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Barockschloss & Kirche Mainau

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Auf der Insel Mainau im Bodensee befindet sich auch ein schönes Barockschloss, samt imposanter Schlosskirche.

Ein barockes Schloss, samt barocker Kirche und ein Gasthof zum Verweilen – auch das findet sich, nebst den vielen Blumen, auf der Insel Mainau.

Schloss Mainau

Geschichte der Kommende Mainau | Deutscher Orden

Im 13. Jahrhundert gehörte die Insel noch dem Kloster Reichenau. Im Jahr 1271 übereignete man es dem Deutschen Orden, die hier – wie auch das Schloss Altshausen – eine sogenannte Kommende erbauten. Dies war der Beginn des heutigen Baus, dem eine lange Geschichte voraus ging.

Der Deutsche Orden verfügte seit 1250 über ein Patronat in Jettenhausen, das heute ein Teil von Friedrichshafen ist. Zehn Jahre später bekam man weitere Güter und im Laufe der nächtsten Dekade errichtete man eine Kommende in Sandegg (heutiges Schweiz). Dies rief das Kloster Reichenau auf den Plan, welches in derselben Region expandierte. Bis 1272 wurde der Streit durch den Bischof von Konstanz beendet. Demnach verzichtete das Kloster Reichenau auf die Insel Mainau und die Dörfer an diesem Ufer.

Der Vermittler der Aktion, von Langenstein, bekam offiziell die Ländereien und gründete auf der Mainau die Kommende. Er und seine Söhne wurden zu (höheren) Mönchen des Ordens. Die Kommende in Sandegg wurde dafür ausgetauscht, das Kloster dort aufgelöst und die Mönche kamen auf die Mainau.

Die Kommende auf der Mainau war Teil der Deutschordensballei Elsass-Burgund, die schon im 13. Jahrhundert entstand. Der erste Komtur war 1273 Rudolf von Iberg. Er, wie seine Nachfolger bis zum 16. Jahrhundert, waren jeweils aus niederem Adel. Auch der Großteil des Konvents bestand aus Adeligen von niederem Rang, wie beispielsweise Ritter. Im 15. Jahrhundert waren es sechs.

Das Siegel des Ordens aus dem Jahr 1278  zeigt eine Eiche mit Vögeln, was den Lebensbaum darstellen soll, sowie das Kreuz der Glaubensgemeinschaft. Ab dem 14. Jahrhundert wird es leicht variiert.

Mit Blick nach Norden erlangte man im 14. Jahrhundert Güter im Linzgau, vor allem in Pfaffenhofen und Aufkirch, und das Patronat über die Reichsstadt Überlingen. Um bei der Stange zu bleiben und die Weinsteuer weiter kassieren zu dürfen, erhielt der Stadtrat ab dem 16. Jahrhundert mehr Rechte bei Fragen des Pfarrers oder weiteren Personals.

Noch davor erwarb der Orden einen großen Teil der Stadt Immenstaad, was man bis 1783 hielt, und im Jahr 1488 kamen Hegauer Güter dazu, wie Beuren am Ried, Blumenfeld (1511), Epfenhofen, Leipferdingen, Watterdingen, Weil, sowie Gemeinden in Hinter-Tengen. Ein beträchtliches Areal, das man dreigegliedert hat: Bodanrück (inklusiver zweier niederer Gerichtsbezirke), die Ländereien an der nördlichen Bodenseeküste und jene im Hegau.

Spätestens ab dem 15. Jahrhundert ist die 1272 errichtete Kapelle und das später platzierte Kreuz ein Wallfahrtsort, was auch Einnahmen mit sich bringt. Soviel Geld erzeugte auch Neid, was sich durch Angriffe der Nachbarn zeigte. Vor allem die Habsburger (Österreich) versuchten im 17. Jahrhundert der Kommende des Deutschen Ordens Land streitig zu machen. Kurzzeitig konnten sie die Insel sogar besetzen. Dies regelte man schließlich doch gerichtlich vor dem Reichskammergericht. Kurz darauf, 1588, errichtete man auch einen Wachturm, der heute Schwedenturm heißt.

