon ungenutzte Gegenstände verwahrt.

Im Bergfried waren zu Schlosszeiten ebenfalls Dinge abgelegt worden, die man nicht mehr brauchte. Wobei es zeitweise auch als Gefängnis diente. Im dritten Stock des Bergfrieds war die Folterkammer, mit entsprechenden Folterwerkzeugen. Das Schloss verfügte immer noch über eine Mauer und drei Wehrtürme, die aber im 19. Jahrhundert wegen Baufälligkeit entfernt und durch Mauern ersetzt wurden.

Was ist ein Schloss ohne einen Schlosspark? Der war zweigeteilt und befand sich vermutlich im östlichen und westlichen Teil der Burganlage.

Anders als die Stadt Neuravensburg war das Schloss 1803 zwar auch an Franz Joseph Fürst von Dietrichstein gegangen, doch erst 1829 kam das Königreich Württemberg an die Burg Neuravensburg. Im Jahr 1836 kauft ein Bürger aus Wangen die Burg und nutzte sie als Steinbruch. Von 1837 bis 1840 wurde die Burg abgerissen. Einen Teil der Steine nutzte man zum Aufbau der Kirche in Roggenzell.

Erst ab dem 20. Jahrhundert startete man Bemühungen die Anlage zu erhalten.

Wo ist die Burg Neuravensburg?

  • Weg zur Burg neben dem Rathaus
  • Hagmühleweg
  • 88239 Wangen im Allgäu – Neuravensburg
  • Homepage des Burg- und Heimatvereins Neuravensburg
  • GPS: 47.637745, 9.755955

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