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Biegenburg | Ruine mit Mauerresten

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Die Biegenburg in der Nähe von Blitzenreute war einst eine wichtige Burg hoher Reichsritter und endete als Zankapfel zwischen Ritter und Kloster in den Flammen.

Wenn man von Blitzenreute in Richtung Südosten geht, liegt die Biegenburg ungefähr anderthalb Kilometer auf einem Bergsporn entfernt. Auf diesem Weg kommt man zum alten Burgweg, dort befindet sich eine kleine Grube, vielleicht der Wachturm der Burg. Der erste Graben ist nur bedingt auszumachen, die Wälle aber sehr wohl. Die Burgruine bietet neben Graben, Wall und Burgempore auch noch deutliche Mauerreste, welche unter anderem von der Burgmauer stammen. Ein schmaler Pfad führt um die Burg und dort wächst auch Bärlauch! Außerdem bieten sich immer wieder schöne Ausblicke auf das Schussental!

Mauerreste Burgruine Biegenburg

Die Fläche kurz dahinter war vermutlich die Vorburg, woran sich ein deutlicher Graben abgrenzt und sich die Hauptburg anschließt. Danach kommt man zum Burgberg, wo vermutlich auch der Ritter thronten. Insgesamt war die Burg wohl recht groß, mit eine der größten in der Region. Einige Brocken von der Umfassungsmauer sind noch sichtbar, diese Mauer umschloss den ganzen Bergsporn. Wenn man die Ruine genau betrachtet sieht man immer wieder Böschungen und Mauerreste. Im südöstlichen Teil war das Wohnhaus, der Palas. Im Zentrum der Anlage finden sich auch zwei Gruben in Trichterform. Sie waren wohl einst der Platz für Türme der Burg.

Steile Abhänge schützten die Burg vor Angriffen aus dem Schussental, welches damals ein bedeutender Handelsweg war. Somit hatte der Inhaber der Burg eine Möglichkeit der Kontrolle des Handelswegs. Auch heute zieht sich die Bundesstraße westlich davon.

Auf Grund der geografischen Begebenheiten hatte die Biegenburg aber vermutlich einen festen Übergang über den Graben und keine Zugbrücke.

Kurze Geschichte von Blitzenreute

Die Geschichte der Ortschaft Blitzenreute steht im engen Kontext zu der Biegenburg. Die Endung -reute deutet auf eine Rodung des Gebietes, was vermutlich im Hochmittelalter geschah. Die Burg bestand zu diesem Zeitpunkt bereits. Ab 1265 wird der Herr Blizunruti genannt, vermutlich der adlige Burgbewohner. Der die Ortschaft und darin ein Gotteshaus etablieren ließ, davon zeugt noch heute die Kirche Blitzenreute.

Geschichte der Biegenburg und deren Ritter

Die Herren von Biginburg oder Bigenburc, zuweilen sogar Baienburg, Beyenburg, Beinburch und Bienburg genannt ließen die Burg im vermutlich schon im 10. oder 11. Jahrhundert erbauen. Der Namensreichtum liegt darin, dass es damals noch keinen Duden gab und alle so schrieben, wie es gut aussah. Allerdings nannten sie sich zuweilen auch Herren von Baienbach, daher wohl der Name – von dem vorbeifließenden Bach. Die Ritter dieser Burg waren Ministerale, also Verwalter im Dienste der Welfen, die schon ab dem 9. Jahrhundert in Altdorf (Weingarten) lebten. Als die Staufer die dominierende Macht wurde, standen die Ritter in deren Diensten.

Sie waren sehr erfolgreich in ihrem Tun und steigen bald bis in die hohe Kreise auf. Urkundlich erwähnt wird der Heinrich von Biegenburg 1201, er wird Kämmerer des Königs Philipp. Ein Kämmerer ist der frühe Schatzmeister und der Reichskämmerer ist eine Art Finanzminister. Zudem zog Friedrich von Biegenburg in den 20er Jahren des 13. Jahrhunderts mit dem König Heinrich VII in den Krieg.