Doch ein Komtur von der Mainau war mächtig und auch reich, er war das mit das reichste Mitglied innerhalb der Ballei. Vor allem der Weinhandel war einträglich, obwohl man selbst nie anbaute. Für das Geldeintreiben und den Verkauf der Waren, unterhielt man quasi Kneipen, sogenannte Kastenhäuser, in Konstanz und Überlingen.

Doch dann kam der Dreißigjährige Krieg. Zunächst schien es, als würde der Krieg an der Mainau vorbeiziehen. Und so lagerte unter anderem der gesamte Ordensschatz auf der Mainau. Der Idee von Sicherheit folgte auch Johann Kaspar von Stadion, Hochmeister des katholischen Ordens. Der avancierte zum Komtur und baute den Orden als Befestigung aus.

Doch konnte es die Kommende im Jahr 1647 nicht vor den schwedischen Truppen retten. Der erste Angriff erfolgte am 12. Februar 1647 durch 17 Schiffe und etwa 3.000 Männer. Auf der Seite der Mainau standen 40 Leute. Sie zogen sich in die Burg zurück, welche beschossen wurde. Nach zwei Tagen, am Valentinstag 1647, gaben sie auf.

Die Schweden tobten zwei Jahre auf der Mainau und als sie sie zwei Jahre später verließen, war nur noch eine Ruine geblieben. Die Schweden erbeuteten derart etwa 4,5 Millionen Gulden. Das sogenannte Schwedenkreuz soll der Legende nach, den Truppen zu schwer gewesen sein. Sie sollen es an der Stelle, an der es heute steht, fallen gelassen haben oder Bauern brachten es nach dem vergeblichen Raub dahin. Das Kreuz mit einer Szene der Kreuzigung aus Bronze stammt vermutlich aus dem Jahr 1577 aus Konstanz. Die Szenerie soll davor an der Kirche platziert gewesen sein. Über den Weg des Bronzekreuzes zur Mainau gibt es verschiedene Ansätze, zum einen als ein Symbol einer gelungenen Seefahrt, oder – zum anderen – ein Denkmal an eine Schlacht.

Im 18. Jahrhundert streitet die Kommende Mainau vor allem mit dem Fürstenhaus von Fürstenberg, wobei es um die Ortschaften Lippertsreute geht. Des Weiteren macht dem Deutschen Orden die Gerichtsbarkeit in den Gemeinden Allmannsdorf, Egg, Litzelstetten, Petershausen, Staad und auf der Mainau streitig. Und auch Überlingen will mehr Rechte – beim Jagen, Fischen, Baumfällen und bei den Steuern. Das bedeutete auch den finanziellen Abstieg.

Barockes Schloss und Kirche St. Marien Mainau

Doch man hatte noch genug Geld um ab dem 1730er ein neues Gebäude aufzubauen. Eine Kapelle aus dem Jahr 1272 und Reste der Burg Mainau wurden dafür abgerissen. Das war dem Repräsentationswillen geschuldet und daher nahm man auch den bekannten Baumeister Johann Caspar Bagnato unter Vertrag. Dieser baute auch den Komplex in Altshausen oder auch die Rokoko-Perle in Birnau.

Bagnato, in Zusammenarbeit mit seinem Sohn, verwirklichten den Bau im Stil der Zeit: Barock. Schon 1739 wurde die Kirche fertig, die mit Fresken von Franz Josef Spiegler und Stuck von Francesco Pozzi ausgestattet sind. Die Saalkirche ist der Gottesmutter Maria geweiht und misst 20 Meter Länge, sowie fast zehn Meter Breite. Die Apsis ist halbrund, das Kirchenschiff rechteckig und die Wände sind mit Rundbogenfenster versehen. Der Turm ist mit einer Turmhaube bekrönt.