Ihre Ehen waren oftmals strategische Heiraten, so sind die Ritter im Laufe der Zeit mit denen von Baumgarten, Eichstegen, Löwental sowie mit den Neu- und Ravensburgern verwandt.

In Friedenszeiten entschied der Ritter Heinrich von Biegenburg über die Lehenvergabe, davon zeugt 1260 eine Urkunde, in der er garantiert, dass alles seinen korrekten Gang geht. Er tauscht Güter in Überlingen mit Gütern am Vorsee. 1264 erlaubt er eine Seestauung für ein Kloster und einen neuen Weg zu bauen.

Heinrich von Biegenburg vermacht im Falle des Todes einige Güter dem Kloster Weingarten. Er würde in den Krieg ziehen, was des Ritters Handwerk ist. Doch er überlebte und kam zurück. Oftsichtlich war es nicht zu seinem Nachteil, denn er verschenkte die Burg im Jahr 1264 an den Deutschen Orden. Sie hatten bereits von dem Grafen Konrad von Grüningen in der Ecke einige Besitzungen geschenkt bekommen, die er von den Rittern von Biegenburg in langjährigen Verhandlungen bekam. Der Graf war bei der Stiftung auf der Rückreise aus dem heiligen Krieg, wo er als Kreuzritter kämpfte. Auf der Burg wurde die Kommende des Ordens errichtet, wenngleich sie drei Jahre später nach Altshausen ziehen werden. Heinrich war der erste Komtur, also quasi Chef. Doch die Nachkommen von Heinrich waren von der Idee wenig begeistert und beklagten die Verschenkung.

Ein Jahr nach der Schenkung, 1265, bekam auch das Kloster Baindt und das Kloster Weißenau einige Fronleute im Falle des Todes; Baindt bekommt das Jahr drauf noch einen Hof. Denn Heinrich war inzwischen alt geworden und erkrankte. Seine Macht schwand wie seine körperliche Fähigkeit, so musste der Deutsche Orden im Jahr 1268 umziehen. Zwei Jahre darauf ging Heinrich der Reichskämmerer ins Kloster nach Konstanz.

Doch überlebte der Reichskämmerer Frau und Kind, so ging das Erbe und damit die Burg an Schenk Heinrich von Schmalegg, der sich 1272 Schenk von Biegenburg nannte – offensichtlich hatte das mehr Prestige.  Die Mutter Heinrichs war eine geborene Schmalegg. Der Name blieb, jedoch änderte sich das Wappen durch das derer von Schmalegg. Und selbstverständlich hatte man den Titel Schenk beibehalten: Schenk von Biegenburg. Von dieser Familie zeugen noch Urkunden im 14. Jahrhundert: Schenk Konrad im Jahr 1301 und Schenk Albrecht der 1340 als Chorherr in Konstanz vermerkt ist. Ein Schenk von Albrecht wird 1341 Bürger der freien Stadt Ravensburg.

Durch Heirat mit Ursula Schenkin von Ittendorf, kommt noch im 14. Jahrhundert die Burg an die Ritter von Hörningen, die ihren Sitz in Herrlingen bei Blaubeuren hatten. Deren Besitzungen kam dem verarmenden Ritter gut gelegen, der alles versilberte was von ihr kam. Dazu gehörte auch die Biegenburg, die 1404 samt Kirche, Ortschaft, Mühle, Fisch- und Jagdrechte an das Kloster Weingarten ging.

Ob die Frau gerade die Burg nicht verkauft sehen wollte oder der Ritter von Hörningen als Sitz wählen und damit den Namen übernehmen wollte, ist unbekannt. Jedoch wollte er die Burg nicht rausrücken. Daher wurde die Burg schlichterdings angezündet und zerstört. Seit dem Beginn des 15. Jahrhunderts schleift die Burg immer weiter ab. Ungewiss aber vorstellbar ist, dass Steine der Burg für den Bau anderer Gebäude genutzt wurden.

Wo ist die Ruine Biegenburg?

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