Auch der bekannte Barockkünstler Joseph Anton Feuchtmayer war mit von der Partie. Er gestaltete die Altäre und einige Skulpturen. Das Hochaltarbild zeigt Maria mit Jesus, sowie Johannes den Täufer. Die Fresken an der Decke zeigen ebenfalls Stellen aus dem Leben der Gottesmutter.

Die Engel der Seitenaltäre, Sebastian und Nepomuk, und die Schwarze Madonna sind von Johann Baptist Babel. Die damalige Orgel war von Johann Michael Bihler aus Straßburg und wurde von Feuchtmayer dekoriert. Im Jahr 1860 durch sie durch eine neue Orgel im Stil der Spätklassik ersetzt. Der 1757 gestorbene Bagnato ist im Übrigen in der Kirche auf der Mainau beerdigt.

Danach widmete er sich dem Schloss, dass bis 1743 im Großen und Ganzen fertiggestellt wurde. Die Feinheiten dauerten dann noch bis 1756 an. Im Ergebnis entstand eine typisch barock’sche Dreiflügelanlage, inklusive eines Ehrenhofs – insgesamt etwas mehr Pracht als in Altshausen, obwohl dort von 1455 an derjenige saß, dem man Bericht erstatten musste.

Das Schloss verfügt nun über zwei Etagen, wobei vor allem der Westgiebel prachtvoll dekoriert ist. Dort sind die Insignien des Herzogs von Bayern und die, diverser Komture auf der Mainau, verewigt. Auf der gegenüberliegenden Seite (Seeseite) prangt das Wappen des Deutschen Ordens. Trotz Planung Bagnatos kam es nicht zu einem prächtigen Treppenhaus nach dem Vorbild in Würzburg. Besonders sehenswert sind der Audienzsaal, der Weiße Saal (der aber erst 1883 entstand) und der Wappensaal.

Im Jahre 1805 wird das Kloster aufgelöst und 1806 dem Großherzog von Baden zugeschlagen. Vielleicht auch, weil die badischen Truppen das Areal im Verband mit der Grande Armée bereits erobert haben. Rund 25 Jahre später kaufte Fürst Nikolaus von Esterházy die Mainau für 65.000 Gulden, der sie 1839 an das Haus von Langenstein verkaufte. Doch auch sie halten den Besitz nicht lange und verkaufen an den Graf von Douglas. 1853 wird die Insel wieder badisch. Der Großherzog beginnt damit auf der Insel einen Park einzurichten. Damit gingen einige bauliche Veränderungen einher.

Noch 1928 geht es an die Schwester des Großherzogs, die bereits Königin von Schweden war. Danach kommen die Enkel der Königin, von Wisborg, an den Besitz. Die Familie ist bis heute, im 21. Jahrhundert, im Besitz dieser schönen Insel, allerdings in Form einer Stiftung. Der Adel wohnt auch noch in dem Schloss. Wenn sie anwesend sind, wird eine Fahne mit ihrem Wappen gehisst.

Heute ist die Mainau ein Geschäftsbetrieb und im Südflügel des Schlosses befindet sich ein kleines Café, das zum Verweilen einlädt. Etwas weiter befindet sich auch zwei Restaurants. Dort stehen auch einige Palmen, was mit dem besonderen Klima der Insel zu tun hat. Es locken diverse Ausstellungen und Konzerte ins Schloss Mainau. Außerdem bietet der Schlossgarten, der vom Rest der Blumeninsel kaum abzugrenzen ist, einiges zu bieten. Vor allem der lange Wasserkanal und einige Wasserspiele sind ein lohnender Anblick.

Die Kirche auf der Mainau lässt sich für Hochzeiten mieten. Derart heiraten hier pro Jahr etwa 100 Paare. Und es gibt einen Anlegesteg, der auch von Fähren angesteuert wird.

Wo ist das Schloss Mainau?

  • Mainau
  • 78465 Konstanz

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